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Unternehmen vom 19.07.2012

WAZ probt den Befreiungsschlag: "Politika" verkauft, langsam Ordnung bei "Kronen-Zeitung"

Die WAZ-Mediengruppe versucht den Befreiungsschlag. Nach dem bestätigten Verkauf der "Politika" in Serbien, der noch Fragen aufwirft, steht jetzt auch fest, wer die Interessen der Essener in der Chefredaktion der österreichischen "Kronen-Zeitung" vertreten wird.

Wien - Irgendwann geht vielleicht auch diese Geschichte für Petra Grotkamp, Mehrheitseignerin der WAZ Mediengruppe, gut aus.

Seit Jahren gibt es mit dem Hälftepartner bei der "Krone", der Familie Dichand, Ärger. Vor allem der langjährige Streit mit Hans Dichand, dem Doyen des österreichischen Boulevard-Journalismus, der 2010 verstarb, kostete Christian Nienhaus und seinem damaligen Geschäftsführerkollegen Bodo Hombach viel Kraft und Nerven.

Eine Lösung hat das Schiedsgericht für WAZ und Familie Dichand schon vor Wochen gewiesen. Die WAZ bekommt ihren eigenen Chefredakteur bei der "Krone", den sie selbst bestimmen darf. Allerdings mit einer Einschränkung - die WAZ-Frau oder der WAZ-Mann darf nicht von außen entsandt werden, sondern muss aus der Redaktion der größten Zeitung Österreichs stammen.

Noch fehlt die Unterschrift unter dem Vertrag, aber wie es die Spatzen von den Essener Dächern pfeifen, hat sich die Führung mit dem Wirtschaftschef der "Krone" geeinigt. Georg Wailand heißt er, er ist Jahrgang 1946 und verantwortet bei der "Krone" seit 1974 das Wirtschaftsmagazin, und seit 1991 ist er auch stellvertretender Chefredakteur. Wailand war ein treuer Wegbegleiter des alten Hans Dichand, vor Wailand hat auch Christoph Dichand, noch Allein-Chefredakteur und Verwalter von Hans Dichands Erbe, Respekt, er akzeptiert den erfahrenen Blattmacher.

Dem "Standard", der zuerst über die Personalie Georg Wailand schrieb, wollte der Publizist nicht mehr sagen, als dass er sich im Moment im Urlaub befinde.

Derweil schimpft auf dem Balkan die Politik erneut über die WAZ. Was hat die Essener Verlagsgruppe damals nur geritten, in einem Land einzusteigen, dessen Politik so dermaßen korrupt erscheint? Und das auch heute noch, im Jahr 2012.

Die WAZ, und das muss leider auch notiert werden, bewegt sich in Serbien so elegant wie ein Elefant im Porzellanladen. Oder anders ausgedrückt - hier ist die WAZ, wo ist der Fettnapf?

Aus dem Hut hat das deutsche Medienhaus einen russischen Käufer gezaubert, der Verkauf stand bis zum Schluss unter oberster Geheimhaltung.

Offizieller Käufer des 50-Prozent-Anteils von "Politika" ist eine "East Media Group" aus Moskau, die erst am 29. Januar 2012 offiziell eingetragen wurde. Dokumente belegen, dass Uros Stefanovic als Eigentümer firmiert. Stefanovic gilt als Intimus von Miroslav Bogicevic, einem der finanziellen Förderer der Demokratischen Partei.

In Serbien tobt jetzt ein Krieg der Worte um die Besitzverhältnisse bei "Politika", der ältesten Tageszeitung auf dem Balkan.

Manchmal würde man sich wünschen, dass Zeitungsfreunde in Deutschland auch nur ansatzweise diese Leidenschaft für das gedruckte Wort zeigen würden wie auf dem Balkan.

Für den Verkauf ihrer Anteile erhält die WAZ insgesamt 4,7 Millionen Euro. Vier Millionen Euro wurden bereits an die WAZ-eigene österreichische Ost-Holding mit Sitz in Wien überwiesen; die fehlenden 700.000 Euro werdem erst Ende 2014 fällig.

Die WAZ ist seit 2001 auf dem Balkan tätig.

Offiziell will sich die WAZ-Mediengruppe zu dem Verkauf ihrer "Politika"-Anteile nach Moskau nicht äußern.

Inzwischen zeigt sich auch der Deutsche Journalisten-Verband besorgt um die berufliche Zukunft der "Politika"-Journalisten und die publizistische Unabhängigkeit der "Politika".

Bülend Ürük

Bei der WAZ Mediengruppe passiert unheimlich viel. Sie haben Informationen, Tipps, Themen? Ihre Einschätzungen - natürlich auch vertraulich - bitte per Mail direkt an chefredaktion@newsroom.de.

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