Vermischtes vom 31.07.2012
Thomas Knüwer wettet: "Financial Times Deutschland" gibt es Anfang 2013 nicht mehr - zumindest als gedruckte Tageszeitung
Der Unternehmensberater und Journalist Thomas Knüwer wettet in seinem Blog, dass es das Wirtschaftsblatt "Financial Times Deutschland" Anfang 2013 als gedruckte Tageszeitung nicht mehr geben wird. Der Verlag Gruner+Jahr, Herausgeber der "FTD", reagiert fast ein wenig nebulös.
Düsseldorf - Manche Wetten fallen aus dem Rahmen. Schon Mark Twain hat in seiner Kurzgeschichte "Die Eine-Million-Pfund-Note" eine Wette meisterlich beschrieben. Immer wieder ungewöhnlich und abenteuerlich sind die Späße bei "Wetten, dass..?" im ZDF. Eine Überraschung für die ganze Familie, die meistens gut ausgeht.
Am 6. Oktober kommt die erste Sendung von "Wetten, dass..?" mit Markus Lanz aus Düsseldorf. In der Landeshauptstadt am Rhein lebt und arbeitet auch der Journalist und Unternehmensberater Thomas Knüwer, der am Montag auf dem ersten Blick etwas Schändliches, Irritierendes, Provokantes getan hat.
In seinem Blog "Indiskretion Ehrensache", in dem er Entwicklungen in der Medienbranche von persönlicher Warte aufspießt, wettet Thomas Knüwer, dass es bereits Ende dieses Jahres die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" in ihrer derzeitigen Form nicht mehr geben wird.
Wenn es die "Financial Times" als gedruckte Zeitung Anfang 2013 doch noch geben sollte, will er 100 Euro an "Reporter ohne Grenzen" spenden. Knüwer sagt den Tod der Tageszeitung voraus und terminiert ihn sogar - nicht irgendwann, sondern Ende des Jahres werde Schluss für die "FTD" sein.
Was weiß Knüwer, was wir nicht wissen? Was hat ihm "FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann gesteckt? Was hat ihn G+J-Chef Bernd Buchholz an Infos zugeschoben?
Bevor wir mit Thomas Knüwer sprechen, greifen wir zur (gedruckten) "FTD", natürlich zur frischen Montags-Ausgabe. 28 Seiten auf gediegenem Lachsrosa-Papier, bodenständiger Wirtschaftsjournalismus, einige exzellent formulierte Beiträge, vieles aber doch irgendwie Sommerferiengetrieben. 2,20 Euro kostet die Ausgabe. Was direkt auffällt - die Wirtschaftszeitung mit der doch so attraktiven und finanzstarken Zielgruppe, so ja zumindest die Erwartungen, sie enthält keine bezahlten Anzeigen von Kunden. Ja, es gibt Werbung, auf insgesamt 2 3/4 Seiten - Eigenanzeigen für die FTD oder für von der FTD herausgegebene Produkte sowie Werbung für eine Aktion vom Wirtschaftsmagazin "Business Punk", das auch zu den G+J-Wirtschaftsmedien gehört. Das wars, und zwar an einem ganz gewöhnlichen Montag.
"Es ist doch nur ein kleines, unbedeutendes Blog", wiegelt Thomas Knüwer ab, als wir ihn in seinem Heim in Düsseldorf erreichen und ihn auf seinen Artikel ansprechen. Welche Geheimquellen hat er wohl im Bertelsmann-Konzern?
Keine. "Ich probiere in meinem Blog immer wieder etwas aus", sagt Knüwer. Nun wette er halt das erste Mal mit seinen Lesern. Seine Informationen stammten unter anderem aus persönlichen Gesprächen mit Verlagsangestellten aus unterschiedlichen Bereichen. Quellen, mit denen er gesprochen hat, nennt er allerdings nicht.
In seinem, nach dem ersten Schreck lesenswerten Stück verwebt Knüwer verschiedene Entwicklungen der vergangenen Monate, erwähnt Steffen Klusmanns seltsames Interview mit "Horizont" und bezieht sich auch auf zwei NEWSROOM-Beiträge - einmal das Interview mit Markus Peichl und unseren Bericht über die personellen Veränderungen in Nürnberg. Im NEWSROOM-Telefonat erinnert Knüwer auch noch an eine Aussage von Verlagschef Bernd Buchholz ("keine Bestandsgarantie").
Knüwer, und das schmerzt in den Verlagen, spricht etwas an, was niemand hören möchte. Er wagt sich mit seiner Wette weit aus dem Fenster und polarisiert damit. Ein Feind der Verlage ist er, der bei Holtzbrinck gelernt hat und vor seiner "KpunktNull"-Gründung Ressortleiter beim "Handesblatt" war, aber nicht, auch wenn ihn viele Journalisten und Kaufleute, auch bei Holtzbrinck, wegen seiner klaren Worte inzwischen vom Hof jagen würden. Knüwer ist das Enfant terrible der Medienfamilie. Die Welt ist bei ihm immer schwarz oder weiß, nie bunt. Aber das macht auch den Reiz von einem Text von Thomas Knüwer aus.
Was Thomas Knüwer liest
Gedruckte Zeitungen und Zeitschriften gibt es nur noch wenige im Knüwerschen Haushalt. Eine gedruckte Tageszeitung hält Knüwer überhaupt nicht mehr, die liest er maximal noch im Flieger, einmal die Woche gibt es aber noch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", weil seine Frau darauf besteht. Als eingefleischter Anhänger entpuppt sich Knüwer vom US-amerikanischen "Time Magazine", "die habe ich seit dem elften Schuljahr im Abo". Hier kennt er sogar gleich den Preis, im Abo koste ihm das Nachrichtenmagazin 80 Cent pro Ausgabe. Zudem liest Thomas Knüwer regelmäßig das Kunstmagazin "Monopol" aus dem Ringier-Verlag.
Denn es ist nicht das erste Mal, das Knüwer gegen die "alten Medien" auskeilt. Aber es ist das erste Mal, dass er gezielt eine Tageszeitung herauspickt, sie bei Namen nennt und sagt, die gibt es Anfang nächsten Jahres nicht mehr in ihrer jetztigen Form. Er prognostiziert damit den Kollegen bei der "FTD" Arbeitslosigkeit. Gehört sich das?
Bislang hatte sich Thomas Knüwer meistens auf "die Verleger" oder "die Verlage" beschränkt.
Zu NEWSROOM sagt Knüwer, dass der journalistische Teil der Verlage massiv gefährdet sei. Verlage müssten endlich verstehen, dass ihr Wert in ihrem Ruf, in ihren Beziehungen, die sie haben, besteht: "Wenn die Verlage sich nicht ändern, sind die Arbeitsplätze nicht zu retten", sagt Knüwer voraus.
Sollte Knüwer die "FTD"-Wette verlieren, will er seinen Wetteinsatz direkt überweisen und in seinem Blog seinen Fehler eingestehen: "Wir lagen falsch".
Derweil reagiert auch die "Financial Times Deutschland". Auf Anfrage von NEWSROOM erklärt Joachim Haack, Sprecher der G+J Wirtschaftsmedien: "Die 'Financial Times Deutschland' ist ein entscheidender Teil der G+J Wirtschaftsmedien und diese sind als eine der drei Verlagsgruppen des Verlags ein wichtiges Element des G+J Medien-Portfolios in Deutschland. Und so wird es auch in Zukunft sein. Die aktuelle Situation der FTD entspricht der des gesamten Wirtschaftspresse-Segments in Deutschland."
Bülend Ürük
Lesen Sie hier den Bericht "Den Bach runtergehen" von Thomas Knüwer
