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Print vom 28.08.2012

"Wirtschaftsjournalist" meldet: Dieter von Holtzbrinck Medien haben kein Interesse an G+J-Wirtschaftsmedien

Die NEWSROOM-Exklusiv-Story über die Pläne bei der "Financial Times Deutschland" waren am Dienstag das Gesprächsthema in der deutschsprachigen Medienszene. In seiner neuen Ausgabe, die ab heute erscheint, legt die Fachzeitschrift "Der Wirtschaftsjournalist", die wie NEWSROOM ebenfalls im Johann-Oberauer-Verlag erscheint, in der Causa G+J-Wirtschaftsmedien nach.

Hamburg - Als graue Eminenz gilt bei den Dieter von Holtzbrinck Medien (unter anderem "Handelsblatt", "Wirtschaftswoche") der erfahrene Medienmanager Michael Grabner. In seinem ersten Interview seit mehr als fünf Jahren erklärt er im neuen "Wirtschaftsjournalist" (hier bestellen), wie sich die Wirtschaftspresse verändern muss, um zu überleben. Klare Worte findet Grabner auch zu den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr.

Grabner erklärt im Gespräch mit "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteur Markus Wiegand, dass sein Haus kein Interesse an der "Financial Times Deutschland" habe. Zwei Titel in einem überschaubaren Marktsegment zu führen, davon hält Grabner überhaupt nichts. Auch lehnt Grabner es zumindest im Moment ab, die "FTD" zu kaufen und einzustellen: "Das ist nun wirklich kein Konzept", sagt Michael Grabner.

Grabner kritisiert auch die Zusammenlegung von unterschiedlichen Redaktionen zu einer großen Einheit: "Ich bin sicher, dass Gruner + Jahr sehr genau überlegen wird, wie sie die Wirtschaftspresse künftig steuern werden, und auch, ob das Zusammenlegen der Redaktion wirklich ein Erfolg ist. Ich hätte das nicht gemacht. Als Wirtschaftsmedium sind Sie kein Autohersteller, der einfach mehrere Marken auf ein Chassis baut. Medienmarken müssen ein kreatives Eigenleben führen. Das spürt auch der Nutzer."

Im "WJ"-Interview erklärt Michael Grabner zudem, dass das "Handelsblatt" alleine rote Zahlen schreibt. Zusammen mit den Nebengeschäften wiesen seine Wirtschaftsblätter aber einen Gewinn aus. Laut Grabner steckt die Wirtschaftstagespresse in der schwierigsten Phase der Geschichte.

Der Österreicher Michael Grabner (64) stieg 1978 mit einer eigenen Marketingberatung ins Mediengeschäft ein. In den 80er-Jahren arbeitete er als Prokurist und Geschäftsführer verschiedener Tochtergesellschaften für den Verlag des „Kurier“ und stieg bis zum Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführer in diversen Tochtergesellschaften der Mediaprint auf. 1991 ging er als Geschäftsführer zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und führte die Aufsichtsgremien von Verlagsgruppe Handelsblatt, „Zeit“, „Saarbrücker Zeitung“ und „Tagesspiegel“.

2007 ging Michael Grabner als selbstständiger Medienunternehmer zurück nach Wien. Als Dieter von Holtzbrinck 2009 die VHB, den "Tagesspiegel“ und 50 Prozent der „Zeit“ zurückkaufte, stieg auch Grabner als „ständiger operativer Berater“ wieder ein, wie es in seinem Lebenslauf heißt.

Grabner gilt als enger Vertrauter von Verleger Dieter von Holtzbrinck, der jenseits des Organigramms großen Einfluss ausübt.

Bülend Ürük

Bei Holtzbrinck und bei Gruner + Jahr passiert unheimlich viel. Sie haben Informationen, Tipps, Themen? Ihre Einschätzungen - natürlich auch vertraulich - bitte per Mail direkt an chefredaktion@newsroom.de.

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