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Online vom 04.09.2012

Paywall im Nachbarland: 42 Medien bitten in Polen die Nutzer gemeinsam zur Kasse

Dzien dobry - ab heute schauen die deutschen Medienmanager nach Polen. Wenn "Piano Media" bei den Nachbarn in Warschau die landesweite Paywall erfolgreich einführt, könnte das Bündeln unterschiedlicher Webseiten auch in der Schweiz, in Österreich und sogar in Deutschland folgen.

Berlin - Das Konzept ist simpel. Einmal zahlen, 42 Medien-Webseiten mit über 119 Rubriken lesen und nutzen können - so lautet das Angebot der Profis von "Piano Media" aus der Slowakei. Dort und in Slowenien erwirtschaftet das Unternehmen bereits Gewinn. Polen bedeutet für das Unternehmen, angeführt von Geschäftsführer Tomas Bella, den Einstieg in den ersten größeren europäischen Markt - und Aufmerksamkeit von Medienmanagern aus aller Welt.

Eine gemeinsame Paywall errichten in Polen zum Start 42 unterschiedliche Medien wie die führende nationale Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", das nationale Radio, die Boulevardzeitung "Super-Express", verschiedene regionale Tageszeitungen oder das Wirtschaftsmagazin "Forbes". Die Nutzer können dabei aus drei unterschiedlichen Abo-Arten wählen. Wöchentlich müssen sie 2,37 Euro bezahlen, abonnieren sie die Webseiten gleich für einen Monat, werden 4,70 Euro fällig, für ein ganzes Jahr müssen 47 Euro überwiesen werden. 30 Prozent der Einnahmen gehen an "Piano Media", 40 Prozent an das Medienhaus, das den Leser gewonnen hat; die restlichen 30 Prozent werden unter allen teilnehmenden Medien aufgeteilt - je nachdem, wie viel Zeit ein Leser auf ihrer Website verbracht hat.

Der Einstieg von "Piano Media" in Polen ist auch deshalb so interessant, weil nach der Slowakei und nach Slowenien erstmals in einem größerem Land eine Paywall eingeführt wird. Denn Slowenien hat gerade einmal etwas mehr als zwei Millionen Einwohner, die Slowakei rund 5,5 Millionen Einwohner - Polen dagegen gleich 38,5 Millionen Einwohner. Wichtig erscheint in Polen aber auch, dass zum ersten Mal Medienhäuser aus Deutschland und der Schweiz sich an einer gemeinsamen Lösung für die Finanzierung von Verlagen und Journalismus in der Zukunft beteiligen.

Aktive Rollen spielen in Polen beispielsweise Schweizer Medienhäuser wie Ringier, aus Deutschland Axel Springer aus Berlin oder die Verlagsgruppe Passau ("Passauer Neue Presse"), die seit Jahren Millionengewinne in Osteuropa einfährt. Einige ihrer Medien beteiligen sich an der Initiative von "Piano Media".

Noch haben die deutschen Medien allerdings wenig Interesse, ihre von der gedruckten Zeitung her bekannten Märkte aufzugeben und mit dem vor Ort konkurrierenden Nachbarverlag online gemeinsame Sache zu machen. 

Die Signale vom Marktführer "Der Spiegel" sind zumindest bekannt - eine gemeinsame Print-Initiative für das Online-Geschäft, an der gar der Axel-Springer-Verlag beteiligt wäre, lehnt Mathias Müller von Blumencron, Chef der digitalen Angebote vom "Spiegel", rundherum ab - schließlich verdienen die Pioniere von der Ericusspitze online bereits Geld. Warum auch teilen?

Was eine nationale Online-Offensive in Richtung Paid Content aber ohne die Marktführer bringen würde? Nichts!

"Piano Media" ist nach eigenen Angaben im Moment bereits in Gesprächen mit Verlegern in elf weiteren europäischen Ländern. Noch in diesem Jahr soll in einem anderen Land Paid Content eingeführt werden.

Bülend Ürük

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