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Print vom 12.05.2013

Nachrichtenmagazin "Spiegel" meldet: Bei "Bild" drohen Massenentlassungen - "BZ Berlin" bald nicht mehr unabhängig?

Plant der Verlag Axel Springer noch vor der Rückkehr von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann Massenentlassungen bei der "Bild"-Zeitung?

Berlin - Bis zu 200 Arbeitsplätze könnten bei der "Bild"-Gruppe wegfallen, schreibt der in Sachen Axel Springer für gewöhnlich gut informierte Martin U. Müller im neuen "Spiegel". Gegenüber Newsroom.de protestiert der Deutsche Journalisten-Verband gegen die Pläne von Axel Springer.

Laut "Spiegel" möchte Axel Springer ein Volumen von insgesamt 20 Millionen Euro einsparen. Dabei wird laut "Spiegel" sogar ein Szenario durchgespielt, bei dem die traditionsreiche und auflagenstärkste Tageszeitung Berlins, die "BZ Berlin", ihre Unabhängigkeit verliert. An der Umsatzrendite würde es aber nicht liegen, die liege bei dem Boulevardtitel "jenseits der 30 Prozent".

Wie das Magazin weiter berichtet, diskutiert man ein Szenario, die "B.Z." mit "Bild Berlin-Brandenburg" zusammenzuführen. Der Lokalteil der Berliner "Bild" würde dann zusammen mit der "B.Z." erstellt werden. Auch die konkreten Mittel und Wege, sich von Mitarbeitern zu trennen, würden bereits durchgespielt. Eine diskutierte Variante sah offenbar vor, "Bild"-, "Bild.de"- und "B.Z."-Redakteure in eine gemeinsame Gesellschaft zu überführen – etwa in die Bild Digital GmbH. Dort arbeiten die Beschäftigten ohne Tarifbindung und auch sonst zu oft deutlich schlechteren Konditionen als ihre traditionellen Print-Kollegen.

Dazu wird es wohl eine Reihe Kündigungen geben, auf die der Konzern sich bereits eingerichtet habe: 50 Millionen Euro habe Springer dieses Jahr für "Strukturanpassungen" zurückgestellt. Gegenüber dem "Spiegel" habe Axel Springer erklärt, man prüfe derzeit "vielerlei Umbauszenarien". Dementiert wurde laut "Spiegel" nichts.

"Wir wollen jetzt die Voraussetzungen schaffen für einen auch wirtschaftlich erfolgreichen multimedialen Journalismus," wird eine Sprecherin zitiert. Es gebe bisher nur "unverbindliche Planspiele und damit verknüpfte Rechenexempel, aber keine favorisierten Modelle oder Beschlüsse. "Das Vorstandsgremium hat sich hiermit bislang nicht befasst", so die Sprecherin.

Gegenüber Newsroom.de protestiert der Deutsche Journalisten-Verband gegen die Pläne von Axel Springer. "Nach allen Zahlen, die wir haben, ist die Bild hochprofitabel", so DJV-Sprecher Hendrik Zörner zu Newsroom.de. Die im "Spiegel"-Artikel genannte Umsatzrendite von 30 Prozent sei allerdings "auch für uns neu".

Zörner weiter: "Die Springer-Pläne können wir überhaupt nicht verstehen. Es gibt überhaupt keinen Grund, solch ein Sparprogramm zu installieren. Das stößt bei uns auf völliges Unverständnis."

"Bild"-Pressesprecher Tobias Fröhlich wehrt dagegen ab. In einer Stellungnahme gegenüber Newsroom.de erklärt Fröhlich: "Die vom Spiegel kolportierten Zahlen zu Sparplänen und Personalabbau bei Bild sind nicht korrekt und ohnehin viel zu hoch. Richtig ist: Axel Springer beschleunigt die digitale Transformation der journalistischen Angebote und investiert in multimedialen Journalismus. Ob und in welchem Umfang in diesem Zuge Stellen abgebaut und in welchen Bereichen wiederum aufgebaut werden, wird derzeit in verschiedenen Szenarien diskutiert. Das Vorstandsgremium hat sich hiermit noch nicht befasst. Entscheidungen gibt es hierzu keine."

Bülend Ürük

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