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In den USA ist sie ein Klassiker. Gegründet von Pop-Art-Ikone Andy Warhol, gilt die New Yorker Zeitschrift "Interview" als Vorreiter heutiger Hochglanzmagazine. Ihr Inhalt: vor allem Promi-Interviews. Nun soll das Blatt auch den deutschen Zeitschriftenmarkt erobern.
Berlin (dpa) - "Neu! Die Nr. 1" lautet der tönende Titel der ersten Ausgabe. Das Cover der neuen deutschen Zeitschrift "Interview" ziert Shootingstar Lana Del Rey - offen bleibt, wem die Überschrift auf der ersten Seite gilt: der ersten Ausgabe des Magazin, der US-Sängerin oder ihrem erhofften Durchmarsch an die Chartspitze. Die Künstlerin mit dem Schmollmund wird als kommender Stern am Pophimmel gefeiert. Für ähnlich viel Aufsehen will die deutsche "Interview" sorgen. Am Freitag (27. Januar) kommt der Magazin-Klassiker aus New York mit einer eigenen Ausgabe an die Kioske.
""Interview" zeichnet sich dadurch aus, dass zwei bekannte Leute sich unterhalten. Das ist ganz anders, als wenn ein Journalist einen Star fragt", sagt Chefredakteur Jörg Koch und verweist auf die glamouröse Vergangenheit des Kreativ-Magazins. Vor mehr als 40 Jahren gründete Pop-Art-Ikone Andy Warhol die amerikanische Ausgabe. Das Konzept des Künstlers: Interviews von Promi zu Promi. Die Gespräche mit Berühmtheiten wie Michael Jackson führte Warhol lange Zeit selbst.
Für die Startausgabe in Deutschland wartet "Interview" mit einer Reihe an Prominenten auf. Neben Lana Del Rey, deren Debütalbum in Deutschland am selben Tag wie das Magazin erscheint, konnten die Blattmacher Angelina Jolie und Clint Eastwood gewinnen. Die Hollywoodstars unterhalten sich über Jolies Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey", ein Film über den bosnischen Bürgerkrieg. Zudem tauschen sich der Sänger Adriano Celentano und der Künstler Maurizio Cattelan in einem Briefwechsel über den Zustand ihrer Heimat Italien aus. Auch deutsche Promis wie Iris Berben und Hannelore Elsner kommen zu Wort.
"Gute Interviews und große Fotostrecken" verspricht Koch - eine Mischung aus Mode, Kunst, Film, Musik, und ein bisschen Boulevard. Die deutsche "Interview" soll nach dem Vorbild der US-Ausgabe monatlich erscheinen und startet mit einer Auflage von 100 000 Exemplaren. Zudem wird die Zeitschrift von einer digitalen Ausgabe begleitet.
Doch das Projekt ist gewagt, ähnliche Hochglanzformate wie "Vanity Fair" oder "Galore" floppten in Deutschland. Das weiß auch Koch, der erst im November in die Berliner Redaktion kam: "Niemand weiß, wie das Magazin am Kiosk performt." Doch der 37 Jahre alte Journalist, der vor einigen Jahren das englischsprachige Kulturmagazin "032c" gründete, glaubt an den Erfolg. "Es gibt ein Riesenloch im deutschen Magazinmarkt", sagt Koch mit Blick auf den Rückzug der beiden anderen Zeitschriften. In diese Lücke wolle "Interview" preschen.
Die Idee dazu sei von Topmodel Naomi Campbell gekommen, erzählt Koch. Das britische Model ist mit dem Russen Wladislaw Doronin liiert. Der Magnat ist Investor der "Interview"-Verlagsgruppe. Der frühere Condé-Nast-Verlagsmanager Bernd Runge fungiert als Geschäftsführer.
Die Redaktionsräume der "Interview" sind schick: In den großen Altbau-Büros nahe dem Berliner Ku'damm stehen weiße Möbel und Apple-Computer, hipp gekleidete Mitarbeiter eilen durch die Räume. Den Ort haben die Macher nicht zufällig gewählt. "Wenn du eine Zeitschrift wie die "Interview" machst, dann gibt es keine andere Stadt als Berlin", sagt Koch. In der Hauptstadt sei die Promi- und Künstler-Dichte eben besonders hoch.
Koch wird in der Redaktion von Jörg Harlan Rohleder und Adriano Sack unterstützt. Sack leitete unter anderem fünf Jahre lang das Kulturressort der "Welt am Sonntag", Rohleder schrieb für "Focus" und die deutsche "Vanity Fair" und war bis Juni Mitglied der Chefredaktion von "Musikexpress". Die deutschen Redakteure produzieren das meiste selbst, arbeiten aber auch mit ihren amerikanischen Kollegen zusammen - etwa 30 Prozent der deutschen "Interview" stammen aus der US-Ausgabe.
"All is pretty", pflegte Warhol zu sagen und prägte damit den Leitsatz der "Interview". Dieses Motto ist die Messlatte für die Macher der deutschen Ausgabe.