Unternehmen vom 27.06.2012
Nachrichtenagenturen: dapd fährt in Zukunft im Mercedes vor
Die Freude war Peter Löw förmlich anzusehen. Der millionenschwere Mit-Eigentümer der Nachrichtenagentur dapd, stets formvollendet mit Einstecktuch in teurem Tuch gewandt, einer der wenigen Querköpfe einer Branche, die zu lange in sich selbst geruht hat, fühlte sich heute Mittag sichtlich wohl, als er einen neuen, wertvollen Auftrag in der "dapd-Lounge" verkünden konnte.
Berlin - Der dapd-Aufsichtsratsvorsitzende hatte sie alle um sich geschart, seine engsten Führungskräfte, Aufsichtsratsmitglieder, Freunde des Unternehmens, Geschäftspartner.
Mit dabei waren unter anderem Deutsche-Post-Medienvorstand Lutz Glandt, Jo Groebel vom Berliner Digital-Institut, die Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl, die Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien ist, der ehemalige ZDF-Journalist Klaus-Peter Siegloch, heute Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, oder Kay Lindemann, Geschäftsführer vom Verband der Automobilindustrie und äußerst interessierter Zuhörer bei Löws Vortrag.
Denn Peter Löw konnte in Berlin erneut ein Projekt verkünden, das vor einigen Jahren noch schlicht undenkbar für eine Nachrichtenagentur gewesen wäre. Einmal, weil es die "Cloud"-Technik nicht gab, aber auch, weil niemand Fahrzeuge als mobile Zeitungen betrachtet hat.
Hat mit dem Medienkonzern noch viel vor - dapd-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Löw.
Die dapd schaltet einen neuen Dienst frei, das "News on Board" heißt und das weltweit in Millionen von Mercedes-Benz aufgerufen werden kann. Das macht eine kleine App für das System "Comand Online" möglich.
Wer Mercedes fährt, liest und sieht die Nachrichten von dapd.
Die Signalwirkung des Auftrages könnte für Unternehmen mit direktem Kundenkontakt kaum größer sein. Peter Häußermann, Leiter Elektrik/Elektronik und Telematik der Daimler AG lobte deutlich: "Wir freuen uns auf die Kooperation, weil die international operierende dapd als einzige Nachrichtenagentur die hohen Anforderungen für unsere News-App erfüllt."
Die Daimler AG gilt in der Autoszene als Wegbereiter für Innovationen, wer sollte da ausschließen, dass auch andere Autobauer auf Nachrichten in den Fahrzeugen in Zukunft setzen?
Denn Fakt ist auch - mit den Nachrichten der dapd sichert sich Mercedes-Benz auch das Interesse von jüngeren Generationen, die immer online sein wollen und denen der Nachrichtenkonsum im Automobil bislang noch erschwert wurde. Gerade die junge Generation soll gepackt werden, damit sie nicht vollends auf das Auto verzichtet, sondern auch wieder in ein eigenes Vehikel steigt.
Die Kooperation zwischen den Unternehmen sieht folgendermaßen aus: Mercedes-Benz erhält für sein Multimediasystem "Comand Online" in 22 Ländern und auf insgesamt 28 Sprachen über "News on Board" Nachrichten von der dapd. Die hat hierfür extra neue Verträge mit namhaften internationalen Agenturen geschlossen, neben Hauptpartner Associated Press sind das die ANP aus den Niederlanden, die ANSA aus Italien, RIA Novosti aus Russland, die PAP aus Polen, Kyodo aus Japan und Yonhap aus Südkorea.
Freuen sich über eine langfristige Partnerschaft - dapd-Vorstandsvorsitzender Martin Vorderwülbecke, dapd-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Löw und Peter Häußermann, Leiter Elektrik/Elektronik und Telematik der Daimler AG.
Die Inhalte fließen bei der dapd-Tochter Airmotion in München zusammen. Dort werden sie neu gesichtet, gewertet und für den jeweiligen Markt ausgewertet und dann veröffentlicht.
Die Zusammenarbeit zwischen dapd und der Daimler AG ist auf Dauer ausgelegt, die Unternehmen haben die Verträge auf direkt 20 Jahre unterschrieben.
Aus der Rede von Peter Löw sind eigentlich auch schon die nächsten Schritte des Unternehmens zu erkennen: "Daimler ist damit der globale Vorreiter einer umfassenden und auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittenen Nachrichtenmobilität. Was dieses Projekt so besonders macht, ist die Kooperation zwischen zwei deutschen Unternehmen aus völlig verschiedenen Branchen mit dem Ziel, für den Weltmarkt etwas zu schaffen, was es in dieser Form und in diesem Umfang bisher nicht gab."
Wie singt Udo Lindenberg so schön - "hinterm Horizont geht es weiter."
Bülend Ürük
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