TXT I PDA I Print I Full

newsroom.de - nachrichten für journalisten

Pressefreiheit vom 15.07.2012

NZZ-Chefredaktor Spillmann warnt vor Angriffen auf Journalisten

"Journalisten nehmen eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit wahr, die nicht direkt in einem Preis beziffert werden kann", sagt Markus Spillmann, Chefredaktor der "Neuen Zürcher Zeitung".

Zürich - In einem ausführlichen Kommentar auf der Titelseite der "Neuen Zürcher Zeitung" an diesem Samstag setzt sich Spillmann für den Journalismus ein. Was immens wichtig erscheint, angesichts der Informationen, die nach und nach im Fall "Dortmund gegen Medien" ans Tageslicht erscheinen.

"Mehr Journalisten denn je werden weltweit bedrängt, sei es durch juristische Verfolgung, sei es durch Gewalt, sei es durch Drohungen. Auf der Strecke bleiben Transparenz und Glaubwürdigkeit", erklärt Spillmann in seinem Kommentar "Freie Medien für eine freie Welt".

Spillmann hebt hervor: "Subtiler, doch nicht minder effektiv, sind Anklagen von Staates wegen gegen Einzelpersonen oder Verlagshäuser, sei es wegen Verstössen gegen Steuergesetze, sei es wegen angeblich verschwörerischer Tätigkeiten oder mit Verweis auf die Gefährdung der nationalen Sicherheit. In vielen Fällen nimmt die Beschreitung des Rechtsweges für die Beschuldigten kafkaeske Züge an, wenn sie sich vor Gericht für Dinge zu rechtfertigen haben, die sie nicht kennen, weil ihnen der Einblick in Klageschriften mit Verweis auf höhere Interessen verwehrt wird.

Spillmann fasst zusammen, dass Journalisten, die bedroht werden, Selbstzensur übern oder Fakten "zurechtbiegen": "Auf der Strecke bleiben so Ausleuchtung und Aufklärung."

Wie es um die Presse in Deutschland steht, beweist ein Fall, der am Freitag bekannt wurde. Der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Ullrich Sierau, war schon vor einigen Wochen gegen einige Medien - unter anderem "Ruhrbarone", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Rheinische Post" - und sogar "WAZ"-Chefredakteur Ulrich Reitz höchstselbst juristisch vorgegangen, in einigen Fällen war es Gerichtsverhandlungen gekommen. Die Kosten für das juristische Vorgehen hat die Stadt Dortmund übernommen.

Hätte die Kollegin Gaby Kolle, stellvertretende Lokalchefin der  Dortmunder "Ruhr-Nachrichten", über diesen für die Presse schmerzlichen Fall nicht zuerst berichtet, wäre der Angriff der Verwaltung wohl erst einmal nicht öffentlich geworden.

Die betroffenen (Print-)Medien hielten sich bislang mit einer Berichterstattung in eigener Sache komplett zurück. Warum eigentlich?

Was hält Ullrich Sierau noch einmal von Berichterstattern? Genau: "Es gibt Journalisten mit Straßenkötermentalität, die immer wieder an Themen herumschnüffeln, die sie dann doch links liegen lassen müssen".

Bülend Ürük

Teilen     DruckenWeiterleitenKommentarSuche Suchen nach: Spillmann

News-To-Friends

Beweisen Sie, dass Sie kein Spambot sind und lösen Sie die Aufgabe ...

2 + 6 =