Print vom 17.07.2012
Frontalangriff: BDZV-Geschäftsführer Wolff reitet Attacke gegen BDI
Mit deutlichen Worten hat heute Morgen Dietmar Wolff gegen den mächtigen "Bundesverband der Deutschen Industrie" ausgekeilt. "Der BDI schützt geistiges Eigentum, wenn er denn will", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) heute Morgen in Berlin.
Berlin - Wolff, ein Mann von Statur, den normalerweise nichts so schnell aus der Fassung bringt, mochte es auf dem Podium nicht begreifen, wie sich der BDI vor den Karren von Google, dem "amerikanischen Giganten", spannen lasse.
„Dass ausgerechnet die Organisation, die mit großem Engagement gegen Produktpiraterie kämpft, sich gegen ein Leistungsschutzrecht der Verlage ausspricht, entbehrt jeder Logik", sagte Wolff. Zu Befürchtungen des BDI, die Mitgliedsunternehmen würden durch das Leistungsschutzrecht benachteiligt, sagte er: „Unternehmen, die Zeitungsinhalte heute schon auf ihre eigenen Internetseiten stellen, könnten dies mit Hilfe des Leistungsschutzrechts schnell und einfach legalisieren.“ So genannte Aggregatoren, die rechtswidrig mit den Leistungen der Verlage Kasse machen wollten, seien „keine soliden Wirtschaftsunternehmen, sondern allenfalls Teil der Schattenwirtschaft“.
Grund für die Attacke ist das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Der BDZV erwartet, dass der vorliegende Entwurf verabschiedet wird. Das Gesetz werde es der Presse ermöglichen, ihre Rechte gegenüber gewerblichen "Kopisten" (BDZV) im Internet durchzusetzen.
Umsätze der Zeitungen stabil
Die Umsätze der Zeitungsverlage sind 2011 in etwa konstant geblieben. Sie lagen im vergangenen Jahr bei 8,51 Milliarden Euro - das sind 0,1 Prozent weniger als im Vorjahr, wie der BDZV mitteilte. Das Vertriebsgeschäft wird demnach immer wichtiger, Umsätze aus Anzeigen und Beilagen gingen um 2,2 Prozent zurück. "Was die Verbreitung von Zeitungsinhalten angeht, so ist das Internet ein Segen für die Verlage", sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.
Die Zeitungsmarken erreichten gedruckt, online und mobil ein Publikum, das so groß wie nie zuvor sei. Auch das gedruckte Blatt habe eine recht stabile Reichweite. 48 Millionen Menschen lesen laut BDZV täglich Zeitung.
Bülend Ürük