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Leute vom 26.07.2012

Ressortleiter: "Auf der WAZ lastet ein erbärmlicher Druck"

In einem ausführlichen Interview spricht ein WAZ-Ressortleiter erstmals Klartext. David Schraven sagt zu NEWSROOM: "Auf der WAZ lastet ein erbärmlicher Druck, wie auf der gesamten Branche."

Essen - Klare Worte zur Situation bei der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" findet David Schraven, Ressortleiter von WAZ Recherche. Wenn sein Ressort noch mehr Redakteure abgeben müsste, "dann wäre ich weg. Dann ist das für mich auch gegessen."

Die Strukturreform sorgt in der WAZ für viel Ärger. Alleine 16 bis 20 Redakteure mussten aus dem Content-Desk-Bereich in die Lokalredaktionen wechseln. Sechs Redakteure waren bislang im Recherche-Ressort tätig, "jetzt sind wir noch vier", erklärt Schraven.

Warum die WAZ sich ändern muss, erklärt David Schraven so: "Man muss sich das so vorstellen, man ist ja nicht im luftleeren Raum und da ist ein ganz enormer ökonomischer Druck lastet auf die Redaktion. Gerade auf der WAZ lastet im Moment ein ganz erbärmlicher Druck. Also der hängt da zusammen mit Auflagenrückgängen, der hängt zusammen mit einer Übernahme, die gerade eben passiert ist, da muss Geld verdient werden. Und zwar nennenswertes Geld. Und da wird halt nach den Mustern geguckt, wie man das am besten machen kann."

In der "DRadio Wissen Redaktionskonferenz" spricht Schraven im Gespräch mit Sven Preger, Nora Hespers und Claudia Müller auch über den Stellenwert von Recherche: "Jeder spricht von Recherche und jeder hat da ein anderes Verständnis von. Du hast grob ein Wort aber grobgeschätzt 48 Bedeutungen und dann gibt es halt viele Kollegen, wenn man halt einen Pressesprecher anruft. Die halten halt Pressesprecher für Quellen. Pressesprecher den ruf ich am Schluss vielleicht an aber nicht vorher!"

Von freien Journalisten im Ressort Recherche hält David Schraven, der auch Vorstandsmitglied bei "Netzwerk Recherche" ist, wenig. "Freie sind sehr unzuverlässig", sagt David Schraven in der Sendung.

Im NEWSROOM-Gespräch erklärt er dann aber, was er damit genau meint: "Natürlich gibt es exzellente freie Journalisten. Leider habe ich eben auch schon unzuverlässige Kollegen erlebt. Das wollte ich eigentlich in der Sendung sagen." Schraven betonte, dass er natürlich auch mit freien Journalisten "gerne und gut" zusammenarbeite.

David Schraven war nach Stationen bei der einst alternativen „taz“ und der „Süddeutschen Zeitung” als freier Journalist für die „Welt”-Gruppe im Wirtschaftsressort und im Ressort NRW tätig. Er war zudem einer der Betreiber des Ruhrgebietsblogs „Ruhrbarone”. Für seine Recherchen zum PFT-Giftskandal an der Ruhr erhielt er 2008 einen "Wächterpreis der Tagespresse". Seit 2010 leitet er das Ressort „Recherche“ am Content Desk der WAZ-Mediengruppe.

Bülend Ürük

NEWSROOM-Tipp: Hier geht es zu der hörenswerten Sendung "Mehr Handwerk: Die Recherche kommt"

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