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Print vom 29.07.2012

Wie die Zeitungen mit den Olympischen Spielen umgehen

Die Olympischen Spiele in London dominieren das Programm im Fernsehen und auf den Internetseiten der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Aber auch die Zeitungen sind am Wochenende und mit Sicherheit auch noch in den nächsten Wochen voll mit Artikeln zu den Sommerspielen. Eine nicht komplette Übersicht.

Berlin - Die Zeitungen thematisieren auf den unterschiedlichsten Seiten im Blatt die sportlichen Wettkämpfe und ihre Entwicklungen. Sogar im Kulturressort wird über Sport gesprochen.

Was auffällt - zwar bündeln einige Tageszeitungen ihre Sportberichterstattung und das Ressort Sport heißt auf einmal "2012 London" ("taz", "Berliner Zeitung") oder "Olympia 2012" ("Hamburger Abendblatt", "Frankfurter Rundschau", und diverse andere), merklich dicker sind die Ausgaben am Wochenende allerdings nicht.

Die Zeiten von Sonderseiten scheinen in der gedruckten Zeitung endgültig vorbei zu sein.

Stattdessen ist die restliche Sportberichterstattung aufs Kürzeste geschrumpft; wie gut, dass die Bundesliga noch nicht begonnen hat! Was auffällt ist auch, dass die Zeitungen es nicht geschafft haben, ihre wertvolle redaktionelle Berichterstattung zu vermarkten. Fast kein Blatt hat spezielle Werbung, die Redaktion dominiert.

Wo sind die Medienmanager, die wertvolle Inhalte vermarkten und damit Geld in die Kassen der Verlagshäuser spülen?

Eine Reise durch den Blätterwald

"Donaukurier", Ingolstadt, Samstags-Ausgabe "Olympia 2012 in London": Sechs Olympia-Seiten im Sport, zwei Restsport-Seiten, dürchgängig vierfarbig, keine Werbung. Gut: Seite-3-Reportage mit Vergleich London 2012 zu London 1948. Klasse: die eigene Kolumne vom London-Entsandten Stefan König (auch im Internet: "König in London"). Großartig: die Bildauswahl, viel Platz für die Motive, exzellent gelöst auf der "Entscheiderseite" mit allen Terminen für die Olympischen Spiele am Wochenende und auf der ersten Sportseite. Dafür hat die Redaktion um "DK"-Sportchef Timo Schoch hier aber ganz tief in die Kiste mit längst abgelegten Spielereien gegriffen - Piktogramme zu den Artikeln, lange nicht mehr gesehen. Retro-Chic in der Stadt an der Donau. I wer' naarisch!

Blick auf die erste Seite Olympische Spiele im "Donaukurier".

"Berliner Morgenpost", Berlin, Samstags-Ausgabe "Olympia 2012": Fünf Seiten "Olympia", eine Seite "Restsport", durchgängig vierfarbig, keine Werbung.

Schöne Idee für Nicht-Sportfans ist eine Top Ten der Olympiasongs. Motto: "Die besten Ohrwürmer und schlimmsten Schlaftabletten". Siegerin: Whitney Houston mit "One Moment In Time" - "die Mutter aller Olympia-Hymnen", so die Morgenpost.

"Märkische Allgemeine", Potsdam, Samstags-Ausgabe "Olympia 2012": Fünf Seiten "Olympia", eine Seite "Restsport", drei Seiten vierfarbig, drei Seiten schwarz-weiß, keine Werbung.

Minus-Punkt: Neben dem Kolumnistenfoto von Jens Trommer ein Riesenfoto, auf dem Queen Elizabeth II. (natürlich ein Double) zu sehen ist, wie sie bei der Eröffnungsfeier Fallschirm springt . Aus unserer Sicht einfach viel zu dunkel.

"Stuttgarter Zeitung", Stuttgart, Samstags-Ausgabe "Olympia 2012": Vier Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", durchgängig vierfarbig, keine Werbung. Gut: Ein Porträt vom Welzheimer  Bogenschützen Camilo Mayr. Mitmachen gilt: "Camilo Mayr fühlte sich eher wie einer, der unerwartet eine Reise gewonnen hat." Ehrlich, Herr Kollege Löhle: bisschen mehr Vertrauen in die eigenen Leute wäre gut!

"BILD", Berlin, Samstags-Ausgabe "Olympia": Dreieinhalb Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", etwa eine dreiviertel Seite Werbung ("Immobilien", "Erotik", "Anzeigen von A - Z"), aber keine speziell auf die Olympischen Spiele. Durchgängig vierfarbig. Schönster Satz: "In diesen Spielen ist Feuer drin".

"Berliner Zeitung", Berlin, Samstags-Ausgabe "London 2012": Fünf Seiten "Olympia", eine Seite "Restsport", eine Drittelseite Werbung (für den Automobilhersteller BMW, aber kein Olympiamotiv), vierfarbig. Gelungen ist die Kolumne "Dream Team - Keine Chance!" von Matti Lieske, der die US-Basketballer von heute mit dem Dream-Team von Barcelona 2012 vergleicht, weil andere sie vergleichen. Schöner Satz: "Es ist, als würde man die Frage erörtern, ob die duetschen Fußball-Weltmeister von 1954 gegen das heutige Team von Joachim Löw bestehen kann."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung", Frankfurt, Samstags-Ausgabe "Olympia": fünfeinhalb Seiten "Olympia", halbe Seite "Restsport", keine Werbung. Vierfarbig. Herausragend: eine ganze Seite mit "Deutschen Hoffnungen". Mini-Porträts mit Mini-Bildern in FAZ-Qualität. So heißt es zu den deutschen Kanuten: "So hohe Ansprüche wie die Kanu-Flotte hat kein anderes Team bei Olympia." Na, dann wollen wir mal den Druck erhöhen! Jungs, Gold!

"taz", Berlin, Samstags-Ausgabe "2012 London": Acht Seiten, vierfarbig, keine Werbung. Herausragend: Doppelseite mit allen 302 Entscheidungen auf einen Blick, angereichert mit Tagestipps "des taz-Olympiateams". Gut: Kritik gibt es bei der "taz" gratis und zwar von Anfang an. Das Blatt thematisiert die Hauptsponsoren der Olympischen Spiele, die sie kritisiert.

"Hamburger Abendblatt", Hamburg, Samstags-Ausgabe "Olympia 2012": Sechs Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", vierfarbig, keine Werbung. Gelungen auch hier (wie bei FAZ): Doppelseite mit den "größten Goldchancen". Fleißarbeit: das "Abendblatt" beurteilt nicht selbst, sondern lässt 32 Experten zu Wort kommen, die einen Überblick über die Favoriten geben.

"Der Tagesspiegel", Berlin, Samstags-Ausgabe "Olympia": Dreieinhalb Seiten "Olympia", halbe Seite "Restsport", vierfarbig, eine Mini-Anzeige für ein Verlagsangebot. Gutes Thema: "Siegen oder Fasten? Muslimische Athleten haben es schwer, denn die Spiele fallen in den Fastenmonat Ramadan. Bei der Jagd nach Medaillen ist das hinderlich - doch es gibt Ausreden". Als Bildmotiv sind zwei ägyptische Rudererinnen zu sehen, mit Kopftuch.

"Neues Deutschland", Berlin, Samstags-Ausgabe "Olympia in London": eine Seite "Olympia in London", das war es mit Sport, schwarz-weíß, keine Werbung. Natürlich werden die Sommerspiele kritisch beäugt, aus London berichtet Redakteur Oliver Händler unter der Überschrift "Gelassener Größenwahn". "Schwindet die olympische Idee?" fragt die erfolgreiche Kanutin Birgit Fischer, die alleine acht Mal Gold bei Olympischen Spielen gewonnen hat. Und Birgit Fischer war sogar drei Mal "nd-Sportlerin des Jahres" - natürlich darf sie gleich auf der Titelseite in einer Gastkolumne schreiben.

"Abendzeitung", München, Samstags-Ausgabe "Olympia": Drei Seiten "Olympia", Drei Seiten "Restsport", über die sechs Seiten verteilt etwa eine Seite Werbung, hauptsächlich "Rotlicht-Anzeigen". Gut: die halbseitige Grafik "So funktioniert Olympia: Fechten" von Peter Diehl.

"Dresdner Morgenpost", Dresden, Samstagsausgabe "Olympia-Berichterstattung". Ungewöhnlich - hier kommen zuerst vier Seiten "Restsport", dann sechs Seiten "Olympia", alle vierfarbig. Das Blatt aus Sachsen lässt sich die Olympia-Berichterstattung von einem lokalen Autohaus präsentieren, auf jeder Seite prangt das Logo über den Berichten. Was nicht fehlen darf: "So sexy wird Olympia!".

"Hamburger Morgenpost", Hamburg, Samstags-Ausgabe "Olympia". Auf der Titelseite werden gleich "täglich zwölf Seiten" Olympia versprochen. Stimmt! Zusätzlich gibt es noch drei Seiten "Restsport", alle Seiten sind vierfarbig. Auf 15 Seiten gibt es nicht eine einzige Anzeige! Gut: obwohl Boulevardblatt, thematisiert das Blatt aus dem DuMont-Verlag das Thema Doping und hat dazu mit dem ARD-Doping-Experten Hans-Joachim Seppelt gesprochen.

"Hessische Niedersächsische Allgemeine", Kassel, Samstags-Ausgabe "Olympia 2012": Drei Seiten Olympia, zwei Seiten "Restsport", vierfarbig, eine zweispaltige, viertelhohe Anzeige ohne Olympia-Bezug (Werbung für Laminat und Parkett). Gelungen: der "Standpunkt" von der Kollegin Jasmin Fischer. Thema: Olympia in Zeiten der Rezession.

"Passauer Neue Presse", Passau, "Olympia London - 2012": Drei Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", vierfarbig, eine zweispaltig, etwa zweidrittel hohe Autohausanzeige, eine winzige, einspaltige Anzeige für einen Altstadtlauf. Auch das gibt es in Niederbayern: einen Artikel über Sex bei den Olympischen Spielen.

"Rheinische Post", Düsseldorf, Samstags-Ausgabe "Olympia 2012": sieben Seiten "Olympia", eine Seite "Restsport", eine bezahlte, etwa ein Drittel hohe Anzeige für die "Wohnexperten". Aber auch eine viertelseitige Eigenanzeige mit "Nicht lange fackeln. Besser gleich schalten!" Tenor: "Nutzen Sie die fachkompetente Berichterstattung als vielbeachtetes Umfeld für Ihre Werbung." Woanders haben wir diesen Hinweis nicht gesehen. Gute Sache, Frau Medienberaterin Andrea Möller! Außerdem: Ungewöhnlicher Start der Olympiaberichterstattung mit einem riesigen Foto von US-Schwimmer Michael Phelps (natürlich ohne Shirt, aber Arme verschränkt).  Gute Idee auch - eine Seite "Die deutsche Mannschaft in Zahlen", pfiffig gelöst und interessant.

"Basler Zeitung", Basel, Samstags-Ausgabe "London 2012": sechs Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", vierfarbig, keine Werbung. Gut: für die Berichterstattung der Eröffnungsfeier hat die Zeitung ihre gesamte Seite 2 freigeräumt. Lokal ist Trumpf, für die Geschichte über die Teilnehmer aus Basel hat das Blatt mit den Kandidaten aus der Stadt gesprochen. Es fehlt - Roger Federer. Aber wie argumentiert Eva Breitenstein so gut? "Federer ist quasi Weltenbürger und damit Allgemeingut."

"Neue Zürcher Zeitung", Zürich, Samstags-Ausgabe "London 2012 - XXX. Olympische Sommerspiele": sechs Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", vierfarbig, eine ganze Seite Anzeigen (hauptsächlich Kontaktanzeigen). Klasse: Interview mit dem Philosophen Gunter Gebauer: "London ist ein Regiefehler".

"Salzburger Nachrichten", Salzburg, Samstags-Ausgabe "Olympia": drei Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", vierfarbig, eine Eigenanzeige für den SN Fotoblog "Deine Welt der Tiere". Auch in der SN gibt es ein Olympiatagebuch, das Hans Adrowitzer aus London schreibt. Titel: "Präsident tanzt, Big Ben läutet". Aha.

"Die Presse am Sonntag", Wien, Sonntags-Ausgabe "Olympia 2012": drei Seiten "Olympia", eine Seite "Restsport", vierfarbig, keine Werbung. Gelungen: Text-Bild-Komposition vom Artikel "Das olympische Vorbild" über den erst 18-jährigen Briten Tom Daley, einem Schwimmer.

"Welt am Sonntag", Berlin, Sonntags-Ausgabe "Sport": sechs Seiten "Olympia", zwei Seiten "Restsport", vierfarbig, insgesamt eine ganze Seite Werbung, davon eine halbe Seite Eigenanzeige. Gut: Olympia kommt auch in anderen Ressorts vor. So berichtet die "Welt am Sonntag" auf der Seite "Wissen" über den technischen Aufwand, der bei den Sommerspielen getätigt werden muss und schreibt über die Zeit- und Weitenmessungen sowie über die Datenverarbeitung. "Experten  erwarten zwölf Millionen Attacken pro Tag auf die IT-Systeme", schreibt Thomas Jüngling. 

Bülend Ürük

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