Vermischtes vom 29.09.2012
Streit mit Journalistinnenbund: Organisationsteam nimmt Thomas Leif aus der Schusslinie
Der Offene Brief des Journalistinnenbundes zur Gästeauswahl beim Mainzer Medien Disput, den NEWSROOM in dieser Woche veröffentlicht hat, zieht weitere Kreise. Noch gestern Abend bezogen Leifs fünf Mitorganisatoren Frank Helbert, Cathérine Kipp, Thomas Meyer, Andreas Müller und Henrik Schmitz Stellung und nahme Leif, der als primus inter pares gilt, mit deutlichen Worten in Schutz.
Mainz - Was auffällt - weil Thomas Leif persönlich von Andrea Ernst, der Chefin des Journalistinnenbundes angegriffen wurde, veröffentlichen die fünf Mit-Organisatoren den Brief ohne die Unterschrift von Leif, weil sie damit zeigen möchten, dass sie hinter ihm stehen.
Der Mainzer Medien Disput wird übrigens ehrenamtlich organisiert und findet in diesem Jahr zum 17. Mal am 15. und 16. Oktober in Mainz statt. Ob dann allerdings Ministerpräsident Kurt Beck tatsächlich teilnimmt, wie es im Programm angekündigt wird, steht allerdings nicht fest. Beck hat - ebenfalls am Freitagabend - seinen Rücktritt bekanntgeben.
Auch die Stellungnahme des Organisationsteams des Mainzer Medien Disputs als Antwort auf den Journalistinnenbund dokumentiert NEWSROOM natürlich im vollen Wortlaut:
Wir, die Organisatoren des Mediendisputs, haben den „offenen Brief“ des Journalistinnenbundes mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen. Der „offene Brief“ erweckt den Eindruck, dass es dem Journalistinnenbund nicht um das Anliegen der Frauen sondern um persönliche Profilierung geht.
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Wir stellen fest:
1. Der Journalistinnenbund hat zu keinem Zeitpunkt den Kontakt zur Projektgruppe gesucht. Der im Journalismus übliche Grundsatz, vor Veröffentlichung eines Vorwurfs mit den Betroffenen und Beteiligten zu sprechen, wurde ignoriert. Hätte sich der Journalistinnenverband zuvor erkundigt, wäre den Funktionärinnen aufgefallen, dass sie mit falschen und unvollständigen Zahlen operieren. Anders als behauptet, ist der MedienDisput in Berlin zum Thema „Unter drei – Journalisten und Politiker in einem Boot“ nicht nur mit Männern besetzt.
2. Der Brief hat das Mittel der Personalisierung gewählt, wo es nichts zu personalisieren gibt. Die Projektgruppe besteht aus sechs gleichberechtigten, unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die gemeinsam für das Programm und die Besetzung stehen. Dabei werden einzelne Veranstaltungsblöcke von den jeweils Verantwortlichen selbstständig organisiert.
3. Beim Mediendisput in Berlin hat Prof. Dr. Thomas Leif noch im Mai dieses Jahres u.a. eine eigene Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Initiative „Pro Quote“ konzipiert und moderiert. Dort diskutierten vier Frauen und zwei Männer. (Anlage)
4. Die Projektgruppe hat selbstverständlich mehrfach und intensiv Frauen für die Podien und die Moderationen angefragt und leider eine Vielzahl an Absagen erhalten. Auch weiterhin versuchen wir mit großem Nachdruck Frauen für die Mitwirkung an den geplanten Kontroversen zu gewinnen. Zwischenzeitlich gab es weitere Zusagen, die jedoch vom Journalistinnenbund ignoriert werden.
5. Die Panel spiegeln zum Teil wieder, was – leider – Realität in der Medienbrache ist, nämlich dass Frauen in verantwortlichen Führungspositionen, Kontrollgremien und Managementfunktionen unterrepräsentiert sind. Ein Markenzeichen des Mainzer Medien Disput ist es jedoch, dass die Diskussionen zu bedenklichen Medienentwicklungen auch direkt mit den Verantwortlichen debattiert werden. Wir weisen den Vorwurf, bei der Gästeauswahl einem „männlichen“ Tunnelblick unterlegen zu sein, zurück.
Wir sind der Ansicht, dass es uns gelungen ist, für den Mediendisput spannende Menschen zu spannenden Themen zusammenzubringen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Mediendisputs sind auf ihren Themengebieten ausgewiesene Experten bzw. ausgewiesene Expertinnen. Aus fachlicher Sicht ist die Gästeauswahl daher nicht zu kritisieren. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass auch Männer Positionen vertreten, die deckungsgleich mit den Einschätzungen und Analysen von Frauen sind.
Wir fordern den Journalistinnenbund auf, in Zukunft auf Polemik an unserer ehrenamtlich geleisteten Arbeit zu verzichten und stattdessen für die gewünschte stärkere Beteiligung von Frauen an öffentlichen Diskussionen zu werben. Wir laden den Journalistinnenbund ein, seine Verantwortung ernst zu nehmen, aktiv mitzuwirken und uns die Zusagen von Chefredakteurinnen, leitenden Journalistinnen und Medienmanagerinnen zu beschaffen.
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Zudem hoffen wir, dass der Journalistinnenbund statt wohlfeiler „offener Briefe“ die eigenen Ansprüche auch selbst praktisch in einer bundesweiten Konferenz als vorbildliches Modellprojekt umsetzt. Dabei müssen aus unserer Sicht wie in der Vergangenheit fachliche Erwägungen im Vordergrund stehen. Auch wir bedauern, dass es uns - trotz erheblicher Anstrengungen - nicht gelungen ist, mehr Frauen für die Diskussionen zu gewinnen.
Wäre es nicht gerade Aufgabe eines „Journalistinnenbundes“ die Gründe für diese Entwicklung, die nicht nur der MMD beklagt, einmal selbstkritisch zu reflektieren?
Die Projektgruppe des Mainzer Mediendisputs
Frank Helbert, Cathérine Kipp, Thomas Meyer, Andreas Müller, Henrik Schmitz
