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(19.06.2013, 09:57)
RÖSLER-Interview für die
(19.06.2013, 09:11)
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(19.06.2013, 02:00)
Der neue Insolvenzverwalter hat Martin Vorderwülbecke nicht nur in der E-Mail-Signatur als Geschäftsführer abgelöst. Deutliche Worte hat Wolf-R. von der Fecht auch bei der Telefonkonferenz am Donnerstagnachmittag gefunden. Vorerst gibt es bei der Nachrichtenagentur dapd keine Entlassungen. Zudem ist womöglich die jährliche Unterdeckung höher als die von Mit-Eigentümer Martin Vorderwülbecke bei der Mitarbeiterversammlung genannten zwölf Millionen Euro.
Berlin – Die Telefonkonferenz war für 17.30 Uhr angesetzt, startete etwa eine Viertelstunde später und dauerte dann eine gute halbe Stunde. Inhalt: Bereits Ende kommender Woche sollen die dapd-Mitarbeiter ihren Lohn ausbezahlt bekommen. Jedoch noch nicht von der Arbeitsagentur, sondern von einer Bank, die das Insolvenzgeld vorfinanziert, damit die Mitarbeiter nicht noch länger auf Gehälter auf ihrem Girokonto warten müssen.
Es ist viel Kleinkram, was der Insolvenzverwalter im Moment aus dem Weg schaffen muss. Kleinkram, der für die dapd-Mitarbeiter wichtig ist, der sie bewegt. Besonnen hat von der Fecht erklärt, dass ab Montag für jeden Mitarbeiter eine persönliche Abtretungserklärung bereit steht, damit das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur später dann direkt zu der vorfinanzierenden Bank fließen kann. Schließlich muss alles seine Ordnung haben. Ein Muster befindet sich schon im dapd-Intranet.
Von der Fecht, ein guter und schneller Aktenleser mit einem effizienten Team im Hintergrund, bleiben nur wenige Wochen, um eine Lösung für die Nachrichtenagentur und ihre Mitarbeiter zu finden. Entlassungen sollen voerst nicht ausgesprochen werden.
Aktuell wird in ein, zwei Arbeitsgruppen der Ist-Zustand definiert, wo kann gespart werden, was ist wirklich noch notwendig, und eine Gruppe skizziert die Zukunftsvision. Erste Ideen gibt es bereits. Wer nicht gerade aktuell berichtet und eine gehobene Position innehat, als Ressortleiter wirkt, sitzt im Arbeitskreis, kämpft, überlegt, schaut nach vorne. Für von der Fecht ist es wichtig, dass nicht nur nach außen sondern auch nach innen die Lage beherrschbar bleibt. Heißt - wenn zum Beispiel Dienstreisen ins Ausland anstehen, sollen sie auch angetreten werden. Business as usual.
Auch Auslagen, die Reporter im September hatten, sollen beglichen werden. Und wer bei der Nachrichtenagentur Urlaub beantragt hat, bekommt ihn auch. Nur mögen bitte nicht alle Redakteure zeitgleich ihre Arbeit niederlegen, dann wäre der schöne Plan obsolet, das volle Angebot der Nachrichtenagentur aufrecht zu erhalten.
Zudem sollen die freien Mitarbeiter mitgenommen werden, denn die Zahl der eigenen Redakteure in den Landesredaktionen ist überschaubar. Freie Journalisten sind das Rückgrat nicht nur jeder Zeitung, sondern von Radiosendern, Fernsehanstalten und halt Nachrichtenagenturen. Deren Oktober-Honorare sollen alle wieder bezahlt werden, verspricht von der Fecht. Die Redaktionen müssen jetzt aber vorausplanen und die Ausgaben anmelden. Gute Nachricht - auch für die ausgefallenen Honorare im September soll es eine Lösung geben, diese Rechnungen sollen beglichen werden, vermutlich über das Insolvenzgeld, aber wie das wirklich funktionieren kann, müssen die Fachleute noch herausarbeiten.
In der Mitarbeiterversammlung am Dienstag hat Martin Vorderwülbecke von einer Million Euro gesprochen, die er und sein Partner Peter Löw jeden Monat in den Betrieb der Nachrichtenagentur investiert hätten. Nach erster Akteneinsicht könnte es jedoch durchaus sein, dass Vorderwülbecke und Löw Monat für Monat nicht eine Million, sondern mehr in die dapd gesteckt haben; Vorderwülbecke hat vor seinen MItarbeitern wohl zu tief gestapelt.
Einzig - was haben die beiden Investoren mit dieser enormen Summe bezahlt, welche Rechnungen mussten beglichen werden und was floss tatsächlich von den Verlagen, den Kunden, in die Nachrichtenagentur zurück? Der Hauptsitz in Berlin ist ein respektabler, aber kein Protzbau in guter Lage nahe des Reichstages, zudem wird hier lediglich das Erdgeschoss komplett, die erste Etage zur Hälfte, das zweite, dritte und siebte Geschoss von dapd genutzt. Auch die Gehälter sind im Branchenvergleich niedriger als bei den Mitbewerbern, es gibt keinen Tarifvertrag, Monatsgehälter von 3000, 3500 Euro sind die Regel. Nur einige der prominenteren Zugänge und halt Redakteure mit alten AP-Verträgen erhalten teilweise deutlich mehr Gehalt.
Trotz erster positiver Rückmeldungen von einigen dapd-Kunden, auch im persönlichen Gespräch mit dem einen oder anderen dapd-Redakteur, ist vielen Mitarbeitern mulmig zumute. Auf den dapd-Fluren an der Reinhardtstraße 52 sind weiterhin Mitarbeiter mit verweinten Augen anzutreffen, andere versuchen es mit Galgenhumor. Was besser wirkt, den Schmerz, womöglich den Arbeitsplatz zu verlieren, zu mildern, sei dahingestellt.
Was viele Mitarbeiter jedoch eint, ist die offen formulierte Abscheu auf die bisherigen Eigentümer, die Mitarbeiter fühlen sich verraten und verkauft, sprechen von Bigotterie, sie sind zudem verbittert, dass sie mit der Insolvenzanmeldung Ende September die Insolvenzphase um einen Monat verkürzt haben. Der Insolvenzverwalter muss nun innerhalb von nur zwei Monaten einen neuen Investor besorgen, was schon in drei Monaten eine Herkulesaufgabe wäre. Laut von der Fecht gibt es bereits mehrere Interessierte, die in die dapd-Bücher schauen möchten. Sie werden viel Zeit mitbringen müssen, die Verträge und Unterverträge sind teilweise doch recht kompliziert gehalten, auch der Einblick in die unterschiedlichen Sparten, die am Ende nicht so scharf getrennt sind, dürfte den Insolvenzexperten von der Fecht vor eine Aufgabe stellen, mit der er sich nicht jeden Tag beschäftigen muss.
An Schlaf ist da nicht zu denken.
Bülend Ürük
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