Unternehmen vom 08.10.2012
Open DAPD: Journalistenlounge im Herzen Berlins sollte Treffpunkt für Mitarbeiter werden
Weniger elitär als der Journalistenclub von Axel Springer, mit Tischkicker und gemütlich-eleganter Lounge-Möblierung - so hatten sich dapd-Eigner Martin Vorderwühlbecke und Peter Löw einen Treffpunkt für ihre eigenen Mitarbeiter vorgestellt, mit dem sie ihre Wertschätzung für ihre Arbeit zeigen wollten. Auf 500 Quadratmetern, unweit des Hauptsitzes an der Reinhardtstraße 52, in den S-Bahn-Bögen, sollten sie ihre Pausen verbringen, Eröffnungsdatum Mitte Oktober, also in wenigen Tagen, Journalisten anderer Medien wären ebenfalls in den Premium-Sozialräumen willkommen gewesen. Die Einrichtung steht bereits. In der Insolvenz ist an eine Eröffnung aber nicht mehr zu denken.
Berlin - Codewort "Open DAPD", so hatten die Entscheider aus der Führungsetage ihr Geheim-Projekt genannt, Peter Löw und Martin Vorderwülbecke hatten tatsächlich vor, sich neu zu erfinden. Waren in den vergangenen Wochen, vor der Pleite, die aggressiven Noten aus dem Medienhaus nicht ein wenig milder geworden? Hatte Chefredakteur Dreyer seinen Mitarbeitern nicht auferlegt, in sozialen Netzwerken wie Twitter auf Kampfansagen zu verzichten? Die Nachrichtenagentur dapd war auf dem guten Weg, ihren Platz in dem schwierigen deutschen Nachrichtenagentur-Umfeld zu finden. Bis Vorderwülbecke und Löw die Notbremse zogen; in dem Moment, in dem Qualität und Quantität der Beiträge stiegen, warfen sie das Handtuch und überließen das Feld einem branchenfremden Insolvenzverwalter, der die verschiedenen dapd-Gesellschaften neu justieren muss.
So sehr Mitarbeiter jetzt schimpfen und Medienbeobachter über die Unfähigkeit und den Unwillen von Finanzinvestoren diskutieren, nachhaltig dem Mediengeschäft verbunden zu bleiben, so klar muss doch auch wieder daran erinnert werden, dass die Nachrichtenagentur dapd in den vergangenen Jahren und Monaten mit ihrer Expansion auch viele Journalisten eingestellt hat, die zuvor ohne Arbeit waren, die auf der Straße standen.
Entstanden aus ddp und deutschem AP-Dienst, war dapd der Jobturbo für einen Medienmarkt, in dem Journalisten zwar überall willkommen sind, aber bitte frei und nicht auf Steuerkarte. Und dapd hat auch der Konkurrenz Beine gemacht, sie zur Modernisierung bewegt.
Bis Freitag soll es Lohn geben
Die neuen Redakteure haben gekämpft, im Team die Qualität des Dienstes deutlich verbessert, um nur wieder zu erfahren, dass einige von ihnen wohl erneut den Gang zur Arbeitsagentur antreten müssen. Das Wochenende hat die Gemüter in der Redaktion zwar ein wenig beruhigt, an Normalität ist aber noch nicht ganz zu denken. Bis zum kommenden Freitag sollen, wenn alles so verläuft, wie Insolvenzverwalter Wolf-R. von der Fecht es sich vorstellt, die Gehälter endlich ausbezahlt werden.
"Open dapd" fordert Hausverbot
In einer anonymen E-Mail-Nachricht werfen einige Mitarbeiter zudem viele Fragen auf. Auch sie haben sich den Namen "Open dapd" gegeben. Was das sein soll? "open.dapd ist ein non-profit Projekt, tagt unregelmässig in Küchen von Mitarbeitern und wird sich namentlich nicht bekennen können: denn wir auch wir BRAUCHEN unsere Arbeitsplätze..." - die E-Mail-Nachricht, die NEWSROOM vorliegt und an den Insolvenzverwalter und innerhalb der Redaktion versandt wurde, findet drastische Worte, fordert ein Hausverbot für Löw und Vorderwülbecke und die Mitarbeiter ihrer Private-Equity-Gesellschaft BluO.
Ehemaliger stellvertretender dapd-Chefredakteur jetzt bei "Thüringer Allgemeine"
Still und leise hat sich der ehemalige stellvertretende dapd-Chefredakteur Dirk Lübke vor einigen Wochen aus Berlin verabschiedet. Inzwischen ist Lübke, ehemaliger Chefredakteur der Zeitungsgruppe Lahn-Dill in Mittelhessen und Chefredakteur der "Goslarschen Zeitung", in Ostdeutschland angekommen. Er dient Paul-Josef Raue bei der WAZ-Zeitung "Thüringer Allgemeinen" nicht als Chefredakteurskollege, aber als leitender Redakteur.
Früherer AP-Chefredakteur geht Ende November in Ruhestand
Ein anderer erfahrener Nachrichtenagentur-Journalist geht Ende November in den wohlverdienten Ruhestand. Peter Gehrig, langjähriger Chefredakteur der deutschen "Associated Press" und nach der Fusion ddp und ap in verschiedenen Positionen tätig, verlässt das Haus genau dann, wenn die Phase, in der die Arbeitsagentur den Beschäftigten der insolventen Gesellschaften Insolvenzgeld zahlt, endet. Gehrig wirkt bei der Nachrichtenagentur im Moment als redaktioneller Leiter des dapd-Fremdsprachendienstes und Chef der dapd-Akademie.
Bülend Ürük
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