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Vermischtes vom 01.11.2012

Teldafax und die Folgen: Ab wann machen sich PR-Experten der Beihilfe schuldig?

Darf Pressearbeit tricksen? Dürfen Öffentlichkeitsarbeiter wirklich alles Mögliche unternehmen, um ihre Kunden im positiven Licht erscheinen zu lassen? Und machen sich Pressesprecher, auch externe, der Beihilfe schuldig, wenn ihr Auftraggeber im großen Stil betrogen hat und ein Gericht dies feststellt? Diese Fragen kommen auf bei einem Urteil, das jetzt im Falle des früheren Chefs des Anbieters Teldafax am Amtsgericht Lingen (Niedersachsen) gefällt wurde und über das das Handelsblatt heute berichtet. Für Frank Überall, Professor an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW), ist der Fall eindeutig.

Köln - Explizit mit dem Mandat des insolventen Energieanbieters Teldafax wirbt PR-Expertin Susanne Fiederer auf ihrer Firmen-Website. Zu ihren Leistungen für Teldafax gehörten laut eigener Auflistung unter anderem "Interimsmanagement, aktive Medienarbeit in Form von Exklusiv-Interviews und –Themen, klassische Medienarbeit, Event-Marketing (Begleitung des Sponsorings bei einem Erstligisten), Evaluation durch Reputationsanalyse und das Coaching und Positionierung des Vorstands". Näher am Vorstand, dem jetzt verurteilten letzten Vorstandsvorsitzenden Gernot Koch war nach dieser Auflistung demnach also eigentlich niemand.

In dem hochbrisanten Stück im Handelsblatt aus der Feder von Sönke Iwersen, Chef der Investigativen Recherche bei der Wirtschaftstageszeitung, und Jürgen Flauger steht es dann auch so: "Als das Handelsblatt im Oktober 2010 berichtete, Teldafax sei überschuldet, stritt die Führung dies vehement ab. Der Vorstand heuerte sogar Kochs langjährige Bekannte Susanne Fiederer als PR-Expertin an. Sie verbreitete in den Monaten bis zur Insolvenz Erfolgsmeldungen, die Teldafax als attraktiven Anbieter darstellten. Hunderttausende weiterer Kunden liefen Teldafax in die Falle.

Dabei war der Stromhändler schon zu diesem Zeitpunkt längst verloren. Nach Analyse des Insolvenzverwalters Biner Bähr war Teldafax seit 2009 überschuldet. Das Werben immer neuer Kunden habe nur dazu gedient, eine Fassade für einen ahnungslosen Investor zu errichten. „Das einzige Ziel war, die Braut für einen Verkauf aufzuhübschen“, sagte Bähr auf der Gläubigerversammlung 2011. Doch der Schwindel flog auf."

Einer der viel und regelmäßig über den Fall von Teldafax berichtet hat, ist der Kölner Medien- und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Frank Überall.

"Entweder hat Herr Koch seine PR-Beraterin wirklich nicht richtig informiert und damit bewusst in Kauf genommen, dass ihr Ruf als professionell-aufrichtige Öffentlichkeitsarbeiterin beschädigt werden kann. Oder aber sie wusste von den Hintergründen und hat dabei mitgeholfen, sie bewusst zu verschleiern", erklärt Überall, der auch das Sachbuch „Abgeschmiert – Wie Deutschland durch Korruption heruntergewirtschaftet wird“ (Lübbe Verlag) geschrieben hat.

Frank Überall zu NEWSROOM: "Ich habe noch gut in Erinnerung, dass Teldafax auf dem Höhepunkt kritischer Berichterstattung im Jahr 2010 gegenüber den Medien vehement gegenüber Journalisten damit geworben hat, dass man doch den Erstliga-Fußballclub Bayer Leverkusen sponsert - Medienvertreter wurden zum Fußballspiel eingeladen und zum VIP-Eingang gebeten. Sinn der Aktion: Von der PR-Stelle hieß es damals, so schlecht könne es um die Firma doch gar nicht stehen, wenn man so hohe Sponsorengelder aufbringen kann. Ich habe damals nicht darüber berichtet, weil ich die Sache für zwielichtig hielt. Heute wissen wir, dass das womöglich ein irreführendes Ablenkungsmanöver war."

Bülend Ürük

Wie weit darf Öffentlichkeitsarbeit im Dienste des Kunden wirklich gehen? Was sagen Sie? Ihre Einschätzung schicken Sie bitte an redaktion@newsroom.de. Eine Auswahl von Zuschriften werden wir auf NEWSROOM veröffentlichen.

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