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Print vom 24.12.2012

"Frankfurter Rundschau": Belegschaft will jetzt auch gegen SPD demonstrieren

Die Belegschaft der insolventen Frankfurter Rundschau (FR) plant Protestaktionen gegen die SPD. Die Partei ist über ihre Verlagstochter DDVG Miteigentümerin der Zeitung. Die FR-Mitarbeiter haben Angst davor, mit "einem Tritt auf die Straße gesetzt" zu werden.

München - Betriebsratschef Marcel Bathis appelliert im Nachrichtenmagazin "Focus" an die Partei, endlich "ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden" und zusammen mit dem Mehrheitsgesellschafter DuMont-Schauberg einen branchenüblichen Sozialplan für die rund 470 Mitarbeiter zu verabschieden.

Bathis sagte dem Blatt aus München, der Betriebsrat denke über eine Demonstration vor der SPD-Parteizentrale in Berlin, dem Willy-Brandt-Haus, nach. "Offenbar benötigt die SPD im nächsten Jahr jeden Cent, um den Kanzler stellen zu können", kommentierte der Betriebsratsvorsitzende der "Frankfurter Rundschau" die Verweigerung von Zusagen.

Wenn die Rundschau keinen Käufer findet, könnte der geforderte Sozialplan laut "Focus" 20 Millionen Euro kosten. Die Inhaber hätten mitgeteilt, dass dies „ihre finanzielle Leistungskraft bei weitem“ übersteige. Von der Arbeitslosigkeit sind bei der "Frankfurter Rundschau" 470 Beschäftigte bedroht. Den Artikel hat "Focus" übrigens "Wie bei Schlecker" betitelt.

"Sind wir Beschäftigte dritter Klasse?"

Am vergangenen Montag haben Drucker und Journalisten der "Frankfurter Rundschau" bereits in Köln demonstriert. Knapp 100 Beschäftigte der "Frankfurter Rundschau" und ihre Angehörigen reisten In zwei von der Gewerkschaft Verdi gecharterten Bussen am 17. Dezember von Frankfurt vor die Konzernzentrale des Medienhauses DuMont-Schauberg. Ihnen ging es darum, dem Hauptgesellschafter der FR von ihrer großen Sorge zu berichten: dem Absturz zahlreicher FR-Beschäftigter, die nach dem Insolvenzantrag ihre Arbeit verlieren.

Nach der Insolvenzordnung stehen ihnen per Sozialplan maximal 2,5 Monatsgehälter zu, sagte der FR-Betriebsratsvorsitzende Marcel Bathis an der Amsterdamer Straße ins Mikrofon, meldet die Deutsche Journalisten-Union Hessen. Gleichzeitig biete DuMont Beschäftigten der Berliner Zeitung Abfindungen um die 100.000 Euro, wenn sie ihren Arbeitsplatz freiwillig räumen. "Sind wir Beschäftigte dritter Klasse? Werden wir mit einem Tritt auf die Straße gesetzt?", fragte Bathis. Die Gesellschafter der FR müssten Geld für einen geordneten Rückzug aus der "Frankfurter Rundschau" bereitstellen.

Am vergangenen Montag gab es aber nur Kaffee aus der DuMont-Kantine für die Demonstranten, mokiert die Gewerkschaft. Der Medienkonzern habe bisher 138 Millionen Euro in die Frankfurter Rundschau investiert, sagte das Vorstandsmitglied Franz Sommerfeld: "Wir waren gezwungen, Konsequenzen zu ziehen". Noch bis Ende Januar werde man mögliche Liquiditätslücken bei der Frankfurter Rundschau schließen, kündigte Sommerfeld an. Allerdings könne man jetzt keine Abfindungen zahlen, die die FR aus Mitteln der Gesellschafter schon vor dem Insolvenzantrag mit rund 20 Mitarbeitern vereinbart hatte. Der Insolvenzverwalter müsse dabei einbezogen werden. Man werde erst schauen, wie hoch die Insolvenzmasse ausfällt und die Sache dann prüfen. "Wir fühlen uns auch in Zukunft weiter für Sie als Mitarbeiter verantwortlich. Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst", sagte Sommerfeld laut der Deutschen Journalisten-Union Hessen.

Belegschaft der "Frankfurter Rundschau": SPD steht in der Pflicht

An die Verantwortung der FR-Gesellschafter appellierten auch der DuMont-Betriebsratsvorsitzende Robert Josefs und der dju-Bundesvorsitzende Ulrich Janßen. Die zur SPD gehörende FR-Gesellschafterin DDVG stehe ebenfalls in der Pflicht, sagte der hessische ver.di-Fachbereichsleiter Manfred Moos. "Das hier ist nur der Auftakt", rief  FR-Betriebsrat Marcel Bathis am Ende der Kundgebung. Wo immer die SPD ihren Kanzlerkandidaten im Wahlkampf präsentiert, "werden wir auf der Matte stehen". Die Belegschaft  kämpfe mit den Gewerkschaften weiter um die Frankfurter Rundschau: "Die uns ins Grab stoßen wollen, werden es nicht schaffen".

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