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dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Vermisster saudischer Journalist: Bundesregierung fordert Aufklärung

Regierungssprecher Seibert sagte, man nehme den im Raum stehenden Verdacht sehr ernst.

Berlin (dpa) − Die Bundesregierung hat Saudi-Arabien aufgefordert, sich an der Aufklärung im Fall des verschwundenen Journalisten Dschamal Chaschukdschi zu beteiligen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin: „Wir erwarten, dass schnell und glaubwürdig Aufklärung geschaffen wird.“ Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, Außenminister Heiko Maas (SDP) habe dies Anfang der Woche auch vom saudischen Botschafter in Berlin erbeten. Seibert sagte, man nehme den im Raum stehenden Verdacht sehr ernst.

 

Türkische und US-Medien hatten in den vergangenen Tagen unter Berufung auf Sicherheitskreise und Regierungsvertreter berichtet, der in den USA lebende saudische Journalist sei im Konsulat seines Herkunftslandes in Istanbul getötet worden. Die saudische Führung bestreitet dies.

 

Unbestritten ist allerdings, dass Chaschukdschi (59) am 2. Oktober das Konsulat betreten hatte, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seither wird er vermisst.

Der Journalist war früher Teil des saudischen Medien-Establishments. Er hatte zuletzt jedoch zunehmend kritisch über das Königshaus und Kronprinz Mohammed bin Salman geschrieben. Er entschied sich schließlich, sein Heimatland zu verlassen. Zuletzt schrieb er unter dem Namen Jamal Khashoggi für die „Washington Post“.

 

Auf die Frage, ob die Bundesregierung zur Aufklärung seines Verschwindens keine Rüstungsexporte mehr nach Saudi-Arabien genehmigen werde, sagte Seibert, dies seien „zwei Dinge, die nicht miteinander verbunden sind“.