Vermischtes
dpa

Die Nische lebt − Der Zeitschriftenmarkt ist ständig in Bewegung

Es gibt in Deutschland so viele Zeitschriftentitel wie noch nie. Aber neue Magazine entstehen vor allem in der Nische. Und manche verschwinden schnell wieder. Der Spiegel-Verlag startet einen neuen Versuch mit einem Heft über Expeditionen.

Berlin (dpa) − Im Zeitschriftenmarkt ist in Bewegung. Fast ständig gibt es neue Titel, etliche verschwinden wieder, aber unterm Strich wird die Auswahl immer größer. Im vergangenen Jahr ist die Zahl Publikumszeitschriften in Deutschland auf 1607 gestiegen, 90 Titel sind nach den Daten des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zum ersten Mal erschienen, 37 wurden eingestellt. So gesehen eine positive Bilanz, zumal die Branche 2017 mit Publikumszeitschriften rund 2,7 Milliarden Euro umgesetzt hat. Allerdings gibt es neue Magazine fast nur noch in der Nische.

Nischen haben einen großen Vorteil: Es gibt davon fast unendlich viele. Und wenn es schwierig wird, mit einem Heft noch zwei Millionen Exemplare zu verkaufen, dann geht das vielleicht mit 10 oder 20 Magazinen, die jeweils ihre eigene Zielgruppe haben. Das können Mountainbiker sein, Zigarren-Aficionados, Katamaran-Segler, Musicalfans, Veganer oder Steak-Liebhaber.

„Die 25-Jährigen beschäftigen sich etwa mit neuen Mobilitätskonzepten, E-Bikes, Smart Food, speziellen Sportthemen, das sind spannende Nischen“, sagt VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer. „Ich kann in der Nische auch noch höhere Preise nehmen. Wenn ich mich mit voller Leidenschaft für etwas begeistere, dann gucke ich nicht auf jeden Cent. Das ist eine Riesenchance.“

Das jüngste Projekt aus dem Spiegel-Verlag heißt „Spiegel Expedition“, Startauflage 100 000 Exemplare. Das erste Heft ist Alexander von Humboldt gewidmet, dem Forschungsreisenden aus dem 19. Jahrhundert. Die Zielgruppe sei deutlich jünger als die der klassischen „Spiegel“-Geschichtshefte, sagt Susanne Weingarten, Ressortleiterin Sonderthemen. „Wir stellen uns den Vater zwischen 35 und 55 vor, der abends mit seinem Kind dieses Heft durchschmökert.“ Und das Magazin sei vom Ansatz her auch weniger wissenschaftlich-historisch.

Bewegung im Zeitschriftenmarkt heißt aber auch: Der ein oder andere Titel verschwindet wieder. Das Magazin „Spiegel Classic“, das sich an ältere Leser richtete, hat der Verlag im vergangenen Jahr nach einer Ausgabe wieder eingestellt. In den vergangenen Jahren hat der VDZ im Schnitt jeweils mehr als 100 Neuerscheinungen gezählt. „Und etwa ein Drittel Einstellungen“, sagt Scherzer.

Mit „Neon“ verschwindet ein Magazin, das lange erfolgreich war: Es erscheint am 18. Juni nach 15 Jahren zum letzten Mal. „Wir würden wahnsinnig gerne weiter ein Heft für euch machen“, erklärte „Neon“-Chefredakteurin Ruth Fend, als Gruner + Jahr Mitte April das Aus verkündete. „Aber ihr seid zu wenige geworden. Denjenigen, die sich verabschiedet haben, sind nicht genügend Jüngere gefolgt.“ Die Zeitschrift hatte 2011 einen Spitzenwert von durchschnittlich 237 000 verkauften Heften pro Monat − und war zuletzt auf 58 000 abgerutscht.

Gruner + Jahr hat dagegen gerade erst ein neues Magazin angekündigt, bei dem es mit dem Designer und Fernsehmoderator Guido Maria Kretschmer zusammenarbeiten will. Es soll ab Herbst monatlich erscheinen.

„Die Verlage haben von Start-ups gelernt, Chancen schneller und agiler zu nutzen“, sagt Scherzer vom Zeitschriftenverleger-Verband. „Aber es wird im Vergleich zu früher auch schneller eingestellt, wenn klar ist, der Lesermarkt ist nicht so nachhaltig, wie gedacht oder ein Trend ist vorbei.»

Top Meldungen aus Vermischtes