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dpa

Slowakische Polizeimaßnahme nach Journalistenmord empört Medien

Chefredakteure und Herausgeber warfen den Kriminalisten vor, die Ermittlungen in dem Mordfall zur Einschränkung der Medienfreiheit zu missbrauchen.

Bratislava (dpa) − Knapp drei Monate nach dem Mord an einem Investigativjournalisten und seiner Verlobten hat das Vorgehen der slowakischen Polizei gegen eine tschechische Kollegin des Ermordeten für Entrüstung gesorgt. Die Chefredakteure und Herausgeber aller landesweiten Tages- und Wochenzeitungen sowie Radio- und Fernsehsender warfen den Kriminalisten in einer am Mittwoch veröffentlichten Protesterklärung vor, die Ermittlungen in dem Mordfall zur Einschränkung der Medienfreiheit zu missbrauchen.

Die Polizei habe der Investigativjournalistin Pavlina Holcova bereits am Dienstag ihr Mobiltelefon mitsamt der SIM-Karte abgenommen und versuche nun gegen ihren Willen, die Verschlüsselung der Daten zu durchbrechen und damit den gesetzlich garantierten Schutz von Informanten zu gefährden, kritisierten die Medienvertreter. Es sei nicht auszuschließen, dass das wahre Ziel der Maßnahme sei, Informanten zu entlarven, die korrupte Mitarbeiter von Justiz, Polizei und Regierung belastet hätten.

Holcova hatte mit Jan Kuciak eng zusammengearbeitet und war deshalb nach dessen im Stil einer Hinrichtung erfolgten Ermordung Ende Februar sofort unter Polizeischutz gestellt worden. Kuciak hatte Verbindungen slowakischer Regierungsmitarbeiter zu mutmaßlichen Mitgliedern eines italienischen Mafiaclans und anderen zwielichtigen Geschäftsleuten aufgedeckt. Seine erst nach seinem Tod veröffentlichte letzte Reportage löste den Sturz der vom Sozialdemokraten Robert Fico geführten slowakischen Regierung aus.

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