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Print vom 28.11.2011

Leipziger Volkszeitung droht personeller Kahlschlag

Keine Stimme mehr aus dem Osten - Madsack dreht der Leipziger Volkszeitung den Geldhahn zu. Bis zu 30 Arbeitsplätze will die Geschäftsführung in der Redaktion abbauen, betroffen ist vor allem die überregionale Berichterstattung. Aktuell arbeiten rund 100 Redakteure für die LVZ.

Leipzig - Insgesamt gehen bei der Leipziger Volkszeitung bis zu 53 Arbeitsplätze verloren; bis 2013 soll der Stellenabbau abgeschlossen sein. Finden sich nicht genügend Freiwillige für Abfindungen und Altersteilzeit, schließt das Unternehmen selbst betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. "Die Stimmung bei uns im Haus ist im Keller. Niemand weiß, wie es weitergeht. Bei uns werden Arbeitsplätze gestrichen, obwohl unser Blatt Geld verdient", sagte ein LVZ-Redakteur am Wochenende Newsroom.de.

Die Leipziger Volkszeitung ist das Madsack-Blatt mit der höchsten Verkaufsauflage (verkaufte Auflage im dritten Quartal 2011: 209.305).

LVZ kommt nicht zur Ruhe

Die vergangenen Monate waren turbulent am Leipziger Peterssteinweg. LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder scheiterte bei seinem Versuch, Nachfolger von MDR-Intendant Udo Reiter zu werden; Hilder wechselt nun nach Brüssel und leitet künftig das Korrespondentenbüro der Mediengruppe. Seinen Nachfolger will die Madsack-Geschäftsführung um Herbert Flecken kurz vor Weihnachten bekannt geben; als erster Anwärter gilt Dirk Birgel, Chefredakteur der Dresdner Neuesten Nachrichten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Geschäftsführung dem Madsack-Konzernbetriebsrat erklärt, dass fünf Vollredaktionen nicht zu halten seien. Die Regionalzeitungen sollen sich aufs Lokale und Regionale konzentrieren.

Jetzt setzt das Unternehmen seinen Plan final um und Meinungsvielfalt geht verloren. Wie bei den WAZ-Blättern (Westfalenpost, Westdeutsche Allgemeine Zeitung) im Ruhrgebiet, die auch eine gemeinsame Zentralredaktion in Essen für die vier Tageszeitungen unterhalten, oder bei DuMont (Kölner Stadtanzeiger, Berliner Zeitung) werden zukünftig dann die selben Kommentare und Reportagen und im nächsten Schritt teils identische Seiten veröffentlicht.

Überregionales zukünftig aus Berlin

Die madsacksche Stamm-Redaktion für die deutsche und internationale Berichterstattung wird im Korrespondentenbüro am Schiffbauerdamm 22 in Berlin konzentriert und soll nach den Plänen der Geschäftsführung auch für die anderen Madsack-Blätter (unter anderem Hannoversche Allgemeine Zeitung, Neue Presse, Ostsee-Zeitung, Lübecker Nachrichten) arbeiten. Die Chefredakteure sagen, welche Berichte sie gerne hätten, die Pool-Redakteure im fernen Berlin liefern.

Wieviele Redakteure in der Mantelredaktion in Leipzig tatsächlich verbleiben werden, die die Seiten nur noch lokal produzieren und für die Region anpassen und wer in die Lokalredaktion wechseln darf, steht nicht fest; offiziell wird auch noch nicht darüber gesprochen, wann die Umstrukturierungen bei den anderen Titeln greifen. Nach unseren Informationen will die Geschäftsführung aber bereits in den nächsten Wochen zu Mitarbeiterversammlungen einladen und mit den Chefredakteuren das Konzept vorstellen.

In Berlin sollen bis zu 25 Redakteure in dem gemeinsamen Korrespondenten-Büro arbeiten.

Für den Medienstandort Leipzig ist die Nachricht ein schwerer Schlag. Die LVZ ist die einzige Tageszeitung in der Großstadt. Sie blickt auf eine lange sozialdemokratische Geschichte zurück. Noch heute ist die SPD über Madsack (Umsatz 2010: 608,8 Millionen Euro) an der LVZ beteiligt.

Bülend Ürük

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