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Journalistenpreise vom 17.05.2012

Nach Nannen-Eklat: "Investigativer Journalismus darf Menschen nie ihre Würde rauben"

Nicolas Richter hat gemeinsam mit Hans Leyendecker und Klaus Ott den Henri-Nannen-Preis abgelehnt. Erstmals erklärt er, warum er und seine Kollegen den Preis nicht angenommen haben.

Berlin - Klare Worte für die Bild-Zeitung findet der 38-jährige, stellvertretende Recherche-Chef der Süddeutschen Zeitung: "Ich möchte nicht mit einem Blatt geehrt werden, das im Privatleben von Prominenten oder Halbprominenten wildert, das die Schwächen oder Fehltritte von Schauspielern und anderen Sternchen ausnutzt, um an sogenannte Exklusiv-Interviews zu gelangen."

Bislang hatte Hans Leyendecker die Wortführerschaft in dem Diskurs. Der 63-Jährige hatte am vergangenen Samstag aber den Pokalsieg seines Fußballclubs Borussia Dortmund zu ausgelassen gefeiert und am Anfang der Woche so recht keine Stimme mehr.

Jetzt also sein Stellvertreter.

Nicolas Richter schildert in seinem Beitrag für Netzwerk Recherche die Beweggründe, kommt dabei auch auf den Fall des Schauspielers Otfried Fischer zu sprechen.

Nicolas Richter: "Bild gibt sich immer nett, und  neuerdings auch seriöser. Das nackte Mädchen ist von der ersten Seite verschwunden, Recherchen zu Afghanistan oder zum Bundespräsidenten wirken wie ein Bemühen, politisch ernst genommen zu werden. Manche behaupten jetzt, ein Journalistenpreis ermutige die Bild, auf diesem Weg voranzuschreiten. Sie übersehen, dass solche Preise kein Geschäftsmodell in Frage stellen, sondern es stärken. Das Geschäftsmodell der Bild ist es, mit Indiskretionen ohne jede gesellschaftliche Relevanz Geld zu verdienen. Auch mit Vorverurteilung, Häme, Bloßstellung. Zuweilen auch damit, dass Bild auf Leute eintritt, die schon am Boden liegen."

Für Richter steht fest: "Investigativer Journalismus kann weh tun, er kann Karrieren beenden, er kann Mächtige stürzen, er kann Manager ihr Vermögen kosten, kann sie sogar ins Gefängnis bringen. Aber er darf Menschen nie ihrer Ehre, ihrer Würde berauben."

Derweil wird bereits hinter den Kulissen der nächste Henri-Nannen-Preis geplant. Der neue Juror, der Geo-Chef Peter-Matthias Gaede nach dessen Rücktritt ersetzen wird, soll nach unseren Informationen ebenfalls von einem Magazin kommen. Das Preisgeld, das das Süddeutsche-Team erhalten hätte, verbleibt einstweilen beim Preisstifter, da der das in diesem Fall extra aufgestockt hätte.

Bülend Ürük

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