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TV vom 01.07.2012

Zurück in die Vergangenheit: Für einen traditionellen Musikfilm streitet sich der ORF mit der Filmförderung

Die Quote bestimmt offensichtlich beim ORF alles. Obwohl das Filminstitut ein Projekt einstimmig abgelehnt hat, wird es jetzt dennoch aus Kinogeldern finanziert. "Eine konstruktiv-überzeugende Diskussion ist nicht mit einer Intervention gleich zu setzen", verteidigt sich Fernsehdirektorin Kathrin Zechner gegenüber dem Nachrichtenmagazin "profil".

Wien - Wie "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, zeichnet sich neuer Streit zwischen Filmförderung und ORF ab. "Im weißen Rössl" soll jener Film heißen, der erst nach einer Intervention durch ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner nun durch die Kinoförderung geschleust wird.

Die Geschichte einer "frechen jungen Berlinerin", die mit ihrem Vater ins Salzkammergut reist und sich dort in die fünfziger Jahre zurückversetzt fühlt, war im Österreichischen Filminstitut (ÖFI) zunächst einhellig abgelehnt worden. Zechner setzte eine außerordentliche Sitzung der Projektkommission durch, in der das Ergebnis Mitte Juni revidiert wurde. Nun kann das Projekt in die gemeinsame Kommission von ORF und ÖFI gelangen, wo man dem Kinobudget dafür weitere sechsstellige Summen entnehmen wird.

"Eine konstruktiv-überzeugende Diskussion ist nicht mit einer Intervention gleich zu setzen", verteidigt sich Zechner. Das "Weiße Rössl" sei ein Projekt, das "im Trend der Zeit" liege und eine Tradition aufgreife, "die in Österreich letzthin vernachlässigt wurde: den Musikfilm".

Es gelte, "gemeinsam mit dem ÖFI Projekte auf Attraktivität und Kinotauglichkeit" zu prüfen. Gerade Letzteres bezweifelt "profil" aber deutlich: Als Regisseur sei Christian Theede vorgesehen, der über keinerlei Kinoerfahrung verfüge und seit Jahren nur an TV-Unterhaltungsware arbeite.

Der Ablauf, nach dem Kinoprojekte, an denen sich der ORF beteiligen kann, erst im Filminstitut begutachtet werden, ehe sie in die gemeinsame Kommission gehen, sei "in Stein gemeißelt", meint ÖFI-Chef Roland Teichmann. "In Einzelsituationen allerdings muss man ein wenig Flexibilität zeigen und dem Partner ORF auch entgegenkommen. Aber erpressen lassen wir uns sicher nicht." Zechner scheine "andere Schwerpunkte als ihr Vorgänger Wolfgang Lorenz zu haben", sagt Teichmann. Sie orientiere sich "stärker an Quote und Publikumsakzeptanz".

Quote habe "nichts mit dem künstlerischen Anspruch eines Projekts zu tun", meint dagegen Zechner.

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