Vier von fünf Unternehmen setzen auf Dialogmarketing
(19.06.2013, 13:52)
"Ina Holzapfel liegt mir ihrer Einschätzung völlig richtig und völlig daneben zugleich", sagt NEWSROOM-Leser Eberhard Wühler zur Scripted-Reality-Diskussion.
Dortmund - "Journalismus verkommt immer mehr zur Scripted Reality" - diesen Vorwurf hatte die Dortmunder Oberstaatsanwältin Ina Holznagel im Interview mit Tobias Großekemper, Redakteur bei den "Ruhr Nachrichten", erhoben. NEWSROOM veröffentlicht weitere Leserreaktionen zu unserer Berichterstattung.
NEWSROOM-Leserin Ute Vetter schreibt:
"Ich habe 30 Jahre (gern) als Lokalredakteurin einer großen Tageszeitung gearbeitet - und selbst erfahren (müssen), wie sehr sich die journalistische/redaktionelle Arbeit durch den immer größer werdenden wirtschaftlichen Druck der Verleger, die sich immer schneller drehende Schraube der online/twitter/blogger/skype/viber/app-Welt nachteilig verändert hat.
Alles muss schnell-schnell recherchiert, gepostet, getextet werden. Natürlich möglichst billig und rund um die Uhr. Wer schläft, verliert.
Mag diese schnelllebige Entwicklung für Häppchen-Journalismus sowie oberflächliche Mode- und Promi-Blogs noch ausreichen, so kennt doch jeder halbwegs seriöse Journalist/Redakteur das Gefühl, irgendwie den sich ständig verändernden Limits und Anforderungen hinterherzuhecheln. Und das manche TV-Teams lustvoll eine arrogante Schnöseligkeit zelebrieren (nach dem Motto "alles zurücktreten, jetzt kommen wir wirklich Wichtigen!") ist doch schon seit Jahren vielen Print-Reportern ein Dorn im Auge."
Mag das im Machtzentrum Berlin, einem journalistischen Hexenkessel, noch als "normal" gelten - im regional-lokalen Arbeitsbereich sind solche "Journalisten"-Teams nur ein irgendwie unhöfliches, aber Gott sei Dank eher selten auftretendes Phänomen. Man neidet ihnen eher den geringeren Arbeitsaufwand: Denn gutes Schreiben ist immer noch schwieriger als Filmen.
Für NEWSROOM-Leser Eberhard Wühler, Vorsitzender Fachausschuss Presse- und Öffenlichkeitsarbeit im DJV Landesverband NRW, steht fest:
"Ina Holzapfel liegt mir ihrer Einschätzung völlig richtig und völlig daneben zugleich.
Sage niemand, dass es keine Heuschrecken-Journalisten gäbe; Journalisten, die nur nach Fakten für ihre Story suchen statt die Story aus den Fakten zu entwickeln. Aber sage auch niemand – erst recht nicht, wenn er der dritten Staatsgewalt angehört – dass DIE Journalisten so wären. Wir können uns glücklich schätzen, dass sich die journalistische Profession auch in diesem Punkt durch eine bemerkenswerte Vielfalt auszeichnet.
Zu dieser Vielfalt gehören enorm viele gute, leider auch (zu) viele weniger gute Journalisten; viele mit erstklassiger analytischer Begabung, leider auch (zu) viele mit allein synthetisierenden Neigungen. Journalistische Qualität braucht auch Leserqualität. So oder so – es ist lobenswert, sich darüber Gedanken zu machen."
Auf seinen Blogeintrag macht NEWSROOM-Leser Thomas Schweres aufmerksam. Dort schreibt er unter anderem:
"Zum Abschied hat sie noch einmal richtig nachgetreten, die Frau Dr. Holznagel.
Es hat mich nicht sonderlich erstaunt, was sie gesagt hat, schließlich durfte ich ihr Wirken als Pressesprecherin acht Jahre lang erleben. Erstaunt hat mich das Echo, das ihre Aussagen gefunden haben.
Ohne der Frau Dr. zu nahe treten zu wollen – wie sie aus ihrer Sicht als Sprecherin der Staatsanwaltschaft einer westfälischen Provinzstadt die deutsche Medienlandschaft beurteilt ist in etwa so fundiert, wie aus Kenntnis der Dortmunder Strafverfolgungsbehörden den bundesweiten Zustand von Staatsanwaltschaften und Polizei beurteilen zu wollen.
Im Allgemeinen verstehen sich deren Sprecher nämlich als Vermittler zwischen ihren Behörden und den Medien. Sie versuchen, zeitnah so viel von einem Fall mitzuteilen, wie möglich ist, und bestätigen auch recherchierte Fakten, die nun einmal in der Welt sind. Sie wissen, dass wir den Fall schon kennen, wenn wir uns melden.
Und nicht wie Frau Holznagel möglichst viel möglichst lange zurückhalten. Für O-Töne mit dem Inhalt: „Ich kann das weder bestätigen noch dementieren“, „Dazu kann ich nichts sagen, das ist Täterwissen“, „Das gehört zur Polizei-Taktik und –Technik“ reisen die wenigsten nach Dortmund. Dass sie dann nicht mitspielen darf, scheint ihr dann aber auch nicht zu passen."
Bülend Ürük
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