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Print vom 08.10.2012

Zeit"-Chef Rainer Esser: Vernachlässigung von Print "schizophren und dumm"

Wer sein Kerngeschäft vernachlässigt, sollte es nicht kleinreden, sondern die Klappe halten.

Wien - Scharfe Kritik von "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser an Vertretern der Verlagsbranche - Ähnliches Paywall-Modell wie jenes der "New York Times" auch für die "Zeit" durchaus "vorstellbar".

Rainer Esser, Geschäftsführer der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" lässt in einem Interview mit dem österreichischen Branchenmagazin "4c" mit harter Kritik an jenen Vertretern der Zeitungsbranche aufhorchen, die gedruckten Medien keine Zukunft attestieren: "Der eine oder andere aus dem Verlagsbereich, der sein Kerngeschäft nicht ausreichend durchdringt, redet besonders gerne und oft über Online und dass Print nicht mehr so läuft. Wer sein Kerngeschäft vernachlässigt, sollte es nicht kleinreden, sondern die Klappe halten. Wer sein eigenes Geschäft, das soviel Erfolg gebracht hat, schlecht redet, ist schizophren und dumm.", so Esser im Gespräch mit 4c.

Esser glaubt, dass die gedruckte Zeitung eher an Bedeutung gewinnen werde: "In der Realität wird Print für die Werbung immer wichtiger. Unsere Kunden erreichen heute über Print noch wertvollere Leser als noch vor zehn oder 20 Jahren. Gedruckte Zeitungen konzentrieren sich immer mehr auf gebildete und gut verdienende Menschen, die sich in der Gesellschaft engagieren und bereit sind, sich auch länger mit Themen auseinander zu setzen, letztlich auch Multiplikatoren sind. Das nützt den Anzeigenkunden sehr.", sagt Esser.

Paywalls vor den Webauftritten der Zeitungsverlage hält Esser indes für eine sinnvolle Lösung: "Wenn es allmählich eingeführt wird, für Qualitätsinhalte auch im Netz eine angemessene Bezahlung zu fordern, werden sich die Leser darauf einstellen. Gute Voraussetzungen haben starke Marken mit starken Autoren und Inhalten, die wenig austauschbar sind.", so der "Zeit"-Chef im Interview mit 4c.

Das Paywall-Modell der "New York Times" findet bei Esser dementsprechend großen Gefallen: "Auch für uns ist dieses Modell vorstellbar. Noch haben wir aber keine konkrete Planung dafür. Wir müssen auch nicht die ersten sein, die das hier einführen.", sagt Esser.

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