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Vermischtes vom 20.11.2012

Frauenrat: Heftiger Protest gegen ARD-ZDF-Kampagne

Mit Protest hat nach dem Journalistinnenbund auch der Deutsche Frauenrat auf die ARD-ZDF-Kampagne "Freie Medien für freie Meinungen" reagiert. Der Grund: Frauen werden als Meinungsmacherinnen und Adressatinnen darin völlig ausgeblendet, so der Dachverband von über 50 Frauenorganisationen mit Sitz in Berlin.

Die Printmotive der Kampagne, mit der für den neuen Rundfunkbeitrag geworben wird, präsentieren ausschließlich männliche Meinungsträger, das Kampagnenquiz 29 Männer und eine Frau.

Der Vorstand des Deutschen Frauenrates protestiert im Namen seiner 56 Mitgliedsverbäne mit Nachdruck dagegen, "dass Sie unsere Gebühren für eine solch ignorante und patriarchale Kampagne verschwenden", heißt es im Brief der neuen Vorsitzenden der Frauenlobby, Hannelore Buls, an die derzeitige Vorsitzende der ARD, WDR-Intendantin Monika Piel und den Intendanten des ZDF, Dr. Thomas Bellut.

"Ihre Kampagne macht Frauen in einem Ausmaß unsichtbar, wie wir das seit langem nicht mehr erlebt haben, von Ihren Medien in jüngerer Zeit nicht gewohnt sind. Im Übrigen erwarten wir gerade von den "Öffentlichen", dass das nicht mehr stattfindet. Hier setzen Sie sich jedoch über Ihren zentralen Auftrag, nämlich Meinungsvielfalt und Chancengleichheit zu gewähren, hinweg," heißt es darin weiter.

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NEWSROOM dokumentiert den Brief mit Datum 20. November 2012 in seinem vollen Wortlaut:

Kampagne "Freie Medien für freie Meinungen" - nur für Männer?

Sehr geehrte Frau Piel, sehr geehrter Herr Dr. Bellut,

Sie zeichnen verantwortlich für die Kampagne "Freie Medien für freie Meinungen", mit der der neue Rundfunkbeitrag den Bürgerinnen und Bürgern nahegebracht werden soll. In diesem Fall geht der Versuch jedoch gründlich daneben: Anscheinend sprechen Sie nur die Hälfte der Bevölkerung (besser gesagt 48 Prozent und eine Bundeskanzlerin) an.

Der Vorstand des Deutschen Frauenrates protestiert im Namen seiner 56 Mitgliedsvereine und -verbände mit Nachdruck dagegen, dass Sie unsere Gebühren für eine solch ignorante und patriarchale Kampagne verschwenden.

Wir fordern Sie auf, dass Sie diese zügig ändern oder einstellen.

Möglicherweise sind Ihnen bzw. Ihren Auftragnehmern (Auftragnehmerinnen sind es wohl nicht gewesen?) Ihre eigenen Werbesprüche bei einer Überarbeitung ja sogar hilfreich:

- Wenn ARD und ZDF genauer hinhören wollen, dann nehmen Sie bitte Frauen auch zur Kenntnis!
- Wenn Sie Informationen auf Augenhöhe produzieren und verbreiten wollen, müssen Sie das  ebenfalls für die "andere Hälfte" tun - und öffentlich zeigen.
- Möchten Sie nachhaltig wirken? Dann richten Sie Ihre Kampagne an diejenigen, die für das, was die Kinder zu Hause sehen, verantwortlich sind.
- Und finden Sie das unbequem: Vier (weiße) Männer!?

Entsetzt hat uns geradezu das Quiz, bei dem dreißig Namen zur Wahl für die Zuordnung von zehn Namen stehen. Es handelt sich um 29 Männer und eine Frau - Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Wir sind fassungslos über so viel Ignoranz und Rückwärtsgewandtheit.

Haben Sie als Verantwortliche unserer "Leitmedien" wirklich übersehen, dass die Geschlechterquote als Topthema öffentlich verhandelt wird? Und zwar längst nicht mehr beschränkt auf die Besetzung von Aufsichtsräten und Vorständen von Unternehmen, sondern als wirksames Instrument für Chancengleichheit und Pluralismus für viele Bereiche der Gesellschaft.

Ihre Kampagne macht Frauen in einem Ausmaß unsichtbar, wie wir das seit langem nicht mehr erlebt haben, von Ihren Medien in jüngerer Zeit nicht gewohnt sind. Im Übrigen erwarten wir gerade von den "Öffentlichen", dass das nicht mehr stattfindet. Hier setzen Sie sich jedoch über Ihren zentralen Auftrag, nämlich Meinungsvielfalt und Chancengleichheit zu gewähren, hinweg.

Ihre Kampagne blendet die aktuelle Debatte über Chancengleichheit und Pluralismus aus. Bitte ändern Sie dies unverzüglich - im Sinne von Millionen von Frauen als Ihre Zuschauerinnen und Zuhörerinnen. Wir versichern Ihnen:

Es lohnt sich für Sie, die ganze "erste Reihe" in den Blick zu nehmen, denn dann "sieht man besser".

Mit freundlichen, wenn auch verärgerten Grüßen

Hannelore Buls
Vorsitzende

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