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Vermischtes vom 07.06.2013

Elisabeth Wasserbauer über das neue Glück der Zeitungen

1400 Verleger, Journalisten und Medienmacher haben bis Mittwoch beim Weltkongress der Zeitungen in Bangkok getagt. Das Ergebnis ist durchwachsen.

Bangkok - Elisabeth Wasserbauer ist Geschäftsführerin vom Kuratorium für Journalistenausbildung - Die Österreichische Medienakademie. Für NEWSROOM hat Elisabeth Wasserbauer die wichtigsten Momente der Veranstaltung, ihre persönlichen Eindrücke, die wichtigsten Aussagen einiger Referenten aufgeschrieben.

World Newspaper Congress, ja, der heißt immer noch so. Tendenziell konservative Verleger sehen in der Paywall ihr Glück, Internetaffine und Berater wie Jeff Jarvis setzen lieber auf neue Erzählformen.

Und man zerbricht sich den Kopf, wie man die Leser dazu bringt, sich zu engagieren, also zu lesen, zu interagieren.

Elisabeth Wasserbauer, Geschäftsführerin vom Kuratorium für Journalistenausbildung - Die Österreichische Medienakademie, gibt einen Einblick auf die wichtigsten Themen beim Weltkongress der Zeitungen in Bangkok.

Denn wie Jeff Jarvis sagte, derzeit wird mehr Zeit in News (also journalistische Inhalte) investiert als Geld. Und der Schlüssel soll das Engagement sein, damit Geld hereinkommt, sei es via Paywall oder Werbun oder andere Formen. Yingluck Shinawatra ist nicht nur die erste Premierministerin Thailands, sondern auch die erste Frau, die die Bühne am Zeitungs-Weltkongress betritt, am zweiten Tag wohlgemerkt.

Am ersten trug nur die Moderatorin keinen Anzug. Shinawatra sagte: "Die Rolle der Medien war nie wichtiger. Sie können uns nicht nur helfen, Konflikte zu überbrücken, sondern auch, die Menschen näher zusammenbringen."

Sie fordert dazu auf, das Gleichgewicht zu finden zwischen Pressefreiheit und journalistischer Verantwortung.

Zur Lage der Welt: Der asiatische Markt wächst weiter, allerdings nicht mehr so rasant, alle anderen Märkte verlieren. Zeitungen verlieren den Zählungen zufolge keine Leser, aber die Leser lesen seltener.

Paywall nicht die Zauberformel: FAZ-CEO Tobias Trevisan zeigt die Richtung: "Wir haben die Verpflichtung, dass unsere Zeitung unabhängig bleibt, und das bedeutet, dass sie profitabel bleiben muss." Also spricht man viel von Paywalls.

Robert Dickey, Präsident der US Community Publishing Division, Gannett, USA, sagt, Paid Content einzuführen ist ein Change Process, und empfiehlt: Binden Sie alle ein!

Die kanadische The Globe and Mail hat die Paywall seit acht Monaten: Chefredakteur John Stackhouse betont wenig überraschend: "Journalismus hinter der Wand muss besonders gut sein." Er habe sich nie für die Paywall bei den Lesern entschuldigt. Seine Redaktion produziert jetzt mehr, denn Leute, die zahlen, bleiben länger und erwarten mehr. Auch der erwartete Rückgang der Leserzahlen ist eingetreten. Dennoch glaubt er: "Paywalls können Journalismus besser machen."

Anjali Kapoor, verantwortlich für die digitale Strategie, ergänzt: Den Newsroom umzustellen, das geht nur Projekt für Projekt und das dauert. The Globe and Mail hat einen Community Editor in jedem Ressort. "You don't monetize your social strategy, you monetize your audience. Es geht also darum, wie sehr die sich engagieren.

Wer Inhalte der Financial Times kopiert, bekommt eine Pop-up-Nachricht von Casper de Bono, dass Journalismus Investment braucht. Sie haben analysiert: 1 Prozent ihrer User sind verantwortlich für 70 Prozent der kopierten Inhalte. Die meisten User lesen 8 bis 16 FT-Artikel pro Monat. 

Also muss man ab acht zahlen.

Jeff Jarvis ist bekanntermaßen kein Freund von Paywalls, aber er findet auch, dass Inhalte etwas wert sein müssen. Er schlägt den reversed pay meter vor: je mehr jemand unsere Plattformen nutzt, desto weniger soller zahlen, weil er als User wertvoller wird (Ein User, den man kennt, ist demnach 25 mal so wertvoll - für Werber - wie ein anonymer.) Forget Big Data, Small data starts the relationship.

Eigentlich drei Kongresse

Der Zeitungskongress waren eigentlich drei Kongresse: World Newspaper Congress, World Editors Forum und World Advertising Forum.

Eric Bjerager, Präsident des Editors Forum ,gab die Ergebnisse der Kongressstudie bekannt:  Fünf Megatrends in Newsrooms Mobile, innovatives Storytelling, Social Media, Daten und Useranalyse, Paid Content.

David Rowan, WIRED, UK: Täglich gibt es eine Million neue Smartphones, das ist dreimal so viel wie Babys geboren werden. Er glaubt, das Geld steckt im mobilen Geschäft.

Jonathan Halls, Professor an der George Washington University legt den Fokus auf ein Umdenken in der Führung von Medien: Innovative Unternehmen sind nicht hierarchisch, sie werden mit Visionen geführt und nicht mit Regeln. Sie gehen bewusst Risiken ein und sind geprägt von Vertrauen und Zusammenarbeit.

Auch Lisa MacLeod, Head of operations, ft.com, UK, legt den Fokus auf Innovation, aber das heiße nicht immer, etwas Neues zu erfinden. Meist bedeutet es, beim Geschichten erzählen zu experimentieren.

Die Schwedin Anette Novak, WAN-IFRA gibt den Gordon Ramsey der Medien: "Sie alle sind nicht innovativ, sonst wüssten wir es." Die meisten Newssites sehen gleich aus: Headline, Foto oder Video, Text. Lineares Storytelling und Banner. Banner funktionieren nicht, kein Wunder, dass das Geld woanders hinfließt. Die Innovation passiere woanders.

Sie hat mit vielen Start-up-Unternehmern gesprochen, die alle das gleiche berichten: sie bieten den Medienunternehmen etwas an, werden aber abgewimmelt. Novak stellt Start-ups mit hilfreichen Anwendungen vor: Surftrain.com für Live-Unterhaltungen, eine Bloggerin hält damit regelmäßig ihre User zwei Stunden auf der Seite; berlinfolgen von 2470media, das Bewegtbild, Fotos und Text verbindet; Bambuser, seeclickfix.com.

Oliver Multhaup, Funke Mediengruppe, Essen: Die Leute dazu bringen, sich einzubringen (engaging) - und das über Facebook und Twitter hinaus. Die Mehrheit hat Smartphones, damit machen sie Fotos. Wir kooperieren mit einer skandinavischen Firma, Scoopshot. Damit kann jeder seine Fotos verschicken und die teilnehmenden Medien können sie kaufen.

Multhaup hat zum Beispiel ein Foto seines thailändischen Essen online gestellt und damit 2,50 Euro verdient.

Die App ist kostenlos, Leute machen Fotos, legen den Preis dafür fest, Medien können sie kaufen. Redaktion lädt Guthaben hoch und kann sich von der ganzen Welt die Fotos holen.

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" hatte einen Kaffeetassen-Wettbewerb, eine Aktion mit Schlaglöchern, aber sie bekamen zum Beispiel auch viele Fotos von Lesern bei den Überschwemmungen in Deutschland und Österreich, Fotos von überschwemmten Wohnzimmern.

Ende März 2013 haben sie gelauncht, innerhalb von 24 Stunden 30 Millionen User. Haben Infografik hochgeladen, wie es geht, fertig. Kosten für Fotos zu sparen is a nice side effect, aber nicht der Grund, WAZ hat immer noch 40 Fotografen. Sie verwenden nur unbearbeitete Fotos, verringert das Fälschungsrisiko.

Mira Milosevic, Head of Media Development, WAN-IFRA präsentiert die Ergebnisse ihrer Befragung. Ihr Resümee: Wer Publikum hat, hat noch lange keine Einnahmen. Sie kann drei Erfolgsfaktoren ausmachen:
- smart diversification / intelligente Diversifizierung
- targeted audiences / Zielgruppensegmentierung
- credible content / Glaubwürdigkeit wahren

Und sie gibt noch einen Tipp: Investieren Sie nicht in teure Berater. Nutzen Sie das, was da ist, z. B. Software, die wenig kostet.

Twitter-Nachlese:

#wnc13 World Newspaper Congress
#editors13 World Editors Forum
#waf13 World Advertising Forum

Elisabeth Wasserbauer

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