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dpa

Jerusalem: Saudischer Medienvertreter von Palästinensern attackiert

Ein Besuch arabischer Medienvertreter in Israel löst Unmut in der arabischen Welt aus. In Jerusalem kommt es zu einem Angriff auf einen der Medienaktivisten. Selbst Plastikstühle werden zu Wurfgeschossen.

Tel Aviv (dpa) − Palästinenser haben in der Jerusalemer Altstadt einen saudi-arabischen Medienaktivisten attackiert, der auf Einladung des israelischen Außenministeriums im Land ist. Videos zeigten, wie der Mann auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) angespuckt, beschimpft und im Markt in der Altstadt mit Plastikstühlen beworfen wurde. Menschen riefen: „Schande über Dich“ und „Bete nicht hier“. Das israelische Außenministerium kritisierte die Attacken am Dienstag scharf.

Der Arabische und nahöstliche Journalistenverband hatte bereits betont, jegliche „Normalisierung mit dem zionistischen Feind (Israel)“ abzulehnen. Der Konflikt zwischen Israel und den Arabern werde erst mit dem Ende der israelischen Besatzung der Palästinensergebiete und anderer arabischer Gebiete gelöst werden.

Ein Sprecher des Außenministeriums schrieb auf Twitter: „Wir verurteilen das gewalttätige und unmoralische Verhalten einiger Palästinenser an der Al-Aksa-Moschee gegenüber dem saudischen Medienaktivisten, der nach Jerusalem gekommen ist, um eine Brücke für den Frieden und die Verständigung zwischen den Völkern zu sein. Diese (Menschen) nutzen auf abscheuliche Weise die heiligen Orte als politisches Instrument."

Die Polizei teilte mit, man habe nach dem Angriff auf dem Tempelberg und in der Altstadt drei Anwohner aus Ost-Jerusalem festgenommen. Weitere Festnahmen würden erwartet.

Derzeit besuchen sechs Journalisten und Medienaktivisten aus dem arabischen Raum Israel. Nach israelischen Angaben sind erstmals Medienvertreter aus Saudi-Arabien und dem Irak Teil der Delegation. Israel unterhält keine diplomatischen Beziehungen mit den beiden Ländern.

Die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah sprach in einer Stellungnahme von einem „Normalisierungs-Treffen mit dem Feind“. Besuche dieser Art würden auf Kosten des palästinensischen Volkes und der palästinensischen Sache stattfinden. „Es bietet lediglich einen politischen und medialen Deckmantel für die Verbrechen, die die (israelischen) Besatzungskräfte begehen."

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte nach einem Treffen mit den Medienvertretern dagegen, dies sei „ein wichtiger Besuch“. Er glaube, ohne Israel „würde der gesamte Nahe Osten unter den radikalen islamischen Kräften zusammenbrechen“ − den schiitischen unter der Führung des Iran oder den sunnitischen unter der Führung des „Islamischen Staates“ (IS), so Netanjahus Darstellung. Der Regierungschef betont immer wieder, hinter den Kulissen gebe es eine Annäherung Israels an mehrere arabische Staaten.

Israel hat 1967 im Sechs-Tage-Krieg unter anderem die Golanhöhen, das Westjordanland, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser fordern das Westjordanland, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem allerdings für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Der Tempelberg mit der Klagemauer sowie der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom ist Juden wie Muslimen heilig.