Jobs
Newsroom

Fünf Krisen-Kompetenzen für harte Zeiten

Fünf Krisen-Kompetenzen für harte Zeiten Attila Albert

Unsicherheit und Pessimismus prägen die Gegenwart. Karrierecoach Attila Albert zeigt, welche Kompetenzen jetzt helfen, Chancen zu erkennen und handlungsfähig zu bleiben.

Berlin – Schon in den vergangenen Jahren war überwiegend die Rede davon, dass die allgemeine Stimmung schlecht sei, auch wenn das jeder ein wenig anders empfunden hat. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das noch einmal verstärkt hat: 84 Prozent sehen inzwischen beunruhigt in die Zukunft, 75 Prozent meinen, die Lage sei schlecht. Die Fundamentaldaten – Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Kostenentwicklung, Schulden – belegen auch objektiv, dass sich gewaltige Probleme aufgetürmt haben, für deren Lösung es wahrscheinlich ein Jahrzehnt oder mehr brauchen wird. Wie soll man da nicht resignieren, sondern hoffnungsvoll bleiben? Denn weitergehen muss es trotzdem, auch wenn die Zeiten absehbar härter werden.

 

Man dürfe eben „nicht alles schlechtreden“, ist eine häufig gehörte Empfehlung, man solle „auch das Gute sehen“. Das ist allerdings ein Plädoyer für das teilweise Ausblenden der Realität, der man jedoch nicht entkommen kann – wenn es etwa weniger Stellenangebote gibt bzw. man feststellen muss, dass die Aufträge weniger werden. Zwar kann man sich durch „positives Denken“ oder auch „Manifestation“ (eigene Ziele bildlich vorstellen) motivieren, darf es aber nicht dabei belassen. Es gibt echte, tragfähige Kompetenzen, mit denen sich schwierige Zeiten besser überstehen lassen. Sie helfen dabei, die immer vorhandenen Chancen zu erkennen und zu nutzen, während andere beides versäumen.


Zuversicht: Probleme als lösbar einschätzen
Das beginnt mit einem realistischen Blick auf die allgemeine und persönliche Situation und Perspektive. Weder Optimismus (grundsätzlich das Beste erwarten) noch Pessimismus (vom Schlimmsten ausgehen) sind empfehlenswert, sondern ein Mittelweg: Zuversicht. Das bedeutet, die vorhandenen Probleme anzuerkennen, sich aber gleichzeitig zuzutrauen, sie für sich lösen zu können – so, dass es am Ende gut ausgehen wird. Das lenkt den Fokus auf aktives, selbstbestimmtes Handeln und ermutigt dazu, sich pragmatisch um Lösungen zu bemühen.

Tipp: Den regelmäßigen Kontakt zu zuversichtlichen Menschen (z. B. Gründern) suchen, sich also nicht von denjenigen herunterziehen lassen, die nur noch düster sehen.


Enthusiasmus: Sich für etwas begeistern können
Die allgemein düstere Einschätzung der Lage wird von einem alarmistischen, dabei aber auch depressiven Grundton begleitet. Alles ist irgendwann „eine Katastrophe“, nichts hat vor der Kritik mehr Bestand, viel ausrichten kann man aber auch nicht. Hier ist Enthusiasmus der Gegenentwurf: sich wieder für etwas begeistern zu können und das mit Leidenschaft zu verfolgen. Mancher muss lange zurückdenken, ehe ihm wieder eine Zeit einfällt, in der er sich für etwas begeistert hat (z. B. am Berufsbeginn). Das ist ein Hinweis darauf, dass ein Wechsel überfällig ist.
Tipp: Urlaubsreisen nicht nur zur Entspannung nutzen, sondern auch zur intellektuellen und kreativen Anregung (z. B. Vorlesung, Vernissage, Workshop).


Neugier: Offenheit für das, was man noch nicht weiß
Der Wunsch, immer wieder etwas Neues oder Interessantes zu erfahren, sollte eigentlich ein Wesenszug jedes Journalisten sein. Einige haben allerdings, schaut man genauer hin, gar keine echten Fragen mehr an andere – sondern eigene Antworten, die sie loswerden wollen, idealerweise bestätigt von anderen. Das führt auf Dauer zu geistiger Verödung: Man lernt nicht mehr viel dazu, nimmt keine neuen Perspektiven auf und verpasst damit Ideen und Lösungsansätze, auf die man selbst nicht gekommen wäre oder die man bisher für sich ausgeschlossen hat.
Tipp: Den Freundes- und Bekanntenkreis überdenken – haben dort alle dieselben oder ähnliche Ansichten, braucht es eventuell mehr Abwechslung.


Tatkraft: Erledigen, was getan werden muss
Nichts lässt sich erreichen, ohne dass praktische Aufgaben erledigt werden – und zwar möglichst zügig. Beispiel: Wer in der Branche bekannter werden will, um beruflich aufzusteigen, muss sein LinkedIn-Profil aktualisieren und aktiv nutzen, zudem regelmäßig Branchenkollegen treffen und sich bei relevanten Events zeigen. Dafür genügt es nicht, „darüber nachzudenken“ oder immer wieder nur davon zu reden. Man muss es tun. Manche Aufgabe, die monatelang verschleppt wird, wäre in einer Stunde erledigt und würde einen damit praktisch voranbringen.
Tipp: Aufgabenlisten für die eigenen Angelegenheiten führen (z. B. in Asana, Monday oder einer Tabelle), um immer die Übersicht zu behalten.


Pragmatismus: Das jetzt Machbare angehen
Insbesondere Medienprofis mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund (z. B. Studium der Politik, Geschichte, Soziologie, Kommunikation) neigen zum Theoretisieren. Sie beschreiben gern und ausführlich, was sich „in der Gesellschaft“ oder „strukturell“ ändern müsste, gehen in eigener Sache aber häufig nur wenig an. Auch konkrete Lösungsvorschläge, die innerhalb des aktuellen Rahmens umsetzbar wären, sind selten. Die Erfolgreichen konzentrieren sich ambitioniert auf das Machbare – und kommen damit weiter.
Tipp: Sich selbst dazu erziehen, es niemals nur bei Problembeschreibungen und Lösungen, die andere umsetzen müssten, zu belassen, sondern immer konkrete Schritte für sich selbst abzuleiten und umzusetzen.

 

Zur vergangenen Kolumne: Fünf Signale für den nächsten Karriereschritt

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org