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Karriere im Schatten der Partnerschaft: Wenn der Partner den Aufstieg bremst

Karriere im Schatten der Partnerschaft: Wenn der Partner den Aufstieg bremst Attila Albert

Beruflicher Aufstieg kann scheitern, wenn der eigene Partner unbewusst oder bewusst bremst. Karrierecoach Attila Albert gibt Tipps, wie Betroffene trotzdem vorankommen.

Berlin – Wenn es um ihre berufliche Weiterentwicklung und persönliche Entfaltung geht, führen Medienprofis im Karrierecoaching wiederkehrende Hürden an. Immer scheint etwas anderes gerade dringender, auch die dafür verfügbare Zeit ist immer knapp und das Geld (z. B. für eine Karriereberatung oder Weiterbildung) häufig ebenso. Ein durchaus nicht seltener, aber heikler Grund kommt häufig erst nach einiger Zeit zur Sprache, da er den Betroffenen peinlich ist: Ihr Partner bremst, manchmal bewusst, häufiger nicht aus bösem Willen. Doch wenn sie es ganz ehrlich betrachten, ist er der Grund, warum sie einen überfälligen Wechsel der Arbeitsstelle immer wieder verschieben oder gar nicht erst angehen.

 

Die Gründe, warum der Partner zum Hindernis für die eigene berufliche Entwicklung wird, sind unterschiedlich. Hier aber einige häufige Konstellationen:

  • Der Partner möchte sich auf seine eigene Karriere konzentrieren und erwartet Beistand, keine Konkurrenz. Beispiel: Ein Ehemann, der von seiner Frau erwartet, dass sie ihm „den Rücken freihält“, nicht noch Termine und Aufgaben überträgt.
  • Der Partner fällt wegen eigener Probleme als Unterstützung aus und belastet zusätzlich. Beispiel: Eine Führungskraft, deren Partner an Depressionen leidet und immer wieder arbeitslos ist, weswegen sie keinen Wechsel riskieren kann.
  • Er zieht eigene Vorhaben ohne Rücksicht durch. Beispiel: Er will sich als Künstler verwirklichen, besucht dafür Kurse und braucht Geld für Materialien, ohne je ein relevantes Einkommen zu erzielen. Seine Frau muss die Familie unterhalten.
  • Die Vorhaben des Partners finden kein Ende, er vertröstet nur immer wieder. Beispiel: Er ist bereits jetzt in einer mehrjährigen Weiterbildung, will aber auch danach nicht endlich arbeiten, sondern gleich die nächste besuchen.


Angst davor, eigene Bedürfnisse anzusprechen

Entgegen der landläufigen Erwartung verteilen sich diese Konstellationen auf beide Geschlechter. So habe ich als Karrierecoach über die Jahre eine Reihe von weiblichen Führungskräften begleitet, die ungewollt der Allein- oder Hauptverdiener ihrer Familie waren, während ihr Partner finanziell wenig oder nichts beitrug. Umgekehrt fällt es heute vielen vermeintlich modernen Männern schwer, ihre objektiv berechtigten Interessen gegenüber ihrer Partnerin durchzusetzen oder überhaupt nur auszusprechen, weil sie nicht als altmodische Tyrannen gelten wollen. Also sagen sie lieber gar nichts und lassen ihre Partnerin entscheiden, obwohl sie vielleicht durchaus mit sich reden ließe.

 

Auf der Ebene einer abstrakten gesellschaftlichen Diskussion ist es dabei für die Betroffenen oft leicht, dieses zu fordern und jenes abzulehnen; es mangelt auch nicht an Essays und Meinungsartikeln zur Aufteilung der familiären Betreuung („Care-Arbeit“) und Verantwortung („Mental Load“). Innerhalb der eigenen Ehe bzw. Partnerschaft ist es dagegen sehr anspruchsvoll, eine Balance herzustellen bzw. neu auszuhandeln. Immerhin hat man keinen politischen Gegner vor sich, sondern einen geliebten Menschen, mit dem man das Leben teilt, mit dem man sich ansonsten hoffentlich gut versteht und dem man sich nahe fühlt. Wie also vorgehen, wenn man sich gleichzeitig von ihm gebremst fühlt?

 

Eigene Gedanken und Gefühle klären

Eine derartige Konstellation ist selbst für eine insgesamt gute Beziehung eine ernsthafte Belastungsprobe und kann langfristig sogar zu ihrem Ende beitragen. Bei den Betroffenen führt sie zu widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen: „Es ist doch selbstverständlich, dass ich helfe, aber das nimmt ja nie ein Ende“, „Das hatten wir eigentlich anders ausgemacht“, „So habe ich mir das nicht vorgestellt …“ Hier hilft es, das mit einer Vertrauensperson (z. B. Coach oder Therapeut) zu besprechen, um sich eine klare Position zu erarbeiten. Ziele sind eine realistische Einschätzung der aktuellen Lage und der Aussichten, wie sie sich wahrscheinlich weiterentwickeln wird, sowie praktikable eigene Handlungsoptionen.

 

Widersprüchlichkeit der Lage anerkennen

Jeder Konflikt mit dem Partner ist nicht nur eingebettet in widersprüchliche Empfindungen, sondern auch in wechselseitige Abhängigkeiten. Man liebt ihn, ist hier aber wütend und enttäuscht; am liebsten würde man alles hinschmeißen, ist aber durch das bisherige gemeinsame Leben, Kinder, rechtliche Verpflichtungen (Unterhalt) und selbst die Wohnung aneinander gebunden. Diese Komplexität und daraus folgende praktische Hürden muss man anerkennen, ohne sich ganz von ihnen bestimmen zu lassen. Es ist immer möglich, eine Beziehung neu zu definieren oder sich in letzter Konsequenz zu trennen. Selbst wenn man es doch nicht tut, gibt einem bereits die Möglichkeit dazu gedankliche Freiheit.

 

Grundlegende Entscheidungen für sich treffen

Auch wenn man sich in einer guten Beziehung möglichst immer abspricht und gemeinsam einigt, gibt es einige grundlegende Entscheidungen, die man schlussendlich allein treffen muss. Dazu gehört, wie weitgehend und wie lange man eine einseitige Verteilung der Verantwortung und Möglichkeiten akzeptieren will. Das schließt ein, dass man seine Unterstützung immer begrenzen sollte und jederzeit auch wieder widerrufen kann: „Ich bin nicht mehr bereit dazu, dass alles zu meinen Lasten geht“ (ausführlich dazu in meinem Ratgeber „Ich mach da nicht mehr mit“). Derartige Gespräche sind immer unangenehm, bewahren einen aber potenziell vor weiteren Jahren der einseitigen Belastung.

 

Ehrlich die eigenen Motive überdenken

Wer dem Partner zuliebe regelmäßig zurücksteht, ist manchmal selbst davon überzeugt, dass er all das „aus Liebe“ oder „weil es sich in einer Beziehung eben so gehört“ auf sich nimmt. Hier lohnt es sich – eventuell mit professioneller Hilfe –, die eigenen Motive einmal etwas tiefergehend zu ergründen. Nicht selten kommen dabei weniger prosaische Gründe zutage: Man scheut die Konfrontation oder fürchtet sich sogar davor; man ist mit der Überzeugung aufgewachsen, dass man sich Zuneigung verdienen muss und die eigenen Bedürfnisse grundsätzlich hinten anstehen usw. Diese Ehrlichkeit sich selbst gegenüber verhilft zu ehrlicheren, kraftvolleren Worten ohne Angst vor den Folgen.

 

Gemeinsame Sprache und Kompromisse finden

Nicht selten sorgt es beim Partner für Erstaunen, wenn er von unerfüllten Bedürfnissen und Wünschen hört, die so offen vielleicht noch nie geäußert worden sind oder deren Bedeutung für den anderen er bisher unterschätzt hat. Dabei ist es hilfreich, eine gemeinsame Sprache zu finden bzw. so zu formulieren, dass es der andere nachvollziehen kann. Danach muss die Suche nach Kompromissen beginnen: Was kann und will der andere beitragen, wo kann man ihm dafür entgegenkommen? Dabei dürfen auch Konsequenzen benannt werden. Beispiel: Bleibt es bei dem Einkommensgefälle, weil einer von beiden nicht arbeitet, wird man sich bei der Wohnung verkleinern oder auf Urlaube verzichten müssen.

 

Es ist schon organisatorisch nicht ideal, wenn sich beide Partner gleichzeitig ganz ihrem Beruf widmen wollen. Eine abwechselnde Folge – erst der eine, dann der andere – ist einfacher umsetzbar. Aber das erfordert den regelmäßigen Austausch und Absprachen, die dann auch eingehalten werden. Soll es eine ganz einseitige Verteilung sein – einer engagiert sich stark im Job, der andere arbeitet nur in Teilzeit oder gar nicht –, muss das ebenso respektiert werden, solange es beide wollen.

 

Zur vergangenen Kolumne: Karriere neu denken

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

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