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Karriere neu denken: Für jede Lebensphase der richtige Plan

Karriere neu denken: Für jede Lebensphase der richtige Plan Attila Albert

Vom Einstieg bis zur Rente verändern sich Ziele und Prioritäten. Karrierecoach Attila Albert zeigt, warum es sinnvoll ist, die eigene Laufbahn immer wieder neu auszurichten.

Berlin – Als junger Reporter hatte ich einen Redaktionsleiter, der für mich zu einem wichtigen Mentor und Förderer wurde, später auch zu einem Freund. Wir blieben in Kontakt, als sich unsere beruflichen Wege trennten – und auch, als er in Rente ging. Inzwischen ist er 91 Jahre alt, und als ich ihn kürzlich mehrere Tage lang telefonisch nicht erreichte, machte ich mir doch Sorgen. Schließlich nahm er den Hörer ab, klang erschöpft und sagte: „Es geht mir nicht gut.“ Ich hielt den Atem an, nur um zu hören: „Wir waren wieder mit Freunden unterwegs und haben gefeiert, Frauen waren auch dabei. Ich glaube, ich werde langsam zu alt dafür.“

 

Dass er dieses Alter überhaupt erreicht hat, noch dazu bei recht guter Gesundheit, ist für ihn nicht nur als Kriegskind die größte Überraschung. Er gehörte noch zu einer Generation von Journalisten, deren Lebensstil – viel Stress, gesundheitliche Vernachlässigung, Alkohol und Zigaretten – vielfach dazu führte, dass sie früh alterten oder sogar vorzeitig starben. Aber im Leben kommt es generell häufig anders, als man es erwartet und sich vorgestellt hat. Was einem einmal wichtig war, spielt plötzlich keine Rolle mehr, dafür hat man nun neue Prioritäten und Ziele. Es lohnt sich daher, in jeder Lebensphase gelegentlich innezuhalten: Wo stehe ich, wo will ich hin? Dazu einige Empfehlungen im beruflichen Kontext.

 

Berufseinsteiger: Pragmatisch beginnen

Der erste Einstieg ist für Berufsanfänger häufig eine doppelte Herausforderung. Einerseits sind die Angebote knapp und teilweise wenig attraktiv (unbezahlte Praktika, gering bezahlte Volontariate bei hohen Lebenshaltungskosten, befristete Verträge). Andererseits wollen sie nichts falsch machen und zögern deswegen oft, Chancen zu ergreifen, wenn sie nicht ganz ihren Vorstellungen entsprechen. Empfehlung: eine Mischung aus Pragmatismus und langfristiger Zielstrebigkeit; das heißt, auch nicht ganz perfekte Gelegenheiten nutzen, aber durch regelmäßige Standortbestimmung (z. B. mit einem Mentor oder Coach) schrittweise mehr persönliche Klarheit finden und alle zwei bis drei Jahre wechseln, um sich zu verbessern.

 

Anfang bis Mitte 30: Entscheidung für den Aufstieg

Die Entscheidung für eine Fach- oder Führungskarriere muss heute relativ früh erfolgen, da diese Stellen an Jüngere als früher vergeben werden. Nach dem Abschluss von Studium und Volontariat braucht es daher recht schnell Klarheit und eine Entscheidung, wie wichtig einem der berufliche und finanzielle Aufstieg ist und was zu einem passen würde. Auch wenn der Arbeitgeber seine Programme zur Potenzialentwicklung hat, sollte man sich nicht darauf verlassen. Empfehlung: persönliche Flexibilität – noch nicht verheiratet, noch keine Kinder – dafür nutzen, um sich auszuprobieren und auch Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen, etwa ein Arbeitsangebot an einem Ort, an den man sonst nicht ziehen würde.

 

Mitte 30 bis Mitte 40: Neuen Mut aufbringen

Das mittlere Lebensalter – und darum handelt es sich hier bereits, wenn man die mittlere Lebenserwartung ansetzt – empfinden viele als anstrengend und widersprüchlich. So heiraten viele heute erst in diesem Alter und haben das erste Kind, müssen deswegen erneut umziehen und versuchen parallel, sich beruflich zu etablieren. Gleichzeitig schleicht sich eine erste Ernüchterung ein; vieles hat sich nicht so entwickelt, wie man es sich einmal vorgestellt hatte. Empfehlung: flexibel bleiben, um berufliche Chancen nutzen zu können, auch wenn Veränderungen nun schwieriger sind (weil z. B. nun auch ein Partner und Kinder betroffen sind). Aber wer mutig und konsequent ist, kann gerade jetzt viel erreichen.

 

Mitte 40 bis Anfang 50: Neue Standortbestimmung

In diesem Alter hat man sich weitgehend etabliert und muss gleichzeitig oft mit unerwarteten privaten Herausforderungen umgehen (z. B. Scheidung, Erkrankung, pflegebedürftige Angehörige). Hier liegt eine Versuchung darin, beruflich nichts mehr verändern zu wollen, so lange es im Job zumindest halbwegs läuft. Darunter leiden langfristig aber Motivation und Leistung; man fällt unmerklich zurück, während die Jüngeren nachrücken. Empfehlung: Zurückhaltung bei den Konsumausgaben (z. B. Reisen), dafür regelmäßige Investitionen in die persönliche Standortbestimmung (z. B. Workshops zur Selbstreflexion, Karriereberatung) und darauf aufbauende Weiterbildungen, die zu den veränderten Lebenszielen passen.

 

Mitte 50 bis Anfang 60: Neugier und Leidenschaft wiederentdecken

In dieser Lebensphase verlieren viele Berufstätige das, was sie in jungen Jahren einmal ausgemacht hat: Neugier, Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft. Sie haben keine echten Ziele mehr, sondern suchen Auswege (Hobby, Teilzeit, Vorruhestand), werden oft zynisch oder gleichgültig. Aber man sollte wertvolle Lebensjahre nicht vor allem mit „Durchhalten und Abwarten“ vergeuden. Empfehlung: sich daran erinnern, dass man in der Regel bis 67 arbeiten muss – und darüber hinaus etwas tun kann, das einen erfüllt und aktiv hält sowie ein Zusatzeinkommen bringt. Die Verantwortung für erwachsene Kinder schrittweise abgeben und darauf konzentrieren, die eigene nächste Lebensphase aktiv zu gestalten.

 

Ab Mitte 60: Produktiv bleiben, nun nach eigenen Wünschen

Wenn die vorgezogene oder reguläre Rente erreicht ist, muss man im Normalfall nicht mehr arbeiten – aber man kann. Jetzt bietet sich die Chance, Projekte anzugehen, für die vorher keine Zeit war oder die für sich allein finanziell zu wenig eingebracht hätten. Nun aber geht es um interessante, anregende und erfüllende Aufgaben, die einen in Bewegung halten und idealerweise noch Geld einbringen. Empfehlung: weiterleben, als stünde man noch regulär im Berufsleben – mit reduzierter Arbeitszeit (z. B. 60 Prozent), aber mit geplanten Arbeits- und Ferienzeiten, Treffen mit Branchenkollegen, gelegentlichen Weiterbildungen. Das verhindert einen schnellen Abbau der bisherigen Fähigkeiten und lässt das Leben interessant bleiben.

 

Zur vergangenen Kolumne: Fehlerkultur im Job

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

 

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