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Konflikte am Arbeitsplatz: Wie Journalisten ihre Interessen durchsetzen

Konflikte am Arbeitsplatz: Wie Journalisten ihre Interessen durchsetzen Attila Albert

Karrierecoach Attila Albert erklärt, warum emotionale Appelle oft nicht weiterhelfen und wie Medienprofis konstruktive Lösungen erreichen können.

Berlin – Wer sich mit jemandem auseinandersetzen muss, mit dem er eng verbunden ist, zu einem gewissen Grad sogar abhängig, wird sich damit immer schwertun. Das gilt bei Beziehungskonflikten aller Art, damit auch den beruflichen. Zum Beispiel: Dem Chef sagen, dass man keine weiteren Aufgaben annehmen kann, mit der Arbeitsorganisation oder einer vertraglichen Rückstufung nicht einverstanden ist. Um sich in solchen Fällen zu behaupten, muss man offene Worte wählen und Grenzen setzen. Gleichzeitig will man keine Eskalation riskieren, die zu einem Ende der Beziehung führen kann (Abmahnung, Kündigung).

 

Viele Betroffene fürchten diese Konfrontation, ebenso einen Gesichtsverlust, falls sie mit ihrem Anliegen nicht durchdringen. Auch die notwendige Balance zwischen Härte und Verbindlichkeit – eine Verbesserung durchsetzen, ohne dafür die ganze Beziehung zu gefährden – trauen sie sich nicht zu. Häufig wollen sie sich dem dann entziehen, indem sie auf die Ebene der Bedürftigkeit ausweichen: Sie argumentieren damit, dass sie sich „nicht gut fühlen“, „auf ihre Gesundheit achten“ müssten, „wegen einer privaten Angelegenheit schon genug belastet“ seien. Das sollte, aus ihrer Sicht, schon für sich sprechen.

 

Flucht ins Emotionale oder Moralische

Der Appell an das Mitleid und die Rücksichtnahme des Gegenübers, verbunden auch mit dem unausgesprochenen Vorwurf übergroßer Härte, kann funktionieren. Arbeitgeber sind heute sensibler, was die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter angeht (Stichworte: mentale Gesundheit, Achtsamkeit), und müssen sich daher an ihren selbst erklärten Maßstäben messen lassen. Gleichzeitig ist dieses Vorgehen ein Zeichen von Schwäche: Man muss eine Sachfrage klären, flüchtet sich aber ins Emotionale und Moralische. Wer an jemanden gerät, der darauf nicht anspricht bzw. dem das gleichgültig ist, läuft damit komplett auf.

 

Die Flucht in die Krankschreibung ist die verschärfte Form dieser Vermeidungstaktik. Psychische Erkrankungen wie Depressionen waren auch im 1. Halbjahr 2026 der häufigste Grund für Krankschreibungen in Deutschland und haben erneut zugenommen. Eine frühere Studie dazu hat ergeben: 85 Prozent aller Krankschreibungen wegen psychischer Probleme sind aus medizinischer Sicht leichte Fälle und betreffen nur die Arbeit mit keiner Beeinträchtigung anderer Lebensbereiche. 57 Prozent sind direkt „Konflikten, Kränkungen oder Frustrationen“ am aktuellen Arbeitsplatz zuzurechnen.

 

Beziehungen verändern, nicht immer gleich beenden

Das Nachjustieren bzw. Neuverhandeln einer bestehenden Beziehung – in diesem Fall eines Arbeitsverhältnisses – gehört zu den kommunikativen Grundkompetenzen. Regelmäßig muss man etwas ansprechen und Veränderungen durchsetzen, wenn einem etwas in einer Beziehung nicht (mehr) passt, ohne sie immer gleich beenden zu können oder zu wollen. Es ist daher sinnvoll, damit verbundene Hemmungen und Ängste abzulegen, sich bei Bedarf beraten zu lassen und sich zielführende Argumente und Gesprächstaktiken anzueignen (ausführlich dazu in meinem Ratgeber „Ich mach da nicht mehr mit“).

 

Wer damit beginnt, ist oft erstaunt, wie gestaltbar Beziehungen sein können. Im beruflichen Kontext: Stellenprofile und Aufgabenbereiche lassen sich anpassen, die Beziehung zum Vorgesetzten und den Kollegen ist wandelbar, auch interne Rotationen oder Versetzungen sind üblich (z. B. in ein anderes Ressort oder sogar zu einem anderen Medium im Unternehmen, wenn vorhanden, sogar in eine Tochtergesellschaft bzw. ein Büro im Ausland). Jedes davon ist sachlich diskutierbar und stellt keine überzogene Forderung dar, sondern geschieht immer wieder, kann also auch von einem selbst genutzt werden.

 

Ständiges Beschweren oder Nörgeln ist zu wenig

„Wer geschmiert werden will, muss quietschen“, drückt als Redewendung aus, dass man Schwierigkeiten äußern muss, um Abhilfe zu bekommen. Das bedeutet aber nicht: Ständiges Beschweren und Nörgeln in der Erwartung, dass andere daran erkennen doch müssten, was einen belastet und was man sich wünscht. Konflikte, die nicht selten nur einseitig empfunden werden, müssen klar, aber sachlich angesprochen und erklärt werden – idealerweise mit einem konstruktiven, versöhnlichen Lösungsvorschlag. Das garantiert nicht, dass er angenommen wird, erhöht aber die Chancen darauf.

 

Berufstätige, die offen für sich einstehen, ohne es zu übertreiben (z. B. das Gehalt mehrmals jährlich nachverhandeln wollen), übernehmen Verantwortung. Sie identifizieren ein Problem, das sie betrifft oder berührt, strukturieren es und schlagen angemessen eine Lösung vor. Wer so vorgeht, wird ernst genommen und respektiert. In einer komplexen Organisation mit vielen Abhängigkeiten kann nicht jeder Mitarbeiterwunsch umgesetzt werden, manches erfordert einen externen Wechsel. Aber auch darauf ist man dann bereits vorbereitet: Man weiß, was man erreichen will und wie man dafür vorgehen muss.

 

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Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

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