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Weniger Geld von der VG Wort: Wie Journalisten zusätzliche Einnahmen erzielen können

Weniger Geld von der VG Wort: Wie Journalisten zusätzliche Einnahmen erzielen können Attila Albert

Die Ausschüttungen der VG Wort sind deutlich gesunken. Auch künftig dürften die Zahlungen niedriger ausfallen. Karrierecoach Attila Albert erklärt, wie sich Medienprofis zusätzliche Einnahmequellen erschließen können.

Berlin – Die Sommer- und Herbstausschüttungen der VG Wort sind für diejenigen Journalisten, die sich dafür angemeldet haben, zweimal jährlich willkommene Zusatzeinnahmen. Ebenso freuen sich Journalisten in Österreich über die Ausschüttungen von Literar-Mechana bzw. in der Schweiz von ProLitteris. Zwar können nur die wenigsten im Detail nachvollziehen, wie die Beträge zustande kommen. Aber wenn eine drei- bis vierstellige Gutschrift auf dem Konto auftaucht, für die man selbst nur wenig tun musste, lindert das für manche vorhandene finanzielle Sorgen und erlaubt anderen, sich Extrawünsche zu erfüllen.

 

Allerdings sind die Ausschüttungen in diesem Jahr deutlich gesunken, was vielerlei Gründe hat: Gesunkene Einnahmen und aufgebrauchte Reserven der VG Wort, mehr Berechtigte (z. B. auch Autoren von Büchern im Eigenverlag, Blogger) sowie niedrigere Ausschüttungen pro Text (ausführlich dazu hier). Dadurch kommt bei vielen Journalisten jetzt nur noch ein Bruchteil der Summe an, die sie bisher gewohnt waren und deswegen erwartet und nicht selten sogar schon insgeheim verplant hatten. Doch es ist davon auszugehen, dass es zukünftig bei Ausschüttungen nur noch in diesem Bereich bleiben wird.

 

Steigende Lebenshaltungskosten auffangen

Wer Zusatzeinnahmen braucht oder sich wünscht, ist daher gut beraten, eigene Aktivitäten in diese Richtung zu planen und anzugehen. Das hat den Vorteil, dass man sie sich über das Jahr verteilen und selbst steuern kann, man also nicht nach der Meldung an die VG Wort lange im Unklaren ist und abwarten muss, was wohl Anfang Juli und Anfang Oktober überwiesen werden wird. Außerdem lässt sich schon mit ein, zwei eigenen Projekten so viel einnehmen, wie die VG Wort im gesamten Jahr zahlt. Das hilft auch, den ständig steigenden Lebenshaltungskosten (Inflation wieder über 3 %) zu begegnen.

 

Viele Medienprofis, mit denen ich im Coaching spreche, haben bereits recht realistische Ideen, wie sie sich etwas dazuverdienen könnten. Sie müssen nicht einmal originell sein: Journalistische Beiträge für andere Medien oder PR-Texte schreiben, Vorträge, Beratungen und Workshops (z. B. zu Textqualität, Kommunikation) anbieten, eigenen Content vermarkten (z. B. bezahlter Newsletter, Podcast oder Vodcast mit Anzeigen oder Sponsoren) oder Veranstaltungen moderieren. Hier braucht es im Normalfall weder besondere Vorkenntnisse noch eine teure Ausrüstung, Laptop und Handy reichen meist.

 

Leicht verständlicher Katalog der eigenen Dienstleistungen

Eine häufige Herausforderung ist für Journalisten, ihre Idee in konkrete Dienstleistungen (z. B. Erstellen einer Pressemitteilung oder PR-Mappe, Leitung eines halb- oder ganztägigen Workshops) zu überführen, die sie ohne umständliche Erklärungen vorschlagen können – inklusive benötigter Arbeitsstunden und Preis. Hier braucht es einen übersichtlichen, leicht verständlichen Katalog der eigenen Dienstleistungen mit einem realistischen Stunden- und Preisansatz. Wer bisher nur rein redaktionell gearbeitet hat, vergisst dabei oft, dass ein Zeitaufwand von normalerweise 40 % für Kommunikation und Organisation (Projektmanagement) aufgeschlagen und vom Kunden bezahlt werden muss.

 

All das sind Vorbereitungsarbeiten, aber entscheidend ist, dass konkrete Angebote und danach Lieferungen nach draußen gehen: Potenzielle Kunden also E-Mails mit einer Selbstvorstellung (eventuell mit PDF-Flyer im Anhang) und der Bitte um ein Gespräch erhalten, dass danach individuelle Angebote für Dienstleistungen inklusive Preisvorschlag versendet werden und, sobald man sich einig ist, der Auftrag umgesetzt und abgerechnet wird. Niemand sollte also ewig über eine gute, wenn auch noch nicht perfekte Idee nachdenken, aber wochen- oder monatelang mit niemandem dazu interagieren.

 

Rechtliche Fragen klären, aber schon mit der Akquise beginnen

In der Vorbereitungsphase sind auch rechtliche Fragen zu prüfen, was Nebentätigkeiten (Angestellte) bzw. Konkurrenzverbote (Freie) angeht. Hierbei sollte aber jedem klar sein, dass bestehende vertragliche Regelungen nicht für alle Ewigkeit bestehen müssen, sondern diskutiert und neu ausgehandelt werden können. Mittelfristig muss sich also niemand von seinem Chef oder von bestehenden Kunden bremsen lassen. Ist die Nebentätigkeit erfolgreich angelaufen, zudem eventuell interessanter und finanziell einträglicher als die Haupttätigkeit, ist eine Reduzierung der Arbeitszeit (Teilzeit) häufig der nächste Schritt.

 

Die anfänglich normale Angst vor Akquise – potentielle Interessenten ansprechen und ihnen ein Angebot unterbreiten – sollte niemanden aufhalten. Sie lässt sich durch verschiedene Tricks überwinden. Bald macht es sogar Freude, interessante neue Menschen und Unternehmen kennenzulernen und sich über mögliche Projekte auszutauschen, auch wenn nicht jede Interaktion sofort zu einem Auftrag führt. Das gehört dazu und schafft auf Dauer ein Netzwerk aus aktuellen und zukünftig möglichen Kunden, bald auch zu Weiterempfehlungen und Anfragen, die man gar nicht mehr selbst anstoßen musste.

 

Zur vergangenen Kolumne: Regelmäßige Bewerbungen

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

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