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Wie Medienprofis sich in der Lebensmitte umorientieren

Wie Medienprofis sich in der Lebensmitte umorientieren Attila Albert (Foto: T. Ramsey)

Berufliche Veränderungen im mittleren oder höheren Lebensalter sind heute eine Normalität, wenn auch nicht immer freiwillig gewählt. Für die Betroffenen sind sie dabei in jedem Fall die Chance, sich insgesamt neu aufzustellen. Empfehlungen dazu von Karrierecoach Attila Albert.

Wer in der Vergangenheit von einem der größeren Medienunternehmen angestellt wurde, konnte im Normalfall davon ausgehen, bei Interesse bis zur Rente bleiben zu können. Noch heute gibt es Medienprofis, die seit mehreren Jahrzehnten für denselben Arbeitgeber tätig sind. Doch ihre Zahl ist deutlich gesunken und nimmt ständig weiter ab (u.a. durch die wiederkehrenden Abfindungsprogramme speziell für langjährige Mitarbeiter). Berufliche Veränderungen im mittleren oder höheren Lebensalter, selbst gewählt oder nicht freiwillig, sind heute eine Normalität. Für die Betroffenen sind sie Risiko und Chance zugleich.

 

Einige Medienprofis setzen sich in dieser Situation das Ziel, möglichst schnell eine ähnliche Stelle wie die bisherige zu finden, nur eben in einem anderen Unternehmen. Das stellt sich häufig als schwieriger als gedacht heraus, da sie nun mit deutlich Jüngeren konkurrieren, die zudem oft zeitgemäßere Abschlüsse und Erfahrungen vorweisen können (z. B. digitales Produktmanagement, Audio- und Videoformate, Gestaltung von redaktionellen Prozessen). Andere begreifen diesen Einschnitt als den passenden Zeitpunkt, ihren generellen bisherigen Lebensentwurf zu überdenken und an die heutigen Situation anzupassen.

 

Einerseits bezieht sich das auf die äußeren Umstände: Medienbranche, Arbeitsmarkt, persönliche Lebenssituation (z. B. notwendig gewordene Pflege von Angehörigen, Kinder inzwischen aus dem Haus). Andererseits hat sich auch die innere Verfassung geändert: Die persönlichen Ziele, Werte und Wünsche sind anders als vor zehn oder zwanzig Jahren, und man spürt ab der Lebensmitte, dass die verbleibende Zeit wertvoller wird. Diese empfundene Dringlichkeit kann dazu motivieren, mutigere Entscheidungen zu treffen, sie konsequenter umzusetzen und sich dabei weniger an anderen zu orientieren.

 

Gelegentlich erwägen Medienprofis in dieser Lage sehr weitreichende Veränderungen: Ein Restaurant, einen Friseursalon, eine Therapiepraxis, eine Werkstatt für Möbelrestaurierung oder einen privaten Kindergarten eröffnen, ins Ausland ziehen und dort als Surf-, Yoga- oder Meditationslehrer, Schriftsteller oder Korrespondent arbeiten – all dieser Wünsche habe ich schon gehört. Es ist wichtig, solch einen Lebenstraum, soweit vorhanden, einmal genauer zu durchdenken und zu prüfen. Vieles lässt sich auch noch in der Lebensmitte umsetzen, wenn man die dafür nötige Entschlusskraft und Konsequenz aufbringen kann. 

 

Üblicher sind jedoch graduelle Veränderungen, oft mit Zwischenschritten. Das hat viel mit der Persönlichkeit der Betroffenen zu tun. Wer jahrzehntelang beim selben Arbeitgeber und immer angestellt war, schätzt offensichtlich Sicherheit, Stabilität und Loyalität und hat wohl auch eine gewisse Risikoscheu und Bequemlichkeit („Komfortzone“). Dafür muss man sich nicht schämen oder versuchen, nun ein ganz anderer Mensch zu werden. Der beste Weg liegt, wie so oft, in der Mitte: Sich insgesamt annehmen, wie man nun eben einmal ist, dabei aber auch ausgewählte Herausforderungen angehen.

 

Manchmal läuft solch eine Neuorientierung im Zickzack ab. Beispiel: Als Journalist in die PR gehen, in der Presseabteilung oder Agentur feststellen, dass es für einen doch nichts ist, und zurück in eine Redaktion wechseln. Das ist kein „Fehler“ oder „Irrtum“, sondern eine wertvolle Lernerfahrung. Man hat etwas Neues ausprobiert und kennengelernt, auch über sich selbst. Nicht wenige langjährige Angestellte, die in der Vergangenheit immer gezögert und nie etwas gewagt haben, werden dabei erstaunlich mutig und konsequent, wechseln gleich mehrfach nacheinander, manchmal noch in der Probezeit.

 

Entscheidend für die Neuorientierung in der Lebensmitte ist, seine Zukunft ganzheitlich zu planen, also neben der Arbeit auch alle anderen Lebensbereiche (z. B. Wohnort, Freunde, Freizeit) einzubeziehen. So lassen sich oft gleich mehrere überfällige Veränderungen gleichzeitig umsetzen, vielfach bedingen und fördern sie einander sogar. Persönliche Vorbilder und professionelle Begleiter (z. B. Mentor, Coach, Gründungsberater) helfen dabei, daran zu glauben, dass der Wechsel wirklich möglich ist, und während der manchmal nicht einfachen Planung und Umsetzung das neue Ziel nicht mehr aus den Augen zu verlieren.

 

 

Zur vergangenen Kolumne: Berufliche Zukunft nicht aufschieben

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

 

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