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„Man sollte Longevity nicht nur als Zukunftsinvestment betrachten“

„Man sollte Longevity nicht nur als Zukunftsinvestment betrachten“ Felix Bertram und Natalja Fischer (Foto: Funke)

Wie schaffen wir es, 100 Jahre und älter zu werden und dabei gesund und aktiv zu bleiben? Ein lohnendes journalistisches Thema. Auch als Podcast. Insights von Natalja Fischer und Longevity-Experte Felix Bertram.

Welche Rolle spielen Ernährung, Sport und andere Faktoren? Welche Nahrungsergänzungsmittel sind tatsächlich sinnvoll? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Podcast „Länger Leben“ der FUNKE Zentralredaktion. Die beiden Hosts, Redakteurin Natalja Fischer und Longevity-Experte Felix Bertram, sprechen darüber, was sie zu diesem Thema gebracht hat, was sie selbst für ein gesundes, langes Leben tun – und warum es nie zu spät ist, den Schalter umzulegen.

Woher kommt eigentlich der Begriff „Longevity“?
Felix: Der Begriff „Longevity" leitet sich aus dem Lateinischen ab, und zwar aus „longus" (lang) und „Vita" (das Leben). Daraus entstand „longaevitas" (langes Leben). Aus dem Englischen übersetzt bedeutet das Wort „Langlebigkeit".

Wie seid ihr beide zum Thema Longevity gekommen? Was bedeutet Longevity für euch persönlich?
Felix: Mit 49 Jahren habe ich einen Test gemacht, der ergab, dass mein biologisches Alter bei 74 Jahren lag. Das war ein Schock. Ich habe mein Leben daraufhin konsequent umgestellt – und es ist mir gelungen, diesen Wert innerhalb von nur zwei Jahren deutlich zu senken, auf heute 50 Jahre. Damit bin ich biologisch sogar ein Jahr jünger als mein chronologisches Alter. Für mich geht es bei Longevity aber nicht nur darum, länger zu leben, sondern vor allem länger gesund zu leben. Fakt ist, dass wir unsere letzte Lebensdekade häufig gebrechlich, mit chronischen Erkrankungen und leidend verbringen. Das können wir mit der richtigen Lebensweise verhindern.
Natalja: Viele denken beim Schlagwort Longevity an Menschen wie den amerikanischen Tech-Unternehmer Bryan Johnson, die ihr Leben einem Gesundheitsdiktat unterwerfen, strenge Diäten pflegen, viele Pillen schlucken und teure Behandlungen über sich ergehen lassen, um möglichst lange zu leben. Das erweckt den Eindruck, Longevity sei vor allem etwas für Reiche, Privilegierte und Asketen. Das Gegenteil ist der Fall. Wir alle wünschen uns eine möglichst lange und vor allem gesunde und selbstbestimmte Lebenszeit – ohne Krankheit und Leid. Und die wirksamsten Hebel, um das zu erreichen, sind weder teuer noch dogmatisch, sondern verblüffend einfach.

Was kann wirklich jede und jeder tun, um die gesunde Lebenszeit zu verlängern?
Felix: 80 Prozent der Maßnahmen gelten für jeden Menschen und für alle Geschlechter. Im Kern geht es um guten Schlaf, Stressregulation, Bewegung und eine frische, pflanzenbasierte und eiweißhaltige Ernährung. Die anderen 20 Prozent sind dann auf individuelle Risikoprofile und das jeweilige Geschlecht abzustimmen.
Natalja: Mit den vier Säulen, die Felix angesprochen hat, kann jeder seine Gesundheitsspanne und Lebenszeit um Jahre verlängern. Das ist wissenschaftlich belegt. Umgekehrt sollte den meisten klar sein: Faktoren wie Zigaretten und Alkohol verkürzen statistisch gesehen die Lebenszeit. Wie Männer und Frauen unterschiedlich altern, haben wir übrigens in einer eigenen Folge beleuchtet, die sich sehr lohnt!

Welche verbreitete Vorstellung über gesundes Altern haltet ihr für falsch?
Felix: Der Glaube, dass es „Abkürzungen" gibt. Viele denken, sie könnten mit Nahrungsergänzungsmitteln, Peptiden oder irgendwelchen „Entgiftungskuren" ihre Gesundheit und Lebensspanne beeinflussen.
Natalja: Da stimme ich Felix hundertprozentig zu. Vitamininfusionen, Eisbäder, Infrarotsaunen und Co. sind kaum etwas wert, wenn die gesunde Basis fehlt: Sport, gesunde Ernährung, guter Schlaf und möglichst wenig Stress – und das langfristig.

Was sind die größten „Feinde“ eines langen, erfüllten Lebens?
Felix: Schlafmangel, Stress, Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Einsamkeit.
Natalja: Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung würde ich noch ergänzen.

Ab welchem Alter sollte man anfangen, sich ernsthaft mit Longevity zu beschäftigen? Oder ist der Zug irgendwann abgefahren?
Felix: So früh wie möglich – aber es ist nie zu spät. Man sollte Longevity auch nicht nur als Zukunftsinvestment betrachten, sondern als eine Verbesserung der Lebensqualität im Hier und Jetzt. Ich fühle mich wacher, lebendiger, energiereicher und zufriedener.
Natalja: Es lohnt sich in jedem Alter. Analysen zeigen, dass Menschen, die erst im Seniorenalter den Lebensstil anpassen, ihre Lebenserwartung verlängern – und vor allem die Lebensqualität steigern.

Welche Rolle spielt mentale Gesundheit für ein langes Leben?
Felix: Eine absolut entscheidende. Ein eindrückliches Beispiel: Einsamkeit hat denselben negativen Effekt wie der Konsum von 15 Zigaretten pro Tag. Gute Beziehungen und Gemeinschaft verlängern nachweislich das Leben.
Natalja: Auch chronischer Stress beschleunigt nachweislich den Alterungsprozess. Dazu haben wir ebenfalls eine Folge aufgenommen.

Was würdet ihr jemandem sagen, der sich in der Welt zahlreicher Gesundheitstipps überfordert fühlt?
Felix: Ich würde der Person sagen, dass ich sie absolut verstehe …
Natalja: … aber wenn man einmal verstanden hat, was wirklich wichtig ist, dann ist es eigentlich gar nicht so kompliziert.

Gibt es etwas, das ihr in eurem eigenen Leben nach euren Recherchen oder Erfahrungen verändert habt?
Felix: In meinem Fall ganz viel! Schlaf und Stressregulation sowie Sport haben heute höchste Priorität. Und ich habe gelernt „Nein“ zu sagen und habe Dinge aus meinem Leben entfernt. So entsteht neuer Raum, den ich nun sinnvoll nutzen kann. Mein Leben hat sich entschleunigt und fühlt sich richtig gut an.
Natalja: Ein gesunder Lebensstil war mir bereits vorher wichtig, aber seit wir den Podcast machen, achte ich noch stärker auf meine Ernährung. Alkohol trinke ich nur noch zu besonderen Anlässen und nicht mehr einfach so. Und ich nehme Kreatin.

Wie ist eigentlich die Idee zum Podcast entstanden?
Felix: Es ist tatsächlich ein Problem, dass inzwischen jeder und jede etwas zum Thema zu sagen hat und so – auch über Social Media – eine „Wolke" aus oft unqualifizierten, unwissenschaftlichen und teilweise gefährlichen Informationen entsteht. Dem wollten wir etwas entgegensetzen.
Natalja: Vor dem Podcast hatten wir bereits ein Interview mit Felix veröffentlicht, das tagelang der meistgelesene Artikel auf unseren Seiten war. Das Interesse am Thema Longevity ist immens – und mit Felix haben wir jemanden, der nicht nur die medizinischen Hintergründe erklärt, sondern auch selbst erprobt hat, was er empfiehlt. Der Podcast war die logische Konsequenz.

Warum sollte man unbedingt diesen Podcast hören?
Felix: Weil wir in einer knappen halben Stunde ein Thema sauber aufbereiten. Einerseits die aktuelle wissenschaftliche Datenlage und andererseits meine persönliche Erfahrung. Zudem wollen wir Longevity einfach zugänglich machen: Es soll unkompliziert in den Alltag integrierbar sein.
Natalja: Man lernt wirklich viel darüber, was man für ein langes und gesundes Leben selbst tun kann – und bekommt viele praktische Tipps, die man sofort umsetzen kann. Felix erklärt auch komplizierte Zusammenhänge sehr verständlich und teilt seine persönlichen Erfahrungen. Das macht das Thema greifbar und motiviert dazu, selbst etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
Wie läuft eine „typische“ Produktion einer Folge ab?
Natalja: Wir stimmen die Themen für die Folgen ab und lesen uns in die aktuelle Studienlage ein. Die Aufnahmen finden dann im Studio in der FUNKE Zentralredaktion in Berlin statt.

Was erwartet Hörerinnen und Hörer in den Sommerfolgen?
Natalja: Wir haben im Podcast und auf Instagram einen Aufruf gestartet, bei dem Hörerinnen und Hörer Fragen einreichen konnten. Diese werden Felix und ich in unseren Sommerfolgen beantworten. Es werden mehrere kürzere Folgen sein. Ab August startet dann die neue Staffel mit neuen Folgen von „Länger Leben".


Wenn ihr euch wünscht, dass Hörerinnen und Hörer nur eine Sache aus eurem Podcast mitnehmen: Welche wäre das?
Felix: Dass Longevity nicht zu einem weiteren Stressfaktor werden soll, sondern sich spielerisch und mit Freude im Alltag integrieren lässt.
Natalja: Dass Longevity weder teuer noch kompliziert ist.

Interessierte können den Podcast auf den FUNKE-Portalen hören und natürlich über Portale wie spotify und andere.

Über das Podcast-Team:


Natalja Fischer ist Redakteurin im Ressort Leben in der FUNKE Zentralredaktion in Berlin. Ihre Schwerpunkte sind Gesundheit, Ernährung und Psychologie. Natalja hat Kultur- und Medienwissenschaften studiert und schrieb zuvor für „Gala“ und „Brigitte“ über Ratgeber-Themen.

Dr. Felix Bertram ist Mediziner, Unternehmer und bekannt als Juror aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen Schweiz“. Nach einem Test seines biologischen Alters befasste er sich intensiv mit der Longevity-Forschung, die darauf abzielt, altersbedingte Krankheiten zu verhindern und ein aktives, gesundes Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Seine Recherchen und Erkenntnisse hat er in seinem Buch „Hacking Age“ festgehalten (Gräfe und Unzer Verlag, 2025).