Journalismus
B.Ü.

Podcast-Experte Henning Bulka: "Keine Angst vor Audio"

Podcast-Experte Henning Bulka: "Keine Angst vor Audio" Henning Bulka

Auf der Suche nach neuen Zielgruppen versuchen sich immer mehr Verlagshäuser mit der Produktion von Podcasts. Denn: "Wer nicht lesen will, kann hören". Von Franziska Holzschuh.

Nürnberg - Beim 24. Forum Lokaljournalismus der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit den Nürnberger Nachrichten vom 20. bis 22. Juni in Nürnberg berichtet Henning Bulka, Audience-Engagement-Redakteur bei RP online (Rheinische Post), über erfolgreiche Audiostrategien für Medienmacher.

 

Im Interview mit Franziska Holzschuh, Stellvertretende Leiterin Newsdesk der Nürnberger Nachrichten, präsentiert er erfolgreiche Formate und erklärt, wie Alexa und Co. unsere Mediennutzung verändern werden.


Medienhäuser machen Print und Online, viele gehen Richtung Video. Warum muss Audio  auch noch sein?
 
Henning Bulka: Es gibt viele Situationen, in denen Leute weder lesen noch schauen aber hören können – ob es beim Joggen oder beim Abwaschen ist. Deshalb lohnt es sich für Verlage, bei Audio aktiv zu sein. Immerhin haben Zeitungen – gerade im Lokaljournalismus – große Kompetenz. Es existiert Wissen, das teilweise über Jahrzehnte angesammelt wurde, das ist Gold für ausführliche Hörstücke. 

 

Diverse Medienhäuser machen nun Podcasts – was müssen sie bieten? 


Henning Bulka: Ich muss als Produzent vor allem wissen, für wen mache ich das und wer soll der Hörer genau sein? Je spezifischer die Zielgruppe ist, desto besser funktioniert das Format. Also: Bürger einer bestimmten Stadt oder Fans eines Fußballclubs. Je genauer man weiß, welche Frage man stellt und in welcher Situation man die Hörer abholen will, desto eher kann man einschätzen, ob sich ein Podcast lohnt. 

 

Ist das ein Plädoyer für viele unterschiedliche Formate, die ein Haus anbieten sollte? 

 

Henning Bulka: Ich bin kein großer Fan von thematischen Sammelbecken, wobei es manchmal Sinn macht. Unser Aufwacher-Podcast — übrigens einer von sechs Podcasts aus unserem Haus –  ist ein Sammelbecken, aber wir haben eine ganz konkrete Hörsituation vor Augen: Morgens, wenn die Leute aufwachen, sollen sie in zehn Minuten erfahren, was sie über Nacht verpasst haben und was am Tag wichtig wird. Das Ziel ist ziemlich konkret. Bei anderen Podcasts von uns geht es genau um ein Thema: unser "Fohlenfutter" etwa dreht sich um Borussia Mönchengladbach. 

 

Alexa und Echo ziehen in immer mehr Haushalten ein – wie werden die den Markt verändern? 

 

Henning Bulka: Ich glaube nicht, dass man Alexa morgens bitten wird, die Zeitung vorzulesen. Wichtig wird  die Personalisierung: Wie gut versteht ein Sprachassistent, was ich frage? Wie schnell versteht Siri, dass ich Inhalte von meiner Lokalzeitung haben möchte und nicht von einem öffentlich-rechtlichen Medium, das überregional berichtet? Es wird  eine Kombination aus Inhalten sein, die von Alexa oder Siri vorgelesen werden und Inhalten, die vom Verlag eigens für Audio produziert worden sind, wie Podcasts.

 

Wird die Zeitung so zum Konkurrenz für die Radiostation?

 

Henning Bulka: Ich glaube nicht, dass ein Verdrängungseffekt stattfinden wird, denn es sind völlig unterschiedliche Situationen. Wenn ich das Radio anmache, will ich vielleicht Nachrichten hören, sonst aber Musik und nette Moderation. Wenn ich weiß, ich habe Luft für etwas Hirnarbeit, dann höre ich einen intensiveren Podcast. Da gibt es total viel Potential, gerade für kleine Häuser. Denn Audio ist im Vergleich zu Video deutlich einfacher umzusetzen. 

 

Was braucht man? 


Henning Bulka: Eine Schnittsoftware – die gibt es teilweise kostenlos – und Mikrofone. Wir haben zwei Aufnahmegeräte und zwei Headsets. Was sich bei uns gezeigt hat: Es lohnt sich, wenn gerade in der Anfangszeit Kollegen mitmachen, die einen Radiohintergrund haben – einfach, um gewisse Standards bei der Produktion zu setzen. 

 

Gibt es genügend Leute, die einen solchen Podcast überhaupt anhören?
 
Henning Bulka: Unsere Zugriffszahlen wachsen prächtig. Den Aufwacher-Podcast hören täglich 13.000 Menschen, daher ist er auch für Werbekunden interessant.   

 

Was würden Sie einem Verlagshaus raten, das einsteigen will? 

 

Henning Bulka: Ein Podcast sollte regelmäßig erscheinen, doch man sollte sich nicht übernehmen. Ein wöchentlicher Rhythmus ist gut. Man sollte sich einen konkreten Höranlass und eine Zielgruppe aussuchen. Dann gucken, ob man Kollegen mit Radioerfahrung hat. Und: Keine Angst haben, sondern einfach ausprobieren. Man muss die erste Folge ja nicht veröffentlichen.

 

Newsroom.de-Tipp: Der Vortrag von Henning Bulka beim 24. Forum Lokaljournalismus am Freitag, 22. Juni 2018, wird ab 11 Uhr live dokumentiert auf blog.drehscheibe.org/  und auf Twitter #FoLoJo18.

Zur Person: Henning Bulka ist Online- und Hörfunkjournalist und arbeitet als Audience-Engagement-Redakteur bei RP ONLINE mit dem Schwerpunkt Social Media. Hier kümmert er sich um die Bespielung sozialer Kanäle, die Entwicklung neuer Formate und das Scannen der sozialen Netzwerke nach Themen für die redaktionelle Arbeit. Vorher volontierte er bei Antenne Düsseldorf und studierte Anglistik/Amerikanistik und Soziologie in Würzburg und Münster. Neben seiner Arbeit als Journalist ist Henning Bulka als freier Dozent und Webdesigner tätig. (B.Ü.)

Top Meldungen aus Journalismus