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Chefredakteur Hubertus Primus wird neuer Warentest-Chef

Nach 16 Jahren an der Spitze geht Werner Brinkmann zum Jahresende in den Ruhestand.

Berlin (dapd) - Stabwechsel bei der Stiftung Warentest: Nach 16 Jahren an der Spitze geht Werner Brinkmann zum Jahresende in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Hubertus Primus, der bisherige Chefredakteur der Zeitschrift "Test". Im Rückblick hält Brinkmann die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Pharmabranche für das größte Verdienst seiner Amtszeit, wie er im dapd-Interview erklärte.

Bei der ersten Auflage des Handbuchs Medikamente seien mehr als 50 Abmahnungen eingegangen, sagte Brinkmann. "Das war eine Erfahrung, die uns geprägt hat. Wir haben gesagt, wir geben nicht nach und halten das aus." Zum Schluss habe sich die Standhaftigkeit ausgezahlt. Das Buch sei mit nur "ganz kleinen Korrekturen neu erschienen". Die Verbraucherorganisation habe der Branche gezeigt: "Ihr könnt uns so viel abmahnen wie ihr wollt. Wir bleiben bei unserer Darstellung, wenn wir davon überzeugt sind, dass sie richtig ist." Bei den folgenden Auflagen habe es "nur einen Bruchteil der Abmahnungen" gegeben.

Inzwischen seien rechtliche Auseinandersetzungen mit Anbietern von Geldanlagen, die nicht staatlich reguliert werden, am häufigsten. Strittig sei dort vor allem, wie die erwartete Rendite berechnet wird. Vor Gericht gewinne meistens die Stiftung Warentest, sagte Brinkmann. Trotzdem bleibe die Stiftung Warentest häufig auf ihren Prozesskosten sitzen - denn viele Prozessgegner gingen pleite. "Nach der Insolvenz reicht das Geld nicht mehr, um die Prozesskosten zu tragen."

Schnelle Reaktion auf falsche Testergebnisse

Die Stiftung genieße bei Bürgern höchstes Vertrauen, sagte Brinkmann, das liege auch am offenen Umgang mit Fehlern. Falsche Testergebnisse habe die Stiftung Warentest bei einem Vergleich von Riesterrenten-Versicherungen ermittelt. "Wir haben nicht gemerkt, dass unsere Abfrage bei den Versicherern unpräzise formuliert war", erklärte Brinkmann. Weil die Versicherungsunternehmen die Frage unterschiedlich verstanden hätten, seien am Ende auch die Ergebnisse falsch gewesen.

Die Stiftung Warentest habe aber sofort reagiert, den Fehler öffentlich gemacht und das Heft mit den Ergebnissen von den Kiosken zurückgeholt. "Das hat unser Vertrauen nicht angekratzt."

Alleine die Produktuntersuchungen sorgten oft für eine bessere Qualität der Waren. "Die Anbieter kritisieren uns und verbessern gleichzeitig das Produkt", sagte Brinkmann.

Als Beispiel nannte er die Sicherheit von Fußballstadien, die sich nach dem Test zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erhöht habe. Damals hätten vier Spielstätten eine schlechte Bewertung bekommen. "Aber vier Jahre später hatten die Fußballstadien in Südafrika dann das Fluchtkonzept, das wir immer gefordert haben. Mit einer Fluchtmöglichkeit auf das Spielfeld."