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Medienkritik von Steuer-Sündern: Mittelalterliche Schuld-Fragen

Warum Alice Schwarzers Kritik verlogen ist: "Wir brauchen Boten, die auch schlechte Nachrichten überbringen", erklärt Frank Überall. Er fühlt sich in einem Kommentar für Newsroom.de an das Mittelalter erinnert.

Köln - Was waren das früher doch für schöne Zeiten: Hat der reitende Bote eine Nachricht überbracht, die dem Herrschenden nicht gefiel, wurde er schlichtweg umgebracht.

Also, aus dieser Quelle gab es fortan keine Negativ-Informationen mehr zu erwarten.

 

Prof. Dr. Frank Überall lehrt an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Köln/Berlin Journalismus. Als Buchautor hat er sich in mehreren Werken mit dem Zusammenhang zwischen Politik, Ethik und Öffentlichkeit beschäftigt. Foto: Manfred Wegener

 

An diese mittelalterlichen Tugenden scheinen sich zunehmend Prominente unserer Republik zu erinnern. Vor allem Prominente, die vor der furchtbaren Steuer flüchten. Alice Schwarzer und Ulrich Hoeneß haben sich öffentlich vor allem auf die Medien eingeschossen. Die Überbringer der schlechten Nachrichten.

Natürlich wird heute nicht mehr gemordet. Stattdessen wird verbal geteert und gefedert.

Juristische und publizistische Waffen werden gespitzt und gegen die vermeintlich hinterhältige Journalistenmeute gerichtet.

Medien werden angeprangert, als ob sie es gewesen wären, die etwas falsch gemacht haben. Dabei haben sie nur eine Nachricht überbracht. Eine Nachricht freilich, die für Steuersünder wenig erquicklich ist.

Die Kommunikation in einer Krise gehorcht offenbar solchen Gesetzmäßigkeiten. Das sieht man auch beim ADAC, der sich zuerst angriffslustig, dann abwiegelnd, aber nie wirklich transparent gezeigt hat. Schlimm sind immer nur die Medien. Die Hoffnung ist, dass genug öffentliche Aufgeregtheit organisiert wird, um vom eigenen Versagen abzulenken. Das aber darf nicht gelingen. Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das wichtig ist für die Demokratie und das nicht von verärgerten Sünderlein in Frage gestellt werden darf.

Das wäre für unsere Gesellschaft das falsche Signal. Wir brauchen Boten, die auch schlechte Nachrichten überbringen. Das Grundgesetz gibt ihnen heute nicht nur eine Überlebensgarantie, sondern explizit auch eine Arbeitsgrundlage. Nur vor der müssen sich Medienvertreter rechtfertigen. Und nicht angesichts verschrobener Angriffsstrategien von Schwarzer, Hoeneß und Co.

Frank Überall

Ist Alice Schwarzer mit ihrer Kritik am "Spiegel" über das Ziel hinausgeschossen? Ihre Einschätzung gerne per E-Mail an redaktion@newsroom.de.

 

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