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Wortmächtig und wirkungsvoll - Journalist Peter Merseburger wird 80

Mit der Sendereihe «Deutsches aus der anderen Republik» zeichnete Merseburger ein im Westen bisher unbekanntes Bild vom Alltag der DDR.

Berlin (dpa) - Seine Worte lösten immer wieder Streit und Debatten aus. Ob in den 60er und 70er Jahren als Moderator des Magazins «Panorama» oder später als Korrespondent in Ost-Berlin - auf Peter Merseburgers Berichte und Kommentare folgte stets eine - nicht immer sanfte - Gegenreaktion. Vor allem die CDU fühlte sich in den Jahren von Studentenrevolte und sozialliberaler Koalition von Merseburger provoziert und versuchte, ihn vom Bildschirm zu verbannen. Auch als Buchautor löste er Diskussionen aus - zuletzt im vergangenen Jahr mit einer hochgelobten Biografie des «Spiegel»-Gründers Rudolf Augstein. Peter Merseburger, der am 9. Mai 80 Jahre alt wird, gehört mit seiner markanten Bildschirmpräsenz zu der immer selteneren Spezies wirkungsmächtiger und wortstarker Journalisten.

Dabei hatte der in Zeitz geborene Merseburger als junger Mann für die Ost-CDU Plakate geklebt und war dafür festgenommen worden. Nach 14 Tagen kam er dank der Intervention aus dem Westen wieder frei. Später merkte er gegenüber dem damaligen CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl an, er habe anders als dieser für die Union im Gefängnis gesessen.

Nach dem Wechsel in den Westen, wo er 1950 der SPD beitrat, begann Merseburger ein Volontariat bei der «Hannoverschen Presse», wurde dort Kulturredakteur und kam nach Stationen bei der «Neuen Ruhr- Zeitung» und dem «Spiegel» zum Norddeutschen Rundfunk (NDR) nach Hamburg.

Im Januar 1967 übernahm Merseburger von Walter Menningen die Leitung und von Joachim Fest die Moderation des TV-Magazins «Panorama», dessen Gesicht und Stimme er wurde. Es war die Zeit, in der sich viele in der Union noch nicht mit der Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten abgefunden hatten. Mit seinen Beiträgen über die Schattenseiten des ausgehenden Wirtschaftswunders erreichte «Panorama» ein großes Publikum. Die Quoten lagen dabei oft bei mehr als 30 Prozent.

«Panorama» zeigte Sympathien für die Studentenbewegung und für Willy Brandts Ostpolitik und artikulierte den Wunsch junger Menschen nach gesellschaftlicher Liberalisierung. Nachdem durch massive politische Intervention ein Beitrag von Alice Schwarzer über die Abtreibung nicht gesendet wurde, verweigerte Merseburger die Moderation.

Die Proteste der Union gipfelten in Forderungen, den «Panorama»- Chef in Vorwahlzeiten den Auftritt vor der Kamera zu verbieten. Seine Vertragsverlängerung im Dezember 1974 kam schließlich im NDR- Verwaltungsrat ohne die Stimmen der CDU-Mitglieder zustande, die die Sitzungen mehrfach boykottiert hatten. Das Bundesverwaltungsgericht erklärte die Vertragsverlängerung für rechtens.

1975 gab Merseburger Leitung und Moderation von «Panorama» ab und ging als ARD-Korrespondent nach Washington - nicht resigniert, wie er beteuerte, aber in Sorge um den «zu ideologischen und parteiischen Journalismus» der Bundesrepublik.

Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ er ab 1982 als Korrespondent in Ostberlin. In der sozialliberalen Ära der SPD- Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt hatte die Bundesrepublik ihr Verhältnis zur DDR so weitgehend normalisiert, dass auch Fernsehberichterstattung aus dem anderen deutschen Staat aus erster Hand möglich war.

Mit der Sendereihe «Deutsches aus der anderen Republik» zeichnete Merseburger ein im Westen bisher unbekanntes Bild vom Alltag der DDR. Aber auch viele Ostdeutsche erfuhren aus den Reportagen unbekannte Tatsachen aus dem eigenen Staat. Seine Erfahrungen aus diesen Jahren fasste er in seinem 1988 erschienenen Buch «Grenzgänger» zusammen.

Anfang Juli 1987 - knapp zwei Jahre vor dem Fall der Mauer - löste Merseburger in London Wolf von Lojewski als ARD-Korrespondent ab. Anfang 1991 ging er als 63-Jähriger vorzeitig in den offiziellen Ruhestand, um als freier Publizist weiter zu arbeiten. Sein zweiteiliger Film über Kurt Schumacher, den ersten Nachkriegsvorsitzenden der SPD, lief 1994 im NDR, seine Schumacher- Biografie erschien 1995. Später brachte er eine ausführliche Willy- Brandt-Biografie und eine Dokumentation heraus.