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Zeitungskrise: Redaktion der "Westdeutschen Zeitung" wird halbiert

Dramatische Nachrichten aus Düsseldorf: Die Redaktion der "Westdeutschen Zeitung" wird halbiert, Lokalausgaben werden geschlossen, der Mantel dezimiert.

Düsseldorf - Mit diesem Kahlschlag hat niemand in der Redaktion gerechnet, erst bei den Mitarbeiterversammlungen heute in Wuppertal, Düsseldorf und Krefeld zeigte die Geschäftsführung ihre Entschlossenheit.

Nach Informationen von Newsroom.de wird die Redaktion halbiert, von 100 Mitarbeitern sollen 50 das Haus verlassen.

 

Reklame für die "Westdeutsche Zeitung" am Düsseldorfer Hauptbahnhof: Bei der Traditionszeitung soll die Hälfte der Redaktion das Haus verlassen. Foto: Bülend Ürük für NEWSROOM

 

 

Darunter werden aber nicht nur Redakteure fallen (Redakteure beschäftigt die "WZ" 80 an der Zahl), sondern auch Mitarbeiter, die redaktionsnahe Tätigkeiten ausüben oder die Redaktion unterstützen (Sekretariat, etc.).

Der Zeitungsmantel wird zukünftig nicht mehr im Haus produziert, sondern eingekauft. Ein Team von sieben Redakteuren (bislang arbeiten beim "WZ"-Mantel 20, 25 Redakteure) soll die Seiten dann in Düsseldorf regionalisieren.

Auch die Lokalausgaben müssen bluten, in Mettmann (bislang 10 Redakteure), in Neuss (3 Redakteure) und am Niederrhein (Mönchengladbach, etc., auch etwa 10 Redakteure) wird zwar die "Westdeutsche Zeitung" weiterhin präsent bleiben, nur nicht mit eigenen Redakteuren. Hier soll die "Rheinische Post" die Lokalseiten zuliefern. Einzig der "Bergische Volksbote", die "WZ"-Lokalausgabe in Burscheid (Regierungsbezirk Köln), bleibt neben den Redaktionen in Düsseldorf, Krefeld und Wuppertal erhalten. Beim "Bergischen Volksboten" erledigen ein Redakteur und ein Volontär mit freien Mitarbeitern die Lokalberichterstattung.

Eine weitere Personalie wurde heute am Rande ebenfalls bekannt, die "Westdeutsche Zeitung" bekommt einen neuen Chefredakteur. Der soll am 1. Mai seinen Posten antreten.

Die "Westdeutsche Zeitung plus" erscheint in einer verkauften Auflage von 136.483 Exemplaren (IVW 4/2013). Das Traditionsblatt erscheint im Girardet-Verlag, Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Hans-Georg Roth, Geschäftsführer Kersten Köhler. "Solinger Tageblatt" und "Remscheider General-Anzeiger" sind Partner der "WZ", sie übernehmen die überregionale Berichterstattung der "Westdeutschen Zeitung", deren Vorläufer, der "General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen", im Jahr 1887 das erste Mal erschien.

Nach Newsroom.de-Informationen werden "Solinger Tageblatt" und "Remscheider General-Anzeiger" auch dem neuen Mantelteil der "Westdeutschen Zeitung" die Treue halten. Der soll nach unseren Informationen aber weder aus Düsseldorf ("Rheinische Post") oder von der RP-Tochter "Saarbrücker Zeitung" kommen, sondern aus Aachen.

Inzwischen hat sich auch der Deutsche Journalisten-Verband in Nordrhein-Westfalen zu Wort gemeldet. „Der Wandel in der Zeitungsbranche geht einmal mehr deutlich zu Lasten der Mitarbeiter“, kritisiert der stellvertretende DJV-Landesvorsitzende Uwe Tonscheidt. Wieder würden in großem Umfang redaktionelle Arbeitsplätze abgebaut, wieder würden etliche Journalisten ihren Job verlieren.

Die Einschnitte in die Meinungs- und Medienvielfalt in NRW mehren sich: Anfang 2013 die Ereignisse rund um die Westfälische Rundschau im Raum Dortmund, vergangene Woche erst die Ankündigung der Kölner Verlage DuMont-Schauberg und Heinen, mehrere Lokalredaktionen im Raum Köln zusammenzulegen: „Das ist ein weiterer Schritt der Verleger, sich von der Meinungsvielfalt zu verabschieden“, sagt  Uwe Tonscheidt, „und ein weiterer Schritt in Richtung publizistische Sackgasse.“

Bereits im August 2012 mussten 40 Mitarbeiter die "Westdeutsche Zeitung" verlassen. "WZ"-Geschäftsführer Kersten Köhler sagte damals Newsroom.de: "Wir haben ein Markt- und Strukturprogramm aufgestellt, um auf den Wandel in der Medienbranche zu reagieren".

Bülend Ürük

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