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Newsroom, mit dpa

Abendzeitung München: „Viel, viel Fortune“ für Professor Balle

"Ich bin der Abendzeitung und den ehemaligen Kollegen noch immer sehr verbunden, deshalb freue ich mich, dass das Blatt nicht Ende des Monats eingestellt wird. Ich kann Herrn Balle deshalb nur viel, viel Fortune wünschen“, erklärt Torsten Fricke. Von Bülend Ürük.

München - Torsten Fricke, von 2002 bis 2007 stellvertretender Chefredakteur der „Abendzeitung“, hatte als Verhandlungsführer ein Konsortium angeführt, dass mit Insolvenzverwalter Axel Bierbach bereits gedeihliche Gespräche über die Übernahme der „Abendzeitung“ geführt hatte.

Am Ende waren die Unstimmigkeiten aber offensichtlich noch so groß, dass das Konsortium um Torsten Fricke, Geschäftsführer von TV Media Medien Management in Ebersberg bei München, auf ein konkretes Angebot verzichtete.

 

Auch so hätte eine Rettung für die "Abendzeitung" in München aussehen können. Das Konzept des TV-Media-Konsortiums liegt NEWSROOM vor. Unsere Leser können es hier als PDF-Datei herunterladen.

 

 

Vor allem die Frage, bei wem die Titelrechte der „Abendzeitung“ liegen und wie sie in das Unternehmen zurückgeholt werden können, hatten für Unstimmigkeiten gesorgt.

Das Aus für die insolvente Münchner "Abendzeitung" ist seit Dienstag abgewendet. Am Mittwoch soll der Kaufvertrag final unterschrieben werden.

Die Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung will das Blatt als Tageszeitung und Online-Angebot weiterführen.

Die Aufgaben als Herausgeber übernehmen Zeitungsverleger Martin Balle, der auch Hauptinvestor ist, und der Münchner Rechtsanwalt Dietrich von Boetticher. Eine mutige Entscheidung in Zeiten, in denen Zeitungsverleger lieber bei App-Entwicklern einsteigen als weitere gedruckte Zeitungen oder Zeitschriften zu erwerben.

Nach Newsroom.de-Informationen soll der Kaufpreis bei 900.000 Euro liegen.

Während die „Abendzeitung“ als Titel zumindest für ein Jahr gerettet ist, muss sich die überwiegende Mehrzahl der AZ-Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Höchstens 20, 25 der aktuell 100 Mitarbeiter sollen ein Angebot bekommen, für die neue "AZ" zu arbeiten, der Rest findet einige Monate Platz in einer Auffanggesellschaft. Künftig soll es noch eine Lokalredaktion, ein Feuilleton und möglicherweise auch eine Sportredaktion in München geben - der Rest soll von der Mediengruppe "Straubinger Tagblatt"/"Landshuter Zeitung" geliefert werden. Auch Chefredakteur Arno Makowsky wird das Blatt verlassen.

Kein Wunder, dass die Stimmung in der Redaktion trotz der Rettung der "Abendzeitung" als Titel am Dienstag von einigen Redaktionsangehörigen als "mies" bezeichnet wurde. 

Die "AZ", die künftig in Straubing gedruckt wird, soll im kleineren "Berliner Format" erscheinen und in deutlich kleinerer Auflage. "Ich kann damit leben, nur 30.000 zu verkaufen", sagte Balle bei der Pressekonferenz.

Journalistisch deutlich ambitionierter als die bislang bekanntgewordenen Balle-Pläne wären die Pläne des TV-Media-Konsortiums gewesen - wenn es denn hier zum Abschluss gekommen wäre. So wäre auch hier der Fokus auf noch mehr München im Blatt gelegt worden - jedoch hätten die Investoren nach unseren Informationen fast alle Redakteure und Reporter des Blattes gehalten.

Das Konzept des TV-Media-Konsortiums liegt NEWSROOM vor. Unsere Leser können es hier als PDF-Datei herunterladen.

Die "Abendzeitung" hatte am 5. März beim Amtsgericht München Insolvenzantrag gestellt. Die finanziellen Schwierigkeiten der Boulevardzeitung mit einer verkauften Auflage von rund 100.000 Exemplaren waren seit längerem bekannt. Die Familie Friedmann als Eigentümerin sehe sich nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, hatte der Verlag mitgeteilt. Nach Angaben der Geschäftsführung summierten sich die Verluste seit 2001 auf rund 70 Millionen Euro.

Bülend Ürük