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Wettbewerbsbeschwerde: Europäische Kommission wird noch 2012 über AFP-Finanzierung entscheiden

Noch vor dem Start einer zweiten landesweiten Nachrichtenagentur in Frankreich Anfang Oktober kündigt die französische Nachrichtenagentur AFP an, mehr in die redaktionellen Angebote zu investieren. Das hat der Aufsichtsrat am Dienstag beschlossen.

Paris - Im Mittelpunkt steht dabei der Wunsch, trotz der schwierigen Situation der Weltwirtschaft, der Medienkrise und strukturellen Problemen der französischen Presse AFP weiterhin auf Kurs zu halten.

Drei Punkte hebt die Nachrichtenagentur in ihrer spanischsprachigen Presseaussendung hervor. 2012 lautet dabei das Ziel, das Jahr mit einem positiven Ergebnis abzuschließen. Das will man dank Einsparungen und einer Umsatzsteigerung erreichen.


Zudem will der Nachrichtentanker bis Ende 2012 in das französischsprachige Angebot investieren und neue Dienste anbieten. Auch stellt der Aufsichtsrat fest, dass die Agentur noch viele weitere Redaktionsangebote in Frankreich, international, im Bereich Video und Multimedia sowie Sport entwickelt, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Die Nachrichtenmacher aus Frankreich sind sich übrigens sicher, dass die Beschwerde bei der Europäischen Kommission in Brüssel bis Ende des Jahres in ihrem Sinne entschieden wird. Bereits 2010 hatte dapd in Brüssel eine Wettbewerbsbeschwerde eingereicht. Der Vorwurf - AFP erhalte staatliche Subventionen.

Um die älteste der weltweit tätigen Nachrichtenagenturen zu schützen und um ihre Aufgaben klarer zu formulieren, hatte die Pariser Nationalversammlung das AFP-Statut von 1957 in diesem Frühjahr ergänzt. Das neue Gesetz präzisiert die Finanzierung der öffentlichen Aufgaben von AFP und erklärt, dass die Kosten, die AFP aus dem Erbringen von "Dienstleistungen von allgemeinen Interesse" entstehen, durch öffentliche Finanzierung gedeckt werden müssen.

Nicht nur in Brüssel oder auf dem deutschen Markt, sondern auch auf dem französischen AFP-Heimatmarkt bringt die deutsche dapd-Gruppe AFP in Bedrängnis. Die französische Tochter "sipa press" drängt massiv in den Markt und hat dafür AP Frankreich aufgekauft. Dabei soll "sipa press" ab Oktober auch massiv mehr Nachrichten liefern als die frühere Associated Press, die täglich 100 Nachrichten ausgeliefert hatte. Ein Testbetrieb läuft bereits seit Wochen.

Auf dem französischen Markt aktiv sind unter anderem auch Reuters, Bloomberg, Dow Jones, RMC Sport, Sporever oder Relax News mit teilweise spezialisiertem Angebot. Ohne die Dienste von AFP arbeiten in Frankreich nach NEWSROOM-Recherchen bereits Medien wie die Gratiszeitung "20 minutes" oder die Regionalzeitung "Nice Matin".

Bülend Ürük

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