Vermischtes
Newsroom

Erklären leicht gemacht: Zehn Schritte zum überzeugenden Erklärformat

Erklären leicht gemacht: Zehn Schritte zum überzeugenden Erklärformat (Illu: stock.adobe.com)

Warum-Erklärungen, Visualisierungen und klare Dramaturgie: Erklärstücke sind eine journalistische Kerndisziplin. Die aktuelle Journalisten-Werkstatt zeigt, wie Redaktionen komplexe Themen strukturiert aufbereiten – von der Leitfrage bis zur Endabnahme.

Berlin – Erklärformate gehören zu den wichtigsten journalistischen Werkzeugen, wenn es darum geht, komplexe Themen verständlich zu machen. Sie greifen ein grundlegendes menschliches Bedürfnis auf: die Welt zu verstehen. Wer Hintergründe, Zusammenhänge und Folgen nachvollziehen kann, fühlt sich weniger hilflos und ist eher bereit, sich eine eigene Meinung zu bilden oder an Diskussionen teilzunehmen.

 

Für Redaktionen bieten solche Formate zudem strategische Vorteile. Gut gemachte Erklärstücke stärken die Bindung an eine journalistische Marke, weil sie Orientierung geben und über reine Ereignisberichterstattung hinausgehen, schreibt Nea Matzen in der aktuellen Journalisten-Werkstatt „Erklären leicht gemacht“. Sie können in vielen Formen erscheinen – als Video, Grafik, Social-Media-Story, Podcast oder klassischer Text. Oft reichen schon kleine erklärende Elemente, etwa eine Infobox, eine Chronologie oder eine kurze Visualisierung, um ein Thema einzuordnen.

 

Zugleich sind viele Erklärstücke langfristig nutzbar. Als sogenannter Evergreen-Content bleiben sie über längere Zeit relevant und sind über Suchmaschinen auffindbar. Damit tragen sie auch zur Sichtbarkeit journalistischer Angebote bei. Voraussetzung ist allerdings eine klare Struktur: von der Leitfrage über Recherche und Storyboard bis zur Produktion. Die folgende Checkliste zeigt, wie Redaktionen Schritt für Schritt zu einem überzeugenden Erklärformat kommen:

 

Zehn Schritte zum fertigen Erklärformat

Erklärstücke brauchen einen klaren Ablauf. Und so funktioniert er:

 

1. Erzählidee: Entwickeln Sie zuerst eine zielgruppengerechte Leitfrage.

2. Recherche: Sammeln Sie Fakten, sortieren Sie sie nach Wichtigkeit, legen Sie ein Rechercheprotokoll mit allen Quellen an.

3. Kernaussagen: Formulieren Sie Ihr Rechercheergebnis in wenigen Sätzen, die Grundlage für Ihr Storyboard sind.

4. Textaufbau: Legen Sie die logische Abfolge der Sinnabschnitte fest.

5. Visuelle Ebene: Planen Sie für jede Säule mindestens ein passendes Bild oder ein grafisches Element ein. Arbeiten Sie so früh wie möglich mit einem Grafiker oder einer Grafikerin zusammen, falls Ihr Verlag oder Sender diese Arbeitsteilung ermöglicht. Wenn eine Aussage länger ist, muss der Text von einer Bildfolge oder Animation begleitet werden. Je mehr die Bilder aussagen, desto weniger Text wird gebraucht. Aber Text und Zahlen dienen dazu, Fakten zu etablieren.

6. Fact-Checking: Prüfen Sie die Aussagen und die Text-Bild-Stimmigkeit. Nutzen Sie das Vier-Augen-Prinzip.

7. Storyboard: Arbeiten Sie mit dem Raster Position, Text, Bildidee, gegebenenfalls Atmo/Musik. Denken Sie bei Videos in Sequenzen; bei Storys und Karussells in Kombinationen aus Bild und Overlay-Text. Passen Sie die Textlängen an. Je nach Format und Ausspielweg legen Sie den passenden Schnittrhythmus fest sowie die Effekte (zum Beispiel Animation, Zoom, eventuell Schwenks).

8. Feinschliff: Lesen Sie den Text laut und passen Sie die Sprache an die Zielgruppe an. Streichen Sie Füllwörter, optimieren Sie die Überleitungen.

9. Produktion: Text- und Bildebene sind untrennbar miteinander verbunden. Jeder Strang trägt eigene Informationen, nur in der Kombination entsteht ein stimmiges Ganzes. In großen Redaktionen übernehmen die Profis für den jeweiligen Bereich diese Aufgaben. Wer diese Ressourcen nicht hat, aktiviert beide Gehirnhälften und lässt das eigene Know-how zusammenfließen.

10. Endabnahme: Setzen Sie kluges, gut begründetes Feedback um.

 

Zur Journalisten-Werkstatt „Erklären leicht gemacht“ 

  • Wichtige Elemente
  • Acht Erzählformen für Erklärvideos
  • Planung mit Storyboard
  • Tools & Technik
  • Ausgezeichnete Formate
  • „Immer wieder Aha-Momente“
  • Erklären auf Social Media
  • Von der Maus lernen
  • Checkliste

 

Über die Autorin

Nea Matzen ist Journalistin, Beraterin und Trainerin u. a. für Erklärformate, digitales Storytelling, Texten inklusive KI und SEO sowie für den digitalen Wandel in Redaktionen. Erfahrungen als Autorin von Erklärstücken hat sie bei der Tagesschau gesammelt.





Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.