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„Größtmögliche Aufklärung“ − Sender prüfen Vorwürfe gegen Wedel

Wer könnte etwas gewusst haben? Nach den neuen Vorwürfen gegen Regisseur Dieter Wedel will auch die Produktionsfirma Bavaria das untersuchen. Der Saarländische Rundfunk hat bereits eine „Task Force“ gebildet.

München (dpa) - Die neuen Vorwürfe gegen Dieter Wedel haben Aufklärungsbemühungen bei weiteren Sendern und Produktionsfirmen ausgelöst. Die ARD-Intendanten wollen sich bei ihrer nächsten Sitzung Anfang Februar mit dem Thema befassen. Die ARD nehme die Diskussion um die Vorwürfe sehr ernst, teilte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm am Freitag in München mit. „Unsere Mitarbeitenden müssen vor Übergriffen und Sexismus geschützt sein; sexuelle Belästigung und Ausnutzung von Machtpositionen können wir nicht dulden.“

Der ARD-Vorsitzende und Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) erklärte gleichzeitig, dass die Sender sich um die Aufklärung kümmern werden: „Fälle, die auf eine einzelne Anstalt begrenzt sind, werden dort aufgearbeitet.“ Das gilt etwa für den Saarländischen Rundfunk (SR), der schon am Donnerstag mitgeteilt hatte, die Spitze des Senders habe eine „Task Force“ gebildet, die umfassend aufarbeiten soll, wie der SR mit den 1981 erhobenen Vorwürfen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe von Wedel umgegangen sei.

Die Schauspielerin Esther Gemsch, die für die von der damaligen SR-Tochterfirma Telefilm Saar (TFS) produzierte Serie „Bretter, die die Welt bedeuten“ engagiert worden war, schildert in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen mutmaßlichen Vergewaltigungsversuch Wedels 1980. Die Vorwürfe der Schauspielerin sind in einem internen SR-Bericht dokumentiert. Aber was ist dann passiert? „Schon jetzt steht fest, dass sich die TFS und der SR 1981 nicht richtig verhalten haben“, räumte der Sender ein. Man wisse leider nicht, warum damals niemand auf die Vorwürfe reagiert habe.

Nach eigenen Angaben hat der SR Kontakt zu den beiden mutmaßlichen Opfern aufgenommen und verspricht Aufklärung. Das Ziel sei, „die Systeme, Mechanismen und Verhaltensweisen ausleuchten“, die damals solche Delikte ermöglicht haben könnten. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat ebenfalls „größtmögliche Aufklärung“ angekündigt und will prüfen, ob sich in den Produktionsunterlagen Hinweise auf entsprechende Vorkommnisse bei Wedel-Produktionen finden.

Die Produktionsfirma Bavaria Film will die Zusammenarbeit mit Wedel ebenfalls untersuchen: „Es gilt die Unschuldsvermutung. Aber als Produzent haben wir eine moralische Verantwortung“, sagte Bavaria-Chef Christian Franckenstein dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Ausgabe 5/18). Ein Rechercheteam bei Bavaria prüft einem Unternehmenssprecher zufolge, ob mögliche Hinweise oder Dokumente auf etwaige Vorfälle im Rahmen von Produktionen hindeuten.

Gemeinsam realisierten Bavaria Film beziehungsweise Bavaria Fiction „Der König von St. Pauli“ und „Die Affäre Semmeling“. „Bavaria Film nimmt die Anschuldigungen gegenüber Dieter Wedel sehr ernst“, sagte der Sprecher. „Wir respektieren gleichzeitig die über seinen Anwalt veröffentlichte Zurückweisung der Vorwürfe.“

Der Bayerische Rundfunk (BR), der in einer Koproduktion in den 1970er Jahren mit dem Regisseur zusammenarbeitete, habe nach bisherigen Erkenntnissen keine Hinweise auf sexuelle Übergriffe Wedels gehabt, erklärte der Sender. So ist auch der Stand in Mainz: „Das ZDF hat die geschilderten Vorfälle, die mit ZDF-Produktionen in Zusammenhang gebracht werden, überprüft“, teilte der Sender am Donnerstag mit. „Dabei wurden keine Hinweise oder Unterlagen gefunden.“

Der heute 75-jährige Regisseur wies die Anschuldigungen bisher zurück. Er hatte nach seinem Rücktritt als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele am Montag von einer „diffamierenden Diskussion“ um seine Person gesprochen.

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