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Markus Knall wirbt für stärkeren KI-Einsatz im Journalismus – der „Spiegel“ verbietet sie

Markus Knall wirbt für stärkeren KI-Einsatz im Journalismus – der „Spiegel“ verbietet sie Markus Knall (Foto: Johana Lohr)

In der taz-Story „Text ohne Autor“ spricht sich der Chefredakteur von Ippen.Media für einen verstärkten Einsatz von KI in Redaktionen aus. Beim „Spiegel“ bleibt KI als Werkzeug erlaubt, nicht jedoch als Autor.

Berlin – Markus Knall findet die aktuelle KI-Debatte überzogen – das berichtet taz-Autorin Anne Fromm in ihrer Story „Text ohne Autor“. Der Chefredakteur von Ippen.Media, der ein Netzwerk aus 70 Websites und 20 Lokalzeitungen vom Münchner Merkur bis zur „Frankfurter Rundschau“ verantwortet, glaubt: Journalismus brauche nicht weniger, sondern mehr KI. Seinen eigenen Alltag organisieren bereits KI-Agenten. Sie protokollieren Sitzungen, fassen Nachrichten zusammen und sortieren sein Mailpostfach.
Ippen.Media lässt bereits komplette Texte von KI erstellen – ohne menschliche Kontrolle im Arbeitsablauf, ohne „Human in the Loop“, wie Knall es nennt. Ein konkretes Beispiel ist Wahlberichterstattung. „Deutschland hat 11.000 Gemeinden. Kein Mensch kann für jede einzelne in der Wahlnacht einen Text schreiben. Die KI schon.“


Die Qualität sieht Knall durch KI sogar gesteigert: „Mit der KI werden wir die Qualität von Journalismus steigern. Wenn eine KI für einen Artikel Hunderttausende Texte aus unserem Archiv auswertet, bringt das mehr analytische Tiefe, als ein einzelner Redakteur je könnte.“ Negative Rückmeldungen zu KI-Texten habe er bisher nicht bekommen. Seine These: „Das werden Texte sein, ohne Rechtschreibfehler, ohne inhaltliche Fehler, gut strukturiert und ohne den weltanschaulichen Bias, den Journalisten haben.“

 

Den Journalisten der Zukunft nennt der Ippen-Mann einen „KI-Komponisten“: jemanden, der weiß, womit er die KI füttern muss, damit sie das richtige Ergebnis ausspuckt. Das sei die eigentliche Leistung von Journalismus. „Niemand ist Journalist geworden, um Texte zu tippen.“ Komplett auf Menschen verzichten will er allerdings nicht. Moderne Reporter werde es weiter brauchen. Knall bezeichnet sie als „Creator“.


Knalls Position ist eine der radikalsten in der laufenden KI-Debatte und steht in direktem Widerspruch zu Positionen wie denen von Weser-Kurier-Chefredakteur Benjamin Piel, der in einem Gastbeitrag für kress.de zwischen „Dumm-Nutzung“ und „Schlau-Nutzung“ von KI unterschied, Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust, der beim European Publishing Congress betonte: Meinungen muss der Mensch selbst bilden – oder Tagesspiegel-Chefredakteur Christian Tretbar, der im Deutschlandfunk klarstellte: „Der Mensch, dessen Name über einem Artikel steht, muss auch wirklich in dem Artikel drinstecken.“


taz-Autorin Anne Fromm stellt die größere Frage dahinter: „Die Frage, welche Rolle KI in den Medien spielt, ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine wirtschaftliche. Leistet die Maschine bald schneller und billiger das, was heute teure Redakteurinnen und Redakteure leisten?“


Markus Knall verantwortet als Chefredakteur und Direktor Content die Entwicklung des Redaktionsnetzwerkes Ippen.Media. Es umfasst rund 70 Medienportale mit Marken wie F„rankfurter Rundschau“, Merkur.de, tz.de, buzzfeed.de sowie zahlreiche lokale Titel. Er hat in Regensburg und Washington Politikwissenschaft und Geschichte studiert und 2022 einen Executive MBA in St. Gallen absolviert. „kress pro“ kürte ihn 2020 zum Digital-Chefredakteur des Jahres.

 

„Spiegel“ verschärft interne Richtlinien

Der „Spiegel“ verschärft nach einer internen Debatte seine Richtlinien zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Chefredakteur Dirk Kurbjuweit betont, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Texte weiterhin selbst schreiben sollen. KI bleibt als Werkzeug erlaubt, nicht jedoch als Autor.

 

Kurbjuweit positioniert sich klar in der Debatte um den Einsatz von KI im Journalismus. „Wir lassen unsere Texte nicht von einer KI schreiben oder umschreiben“, stellt er in einem Essay im eigenen Blatt klar. Er berichtet von einer intensiven, hitzigen Diskussion innerhalb der Redaktion. Die internen KI-Richtlinien untersagen bisher, „Artikel maßgeblich von einer KI schreiben oder umschreiben“ zu lassen. Infolge der Diskussion streicht der „Spiegel“ nun das Wort „maßgeblich“ aus den Richtlinien. „Wir sind die Autorinnen und Autoren unserer Texte. Wir denken selbst, wir strukturieren selbst, wir schreiben selbst, ob im Team oder allein. Niemand von uns soll das verlernen“, schreibt Kurbjuweit. Der „Spiegel“ solle „ein Fest von Menschen für Menschen bleiben, mal wild, mal gediegen, ein Menschenmedium“. Dies sei „Teil unseres Ethos, unserer Identität“.

 

Gleichzeitig will Kurbjuweit den Einsatz von KI aber nicht grundsätzlich verbieten: „Es kann hier meines Erachtens keine radikale Lösung geben, weder Roboter noch Reinheitsgebot.“ Als Werkzeug etwa für Übersetzungen, die Rechtschreibprüfung oder die Auswertung großer Datenmengen bleibt der Einsatz von KI weiterhin erlaubt. Kurbjuweit vertraue darauf, „dass der Anspruch, ‚Menschenmedium‘ zu sein, eingehalten wird, dass jeder auf die eigene Schöpfungstiefe achtet“. Sollte der „Spiegel“ davon Ausnahmen machen, „kennzeichnen wir das“. Für Kurbjuweit sei das Selbstschreiben „das reine Glück“. „Denken und Schreiben bilden zusammen ein Zentrum meines Lebens. Wäre ich nicht verrückt, würde ich mir beides von der künstlichen Intelligenz wegnehmen lassen? Ich wäre verrückt, und so verrückt bin ich nicht.“

 

 

 

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