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Newsroom – Markus Trantow

Julia Becker kritisiert ARD und ZDF für Expansionspolitik

Julia Becker kritisiert ARD und ZDF für Expansionspolitik Julia Becker (Foto: Oberauer/APA-Fotoservice/Schedl)

Die Funke-Verlegerin hat bei den Medientagen Mitteldeutschland deutliche Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk geübt. In ihrer Keynote forderte sie eine stärkere Fokussierung auf den Grundversorgungsauftrag sowie politische Maßnahmen zum Schutz journalistischer Inhalte.

Leipzig – Funke-Verlegerin Julia Becker liest dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im „Riverboat“-Studio des MDR die Leviten. In ihrer Keynote anlässlich der Medientage Mitteldeutschland kritisiert sie ARD und ZDF für deren Expansionspolitik, berichtet turi2. Die Sender würden heute deutlich mehr als „Grundversorger“ sein und in Märkte vordringen, in denen es funktionierende privatwirtschaftliche Geschäftsmodelle gäbe. Beckers Meinung nach sollten die Sender dort aktiv werden, wo etwa die Zeitungszustellung nicht mehr wirtschaftlich funktioniert, und sich anderswo zurückhalten.


Die Verlegerin stellt außerdem drei weitere Forderungen an die Politik auf: Sie positioniert sich etwa erneut für eine Digitalabgabe für große Plattformen. Diese sehe sie nicht als Strafe, sondern als Korrektur vorhandener Wettbewerbsverzerrungen. Mit Blick auf KI-Systeme, die sich ungefragt und unbezahlt an journalistischer Arbeit bedienen, spricht sie von „Enteignung durch Technologie“ und fordert einen wirksamen „Schutz unseres geistigen Eigentums“. In ihrer vierten Forderung nimmt sie die Medienpolitik in den Fokus, die sie aus der Branchen-Nische herausholen und als „Demokratiepolitik“ verstanden wissen will.

 

Insgesamt betont Becker in ihrer Keynote den Wert von Vertrauen: „Vertrauen wird die knappste Ressource unserer Zeit werden und damit auch die wertvollste“, so Becker. Noch würden Studien belegen, dass das Vertrauen in Medien groß ist. Vertrauen sei aber kein Besitzstand, sondern ein Vorschuss. Und der ist aus Beckers Sicht in Gefahr, u. a. durch die Plattformen aus den USA und China. „Journalismus ist kein Auslaufmodell, aber auch kein Selbstläufer.“

 

 

 

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