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Marion Horns AfD-Aussagen: Niggemeier fordert Rückgrat, Boldt kritisiert journalistische Unabhängigkeit

Marion Horns AfD-Aussagen: Niggemeier fordert Rückgrat, Boldt kritisiert journalistische Unabhängigkeit Marion Horn (Foto: Stefanie Herbst)

Die Äußerungen der „Bild“-Chefredakteurin im „kress pro“ sorgen weiter für Diskussionen. Stefan Niggemeier und Michael Hanfeld kritisieren ihren anschließenden Rückzieher. Der frühere Springer-Manager Klaus Boldt stellt dagegen die journalistische Unabhängigkeit infrage.

Berlin – Die Debatte um die Aussagen von „Bild“-Chefredakteurin Marion Horn zur AfD im Interview mit „kress pro“ geht weiter. Wie kress.de berichtet, haben sich inzwischen der Medienkritiker Stefan Niggemeier in der „Süddeutschen Zeitung“, FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld und der frühere Springer-Manager Klaus Boldt mit Horns Äußerungen und ihrer anschließenden Erklärung auf LinkedIn beschäftigt.


Niggemeier: „Ein bisschen Rückgrat wäre schön“

Mit „Ein bisschen Rückgrat wäre schön“ ist Stefan Niggemeiers Kolumne in der „Süddeutschen Zeitung“ betitelt. Der Medienkritiker geht zunächst auf den Provokations-Vorwurf von Marion Horn ein: „Nun würde man annehmen, dass gerade ein Bild-Chefredakteur Manns oder Fraus genug ist, sich auch von einem scharfen, hartnäckigen Interviewer nicht gleich zu dummen Antworten hinreißen zu lassen, zumal sie die auch autorisiert hat. Tatsächlich aber lautete die Frage, von der sich Horn so provoziert fühlte, schlicht: ‚Gibt es bei Ihnen gar keine Unsicherheit, wie Sie mit dem Thema [AfD] umgehen sollten?‘“ Das genüge als Provokation schon, um Marion Horn aus der Fassung zu bringen, fragt sich Niggemeier. Gleichzeitig habe der Interviewer, kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand, in seinen Fragen zur AfD auf jede Schuldzuschreibung verzichtet, obwohl es für die angesichts der Hyperskandalisierungs- und Kulturkampfmaschine „Bild“ genug Anlass gäbe, so Niggemeier in der SZ.

 

Horn hatte im „kress pro“-Interview gesagt: „Aber wissen Sie, in meinem Büro hängt ein Poster. Da zieht so ein Sportflugzeug eine Werbung hinter sich her. Darauf steht: ‚Fuck AfD‘. Das ist meine Haltung.“ Auf LinkedIn ruderte sie nun zurück: „Es hängt (…) kein Poster in der Redaktion mit diesem Satz.“ Dazu merkt Niggemeier an: „Nun ja. Das Poster hängt, wie man aus dem Unternehmen erfährt, nicht in der Redaktion, sondern in ihrem Büro in der Redaktion. Und genau genommen steht darauf wohl nicht ‚Fuck AfD‘, sondern ‚Scheiß AfD‘.“

 

Für den Mitgründer von Übermedien ist „nicht ganz klar, was das ändert, und warum Marion Horn sich Sprüche in ihr Büro hängt, die sie selbst ‚blöd‘ findet, sobald Rechte sie blöd finden. Denn natürlich hatte ihr Bekenntnis bei den üblichen Verdächtigen erwartbare Empörung ausgelöst.“ Nun knicke Marion Horn ein vor einer Kritik von Rechten und extrem Rechten und rede sich mit einer von ihr erfundenen Interview-Provokation heraus, kritisiert Niggemeier in der „Süddeutschen Zeitung“. „Man weiß ja nicht, ob man sich ausgerechnet von einem Bild-Chefredakteur mehr Selbstbewusstsein wünschen soll, aber ein bisschen Rückgrat wäre schon schön.“

 

Hanfeld hinterfragt Horns Rückzieher

„Warum nimmt sich die ‚Bild‘-Chefin zurück?“, fragt Michael Hanfeld, verantwortlicher Redakteur für das Ressort Medien in der FAZ. Er bescheinigt Horn ein knackiges Interview im Fachdienst „kress pro“. Die „Bild“-Chefredakteurin habe frei von der Leber weg gesprochen. Erkennbar lästig seien Horn die Fragen gewesen, die ihr kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand zu ihrem Stellvertreter Paul Ronzheimer und dessen Rolle zu Zeiten des früheren „Bild“-Chefs Julian Reichelt gestellt habe.

 

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Zu Horns viel diskutierten Aussagen zur AfD will Hanfeld wissen, ob es wirklich unjournalistisch sei, mit seiner persönlichen politischen Haltung hinter dem Berg zu halten. Drücke die sich in Kommentaren nicht ohnehin aus? „Marion Horn scheint sich nicht nur ihrer – derben – Wortwahl, sondern auch ihrer Rolle nicht so sicher zu sein“, meint der FAZ-Journalist und belegt das mit Horns „Rückzieher“ auf LinkedIn. Hanfeld schlägt in der FAZ in die gleiche Kerbe wie Niggemeier in der SZ: In die Schuhe geschoben habe „kress pro“-Chefredakteur Markus Wiegand Marion Horn nichts. Er habe nur gefragt.

 

Bei LinkedIn beteuerte die „Bild“-Lenkerin gegenüber ihrer Community auch, dass sie die Debatte über die Brandmauer für falsch halte und noch nie AfD-Wähler diskreditiert habe. Das gelte es festzuhalten, da ihre Gegner sie nun am linksradikalen Ufer verorteten. Dazu merkt Hanfeld an: „Marion Horn linksradikal? Auf die Idee können nur AfDler kommen.“

 

Boldt kritisiert Springer und Horn

Klaus Boldt zerlegt seinen Ex-Arbeitgeber Axel Springer und dessen Führungskraft Horn via X: „Wie tief muss das Bewusstsein journalistischer Würde bereits gesunken sein, wenn man allen Ernstes glaubt, sich dem eigenen Chef Mathias Döpfner durch ein demonstratives ‚Fuck AfD‘ gefällig machen zu müssen? Und mit welchem Recht darf @bild nach einer solchen Bekundung noch erwarten, dass auch nur ein einziger Leser an jene Unvoreingenommenheit glaubt, mit der das Blatt über Deutschlands größte Oppositionspartei zu berichten vorgibt?“ Marion Horns Interview mit „kress pro“ sei ein Albtraum für Axel Springer und nicht minder für die Redaktionen von „Bild“ und „Bild am Sonntag“, „die jetzt nur allzu genau wissen, welche Tonlage eine Geschichte anzuschlagen hat, um bei Frau Horn Gefallen zu finden“, schreibt Boldt. „Was sich hier offenbart, ist nicht allein der Verfall journalistischer Unabhängigkeit, sondern auch jener inneren Pressefreiheit, deren Untergang sich offenbar umso geräuschloser vollzieht, je eifriger man sich ihrer nach außen rühmt.“

 

Marion Horns ehemaliger Chef, Julian Reichelt, nimmt ihre Steilvorlage indes auf dem Nius-Live-Kanal von YouTube auf und diskutiert: „Doch nicht ihre Haltung? Bild-Chefin Marion Horn entschuldigt sich für ‚FCK AfD‘-Parole“.

 

 

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