Berlin – Auszug aus der Kolumne „Aus unseren Kreisen“ von Chefredakteur Markus Wiegand im aktuellen „kress pro“: Kann „Nius“ die Gewinnzone erreichen?
Leicht wird das nicht. Meistens wird der publizistische Ansatz des rechtsbürgerlichen Portals von den Gegnern kritisiert, wenig beachtet bleibt dabei oft, dass „Nius“ weit davon entfernt ist, ein Geschäftsmodell gefunden zu haben. Zahlende Abonnenten zu gewinnen, ist mit dem krawalligen Boulevardansatz schwer und Werbekunden rennen „Nius“ bisher auch nicht gerade die Bude ein.
Im Gespräch mit der „Zeit“ räumte Financier Frank Gotthardt kürzlich ein, dass sich die Defizite des 2023 gegründeten Portals im Rahmen von rund 40 Millionen Euro bewegen. Zudem sei die Bilanz nach einem Verlust von 16 Millionen Euro 2024 im vergangenen Jahr nicht wirklich besser geworden.
Trotz des enormen finanziellen Aufwands ist der Durchschlag überschaubar. Laut dem Ranking von „Meedia“ (erhoben von Datenprofi Jens Schröder) schaffte es „Nius“ mit der Website seit der ersten Erhebung vor rund einem Jahr nicht einmal in die monatliche Top 100 der reichweitenstärksten deutschen Websites. Zuletzt dümpelte man eher um Position 150. Selbst „Apollo News“ ist demnach leicht besser unterwegs, obwohl die Truppe deutlich kleiner ist.
Wenn „Nius“ auf die „kress“-Anfrage reagiert hätte, was nicht passiert ist, hätte man womöglich eingewendet, dass man sich stark auf Bewegtbild konzentriert und etwa auf Youtube außergewöhnlich große Reichweiten erzielt. Stimmt, aber kann man damit den nicht unbeträchtlichen Aufwand refinanzieren? Nein.
Also bitte: „Nius“ kritisiert laut und boulevardesk alle, die nicht ins Weltbild passen. Solange die Fakten stimmen, müssen die Gegner das aushalten. Tatsache ist aber auch: Die ökonomische Bilanz in eigener Sache ist bisher miserabel. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn ein Medium ständig der Regierung und anderen vorwirft, sie habe nichts im Griff, sollte es vielleicht erst einmal zeigen, dass man den eigenen kleinen Laden refinanzieren kann.
Dass sehr reiche Menschen wie Frank Gotthardt mit „Nius“-Inhalten soziale Medien fluten, um die Menschheit für ihre Ideen zu begeistern, ist Teil des Problems und nicht Teil der Lösung. Offenbar will Gotthardt, lange im Wirtschaftsrat der CDU aktiv, die Partei auf den Weg der konservativen Tugend zurückführen. Dazu kann man sich Personal anlachen und Inhalte produzieren. Demokratischer wäre es, in der Partei eine Mehrheit für einen Kurswechsel zu suchen.
Must-Reads im aktuellen „kress pro“:
Kulturkampf bei der „Zeit“. Wo es bei der Fusion von Print und Online hakt
Näher ran ans Publikum. Wie die „Augsburger Allgemeine“ Digitalabos gewinnen will
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Frank Gotthardt (Foto: Kai Myller)