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ORF-Chef Clemens Pig: „Sparen kann man bei der Führung und bei Führungskräften“

ORF-Chef Clemens Pig: „Sparen kann man bei der Führung und bei Führungskräften“ Clemens Pig (Foto: ORF)

Der künftige Generaldirektor des österreichischen ÖRR spricht über seine Rolle gegenüber den Redaktionen, den Umbau des Unternehmens und die geplanten Einsparungen. Drei Fragen und Antworten aus dem „Journalist:in“-Interview.

Wien – Die gesamte Information im österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird ab Jänner 2027 direkt in der Generaldirektion angesiedelt. Für den künftigen ORF-Chef bedeutet das nach eigenen Angaben nicht, dass er in die Berichterstattung eingreifen will. Im Interview mit der „Journalist:in“ beschreibt er seine Rolle vielmehr als die eines Generaldirektors, der journalistische Qualitätsstandards weiterentwickeln und die Unabhängigkeit der Redaktionen absichern möchte.


Bei der angekündigten „Reform an Haupt und Gliedern“ sieht er erheblichen Handlungsbedarf. Neben dem Spardruck nennt er das angeschlagene Vertrauen in die Führung und die digitale Transformation als zentrale Herausforderungen. Veränderungen seien sowohl bei den Produktionsweisen als auch in der Unternehmensorganisation notwendig.
 
Konkret werden seine Vorstellungen bei den Einsparungen: Weniger Führungsebenen, die Zusammenführung von Tochtergesellschaften und der Abbau von Doppelstrukturen sollen Ressourcen freimachen. Redaktionelle Mittel will er möglichst umschichten, statt Redaktionen zu verkleinern. Zugleich spricht er sich für Investitionen in originäre österreichische und regionale Inhalte aus. Drei Auszüge aus dem Interview im Originalwortlaut:
 
Welche Möglichkeiten haben Sie als Generaldirektor überhaupt, auf die journalistische Arbeit Einfluss zu nehmen, ohne in die Berichterstattung einzugreifen?
Ich habe in der APA als Konzernchef und jetzt im ORF nie, kein einziges Mal, konkret Berichterstattung beeinflusst. Ab Jänner ist in der neuen Geschäftseinteilung die gesamte Information in der Generaldirektion angesiedelt. Ich war und bin gerne in den Redaktionen und im Austausch mit ihnen – aber nicht, um Texte, Bilder oder Grafiken zu verändern. Das würde auch meine eigene Intelligenz beleidigen.
Meine Aufgabe sehe ich vielmehr darin, die Redaktionen in ihrem Selbstverständnis zu einem möglichst hohen Professionalisierungsgrad zu führen und ein guter Chef zu sein. Wenn es darum geht, journalistische Normen weiterzuentwickeln, geht es um Diskurs und Auseinandersetzung, aber auch um datenorientiertes Arbeiten.
Das ist das Spielfeld, nicht der aktive Eingriff in die Berichterstattung. Entscheidend sind für mich Fragen wie: Was ist unser Benchmark? Was ist unser Maßstab? Wie stellen wir im Qualitätsmanagement Quellenglaubwürdigkeit und Quellenvielfalt sicher? Das ist mein Anspruch und meine Arbeitsweise.
 
Sie haben beim Zukunftsforum von einer „Reform an Haupt und Gliedern“ gesprochen. Was bedeutet das konkret?
Der ORF steht vor drei großen Herausforderungen: massivem Einsparungsdruck, einem angeschlagenen Vertrauen in die Führung nach dem Fehlverhalten einzelner Führungskräfte und der digitalen Revolution, vor allem mit Blick auf jüngere Zielgruppen.
Wir haben bei Programm und Publikum eine Überalterung. Das erfordert neue Ansätze in der Zielgruppenorientierung und ist ein Grund für die neue Direktion Audience und Plattformen. Gleichzeitig brauchen wir neue Produktionsweisen für digitale Inhalte.
Auch in Verwaltung und Unternehmensaufbau sind Reformen notwendig. Wenn der ORF gleichzeitig massiv sparen und sich digital transformieren muss, reichen kosmetische Eingriffe nicht. Die grundlegenden Produktionsweisen müssen überdacht werden.
 
Wo können Sie noch sparen – und wo auf keinen Fall?
Jeder Euro muss künftig noch stärker im Programm verankert werden. Sparen kann man bei der Führung und bei Führungskräften, bei Sachkosten und idealerweise auch bei Technikkosten, die sich trotz der Digitalisierung standardisieren lassen.
Auch in der Aufbauorganisation gibt es Potenzial: Tochtergesellschaften zusammenführen, kleinere Einheiten und Führungsebenen bündeln sowie Doppel- und Dreifachstrukturen in Prozessen abbauen. Dazu gehören auch zentrale Content-Pools, die unterschiedliche Redaktionen besser bedienen können.
Investieren wollen wir dagegen in den Publikumsdialog und in originäres regionales und österreichisches Programm. Dort würde ich die klare Trennlinie zwischen Sparen und Investieren ziehen.
 
Weitere Themen im Interview

  • Redaktionelle Unabhängigkeit: Warum er die ORF-Redaktionen für unabhängig hält, was er mit der „demokratischen Mitte“ meint und wie sich Ausgewogenheit messen lassen könnte.
  • Politischer Druck: Seine Reaktion auf Angriffe gegen ORF-Journalisten und seine Einschätzung zur Rolle von Peter Westenthaler im Stiftungsrat.
  • ORF-Governance: Warum er eine Alleingeschäftsführung für riskant hält und ein Vorstandsmodell mit Vier-Augen-Prinzip befürwortet.
  • ORF und private Medien: Wie er den Konflikt um die digitale Expansion des ORF lösen und die Zusammenarbeit mit privaten Medienunternehmen ausbauen möchte.
  • Finanzierung: Warum er die Haushaltsabgabe einer Budgetfinanzierung vorzieht und welche Veränderungen er bei ORF 1, ORF Sport Plus und dem RSO für notwendig hält.

 


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