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Studie: Viele Deutsche meiden Nachrichten und sehen Meinungsdruck

Viele Menschen in Deutschland fühlen sich durch Nachrichten zunehmend belastet. Das zeigt das Readly Barometer 2026. „Orientierung wird wichtiger und zugleich schwieriger“, sagt Readly-Deutschlandchefin Marie-Sophie von Bibra.

Berlin – Viele Menschen in Deutschland fühlen sich durch Nachrichten zunehmend belastet. Das zeigt das Readly Barometer 2026, das eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey mit Nutzungsdaten der digitalen Magazinplattform Readly kombiniert.


Demnach empfinden zahlreiche Befragte die heutige Informationslage als überfordernd. „Orientierung wird wichtiger und zugleich schwieriger. Nicht durch zu wenig Informationen, sondern weil sie ohne Einordnung, Gewichtung und Verständlichkeit an den Menschen vorbeirauschen“, sagt Marie-Sophie von Bibra, Geschäftsführerin von Readly Deutschland.


Sorgen vor Krieg und bewusster Nachrichtenverzicht
Die Studie zeigt auch ein starkes Bedrohungsgefühl in der Bevölkerung. 65 Prozent der Deutschen geben an, große oder sehr große Sorge vor einem dritten Weltkrieg zu haben. Besonders ausgeprägt ist diese Sorge bei älteren Menschen, in Ostdeutschland sowie bei Studierenden – unter ihnen äußern 83 Prozent entsprechende Ängste.


Parallel dazu berichten viele Befragte von einer zunehmenden psychischen Belastung durch Nachrichten. 24 Prozent vermeiden bewusst Nachrichten, um ihre mentale Gesundheit zu schützen. 19 Prozent fühlen sich von Inhalten in sozialen Netzwerken überfordert, nutzen diese aber weiterhin. 10,3 Prozent bezeichnen sich selbst als „nachrichtensüchtig“ und versuchen aktiv, ihren Konsum zu reduzieren.


„Nachrichten werden zunehmend als emotionaler Stressfaktor erlebt“, sagt von Bibra. „Schnelligkeit allein schafft keine Orientierung – Menschen suchen weniger neue Schlagzeilen als verlässliche Erklärungen.“


Gefühl eingeschränkter Meinungsfreiheit
Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, häufig oder zumindest gelegentlich das Gefühl zu haben, ihre Meinung nicht frei äußern zu können. Gemeint sei damit nicht ein rechtlicher Eingriff, sondern das subjektive Erleben in öffentlichen und privaten Debatten.


Als besonders konfliktträchtige Themen nennen die Befragten Migration und Asylpolitik (48,9 Prozent), den Israel-Gaza-Konflikt und Antisemitismus (31,4 Prozent) sowie Geschlechtsidentität und gendergerechte Sprache (21,8 Prozent). Diese Themen würden häufig als stark emotionalisiert wahrgenommen.


Kritik an Klimaberichterstattung
Auch die Berichterstattung über den Klimawandel stößt auf Kritik. Nur 11,8 Prozent der Befragten empfinden sie als ausgewogen, 15,8 Prozent als faktenbasiert. Gleichzeitig fällt die Kritik unterschiedlich aus: 42,9 Prozent halten die Berichterstattung für zu einseitig, 38,7 Prozent für zu alarmistisch und 22,5 Prozent für zu zurückhaltend. Knapp ein Viertel der Befragten gibt an, sich durch die Klimaberichterstattung verwirrt zu fühlen.


Besonders jüngere Menschen wünschen sich mehr Einordnung. So halten 36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die Berichterstattung für zu zurückhaltend.


Viele fühlen sich in Medien nicht repräsentiert
Das Barometer zeigt zudem eine deutliche Repräsentationslücke: Sechs von zehn Befragten geben an, sich in der Berichterstattung deutscher Medien nicht oder eher nicht wiederzufinden. Nur rund 10,6 Prozent sehen ihre Perspektiven und Lebensrealitäten klar abgebildet.


Die Distanz fällt regional unterschiedlich aus. In Ostdeutschland fühlen sich rund 70 Prozent der Befragten nicht repräsentiert, im Westen knapp 60 Prozent. Auch Studierende und Menschen in ländlichen Regionen äußern überdurchschnittlich häufig dieses Gefühl.


„Medien erfüllen ihre gesellschaftliche Rolle nicht nur durch Information, sondern auch durch Wiedererkennbarkeit“, sagt von Bibra. „Wo Menschen ihre Lebensrealität nicht abgebildet sehen, schalten sie ab – mit Folgen für Debattenkultur und Vertrauen.“


Digitale Nutzung steigt
Neben der Befragung wertet das Readly-Barometer anonymisierte Nutzungsdaten der Plattform aus dem Jahr 2025 aus. Diese zeigen eine steigende digitale Nutzung von Zeitungen und Zeitschriften. Gleichzeitig gewinnen ergänzende Audioformate und andere nicht textbasierte journalistische Angebote an Bedeutung.


Trotz veränderter Rezeptionsgewohnheiten bleibt laut Studie der Bedarf an Einordnung und verlässlichen Informationen hoch. Digitale Abo-Plattformen könnten dabei helfen, journalistische Angebote wirtschaftlich zu stabilisieren und redaktionelle Unabhängigkeit zu stärken.


Methodik
Das Readly Barometer 2026 basiert auf einer Online-Umfrage unter 2.500 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern ab 18 Jahren, die im Auftrag von Readly vom Meinungsforschungsinstitut Civey durchgeführt wurde. Durch Quotierung und Gewichtung gelten die Ergebnisse als repräsentativ für die deutsche Gesamtbevölkerung. Zusätzlich wurden anonymisierte Nutzungsdaten der Readly-Plattform aus dem Jahr 2025 ausgewertet.