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Vermischtes vom 31.07.2013

Applaus für Sebastian Heiser: "Jede Krise bei Springer ist eine gute Nachricht"

"Ines Pohl sollte sich auf keinen Fall entschuldigen. Bei wem auch? Es gibt ja schließlich gar keine "Journalisten" bei den betroffenen Springer-Blättern", nimmt Newsroom.de-Leserin Katja Kittler "taz"-Redakteur Sebastian Heiser in Schutz.

Berlin - Für seinen deutlichen Kommentar erhält Sebastian Heiser nicht nur Kritik, sondern auch viel Zuspruch.

In dem Beitrag, in dem er den Wegfall von bis zu 50 Redakteursstellen bei "Bild" und "BZ Berlin" thematisiert, schreibt Sebastian Heiser: "Die Vielfalt, mit der Bild und BZ Berlin bereichern, ist etwa so wertvoll wie die Vielfalt an Hundekacke auf der Straße". Newsroom.de hatte auf den Kommentar hingewiesen und Leserinnen und Leser um ihre Einschätzung gebeten. Die negativen Reaktionen finden Sie hier.

In der "taz am wochenende" am vergangenen Samstag ist der Meinungs-Artikel von Sebastian Heiser erschienen (Titelthema übrigens: "Was ist Verantwortung?"). Der taz-Redakteur erntet für seinen Beitrag "50 Mitarbeiter entlassen: Kein Mitleid mit Springer!" viel Zuspruch.

Beifall für klare Worte

Aus Bamberg meldet sich Feuilleton-Redakteur Rudolf Görtler zu Wort: "Selbstverständlich darf man das. Wenn Springer-Blätter verschwänden, wäre das nur als Gewinn zu werten, für Medien, Politik und Land. Das sage ich als Betriebsrat und Gewerkschafter, der jedoch nicht in das übliche Lamento über verlorene Arbeitsplätze einstimmt, ganz gleich, ob es um die in der Waffenindustrie oder eben bei Dreckblättern geht. Zur Erinnerung sei nur mal wieder ein Blick in die hervorragenden Kompilationen von Gerhard Henschel empfohlen, „Gossenreport“ und „Die Springer-Bibel“. Boulevard insbesondere Springer’scher Prägung ist nur ein Euphemismus für Schwachsinn, Infantilismus und Perfidie."

"Ines Pohl sollte sich auf keinen Fall entschuldigen"

Für Newsroom.de-Leserin Katja Kittler steht fest: "Ines Pohl sollte sich auf keinen Fall entschuldigen. Bei wem auch? Es gibt ja schließlich gar keine "Journalisten" bei den betroffenen Springer-Blättern. Über die Entlassung der Mitarbeiter kann man sich durchaus freuen, schließlich haben diese Damen und Herren ihr Gewissen schon vor langer Zeit ausgeschaltet und mit ihrer Arbeit persönliches Leid verursacht. Im übrigen wünsche ich den Entlassenen viel Spaß bei der Jobsuche in der von ihnen mitpropagierten "neuen sozialen Marktwirtschaft". Wie uns die Springerblätter immer munter erzählen, herrscht in der Wirtschaft ja Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, so dass jeder Qualifizierte problemlos einen neuen Job findet und diejenigen Springer-Mitarbeiter die tatsächlich in Arbeitslosigkeit gehen müssen, sind daher offensichtlich entweder dumm oder faul."

"Ich freu' mich, dass die Springer-Meute (der Blödzeitung und deren kleiner schmuddliger Schwester B.Z.) eingedampft wird", schreibt Klaus D. Mueller.

"Jede Krise bei Springer ist eine gute Nachricht"

Heiko Mausolf findet, dass es das gute Recht von Sebastian Heiser ist, so zu argumentieren. Mausolf schreibt: "Aber natürlich darf, ja muss man. Erstens wird gern das Arbeitsplatz-Argument gebracht, nach dem jeder Arbeitsplatz besser ist als kein Arbeitsplatz. Das ist schlicht Quatsch. Wer sich durch Annahme eines Arbeitsplatzes bei der Bild-"Zeitung" prostituiert, unterstützt diesen kriminellen Proleten-Journalismus und verdient kein Mitleid bei dessen Verlust. Jede Krise bei Springer ist eine gute Nachricht, und Arbeitsplatzverlust bei Bild ist ein Grund zum Anstoßen, so einfach ist das."

In die gleiche Kerbe haut Ulrich Raschke: "Wenn einem Arschloch das Handwerk gelegt wird, ist das für mich erst mal eine gute Nachricht - gleich ob es sich um Trickbetrüger, Polizisten oder Journalisten handelt. Die Differenzierung, dass nicht alle BILD-Kollegen Arschlöcher sind, liefert der Kommentar sehr wohl. Genaues Lesen hilft gegen unnützen Schaum vorm Mund!"

Darf man sich über den anstehenden Jobverlust bei Axel Springer freuen? Was sagen Sie? Schreiben Sie uns bitte per E-Mail an chefredaktion@newsroom.de. Gerne können Sie Ihre Meinung auch auf Facebook kundtun.

"Der hitzige Kommentar zu den Entlassungen ist völlig berechtigt; er geht nach vorn und erzählt die Wahrheit - davon abgesehen, inwiefern Herr Heiser sich selbst gegenüber ehrlich ist. Das kann ich nicht beurteilen.

"Eine Perle im Saustall"

Aber viele nehmen es mit ihrem 'Berufsethos' nicht mehr so ernst. Angesichts der globalen journalistischen Situation nachvollziehbar. Auch der Journalismus tendiert zur Industrie, zum Akkord. Quantität geht über Qualität, und Populismus oder gar Demagogik gehen über Sachlichkeit und journalistischem Schöngeist.

Deshalb kann man die scharfe Kritik nur konstruktiv sehen, oder eher symptomatisch: Zum Einen macht es aufmerksam auf die erzwungene Niedertracht; es zeigt, dass Journalisten in Mittel-zum-Zweck-Manier schreiben und überleben müssen - und dass dieser engagierte Kommentar einem Kleinod nahekommt. Eine Perle im Saustall", erklärt Newsroom.de-Leser Thomas Becker.

"Gegenfrage: Würden Sie einen „Journalisten“ einstellen der in seiner Skill-Liste stehen hat, das er x Jahre bei der Blöd-Zeitung war?", schreibt Werner Hennig.

"Schleierhaft, wie sich Bild auf Pressefreiheit berufen kann"

Jan Hauke Rentzow schreibt: "Heiser ist da nicht der einzige. Die BILD hat in ihrer gesamten Laufzeit systematisch die Persönlichkeitsrechte ihrer Opfer missachtet, was ja auch durch die vielen Rügen des Presserates bestätigt wird. Mit anständigem Journalismus hatte das schon lange nicht ansatzweise was zu tun. Und als Unterhaltung konnte man diese Lügen und sonstigen Verdrehungen auch nicht bezeichnen. Insofern ist mir schleierhaft, wie sich die BILD überhaupt auf die Pressefreiheit berufen kann.

Ein pikantes Beispiel war für mich die BILD-Berichterstattung über den Prozess von Ottfried Fischer. Ihr Journalist wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen und die Redaktion stellt es so dar, als sei sein Verhalten, hätte es nachgewiesen werden können, für rechtmäßig erklärt worden. Natürlich mit der Überschrift "Sieg für die Pressefreiheit". Nein, nicht Sieg für die Pressefreiheit, eher ein Sieg für den einzelnen Journalisten, der sich aus der Affäre ziehen konnte."

Bülend Ürük

 

 

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